Lene Kosti setzen die Segel in eine neue Ära (2011)
Autor: Urban Bolta
Ort: Roll Bar / Ljubljana
Konzertdatum: 07.04.2011
Besucherzahl: 100
Eintritt: frei
Noch kein volles Jahr war seit dem letzten (na ja, ersten) Gastspiel der Lene Kosti im Roll Bar im BTC vergangen, da stand schon das zweite auf dem Programm. Gut ein Jahr nach dem Release des Debüts „Do or Die“ und zahlreichen Konzerten hatten die Lene Kosti begonnen, den Blick auf ein neues Album zu richten, und damit beschlossen, ein neues Kapitel ihrer Geschichte aufzuschlagen – weshalb der diesmalige Auftritt in der Jarška für alle Fans der Band mehr als verlockend war, um live nachzuhaken, was mit den Paten des slowenischen Heavy Metal in ihrer äußerst turbulenten Phase gerade so läuft.
Im Herbst hatte Aaron Cernatič (Mit, Lady’s First) die Bassistenlücke nach dem Abgang von Gregor Brenko gefüllt – gemeinsam mit Schlagzeuger Rok „W.U.K.O.“ Večerin bilden die beiden jetzt eine komplett erneuerte Rhythmussektion. In dieser Aufstellung hatte sich die Band erstmals im Dezember im Orto Bar präsentiert, und mit Beginn des neuen Jahres hatte die Gruppe mit frischem Blut in den Reihen begonnen, neuen Erfolgen entgegenzumarschieren. Aus dem Lager der Lene Kosti hatte man durchsickern lassen, dass der diesmalige Auftritt in der Jarška zwei brandneue Stücke ins Repertoire bringen würde – da war die Frage, wohin ich an einem ruhigen Aprilfreitag gehen sollte, für mich eigentlich überflüssig. Zu den Lene Kosti, eh klar!
Im für den Rockergeist nicht gerade einladenden Roll Bar wimmelte es an diesem Abend nur so von Bikern – die Besitzer der motorisierten Hengste hatten nämlich ihr internes Freitags-Mototreffen, was bestens mit dem Konzert der schwereren Rhythmen zusammenpasste. Schon beim Betreten des Clubs wäre man beinahe in den Merch-Stand der Lene Kosti hineingelaufen, und ein flüchtiger Blick ins Innere offenbarte ein leicht komisches Sammelsurium an Besuchern. Wir Liebhaber des schweren Rock-Sounds überwogen, aber es gab auch eine ganze Reihe an Stammgästen des Clubs, die sich an einem gewöhnlichen Freitagabend lieber ein enges rosafarbenes T-Shirt anziehen als ein Judas Priest-Shirt. Macht aber nichts – schon der Eröffnungssong des Abends, Uninvited Guest, zog diejenigen an die Bühne, die wegen der Band gekommen waren. Frontmann Milan „Dr. Evil“ Krušič hatte diesmal das bunte Sortiment aus Böse-Doktor-Kostümen, Sensenmann-Verkleidungen und anderen mehr oder weniger unheilverkündenden Gestalten zu Hause gelassen und widmete sich so hundertprozentig seinen Gesangspflichten, die er trotz dem höllischen Tempo sehr souverän und überzeugend absolvierte. Durch den gesamten Auftritt behielt er eine messerscharfe Stimme bei, problemlos kämpfte er sich auch durch die anspruchsvollsten Lines – etwa bei Warrior oder Diamonds and Rust, wo der Gesang wegen des langsamen akustischen Unterbaus der Brüder Kavaš in die vorderste Kampflinie tritt und eine noch prägendere Rolle spielt, und eventuelle Patzer noch deutlicher zu hören wären. Nach Diamonds and Rust folgte der erste Höhepunkt des Abends – The Cage! Das ist ein brandneuer Song mit rauer, expressiver Speed-Metal-Rhythmik und dem für Lene Kosti typisch knalligen Refrain, der dem Fieber im Club nur noch Öl ins Feuer gegossen hat.
Das Gitarrenduo der Brüder Giovanni und Marco Kavaš leistet dank ihrer guten gegenseitigen Vertrautheit stets hervorragende Arbeit und legt zuverlässig das gitarristische Fundament, das von der bereits erwähnten neuen Rhythmusmaschine begleitet wird – W.U.K.O. am Schlagzeug und Aaron am Bass. Häufiges Blickziel war diesmal Aaron – nach einem halben Jahr Einspielzeit als Bassist der Band und trotz erst des dritten Auftritts ist klar, dass die Chemie zwischen den Bandmitgliedern endlich die richtige ist und der Auftritt folglich flüssig und entspannt wirkt. Auf dem Fundament dieses gegenseitigen Vertrauens können die Lene Kosti in der kommenden Zeit unbeschwert das lang ersehnte zweite Album planen. Der Sturm endete mit dem Song Nightmare, bevor rund 20 Minuten Pause anstanden, die gut dazu dienten, Kräfte für den zweiten Teil des Abends zu sammeln.
Da wir auf Krušičs gewohntes Theatershow-Spektakel verzichten mussten, konnte sich die Band Rotationen im gespielten Repertoire erlauben, denn der Auftritt basierte auf keinem zentralen Konzept, das eine genau festgelegte Reihenfolge erfordert hätte. Der zweite Teil bot einige der härtesten Tracks des Debüts „Do or Die“ – darunter Warrior, Russian Girl und Rock Power –, für den Höhepunkt sorgte aber Penetrator, ein weiterer Premiere-Track, eine frische Schöpfung des Duos Brüder Kavaš & Krušič. Der erste Eindruck von den beiden neuesten Stücken ist äußerst positiv – mit mörderischem Tempo peilt die Band noch extremere Gewässer an, keine Zeit zum Luftholen, und aus den Gitarrenlinien sind die versteckten Blues-Krümel verflüchtigt, sonst das Markenzeichen des Boogie-Metal-Debüts. Das sind natürlich nur meine ersten Eindrücke – für eine genauere Einschätzung muss man noch ein bisschen warten und einen der nächsten Auftritte der Band abpassen. Als Sahnehäubchen nach dem gelungenen Wiedersehen gaben uns die Metal-Krieger auf der Bühne vor dem endgültigen Abschied noch einmal The Cage und erinnerten uns daran, dass die Arbeit am neuen Album für die Band im Moment oberste Priorität hat.
Mit dem Freitagskonzert haben die Lene Kosti erfolgreich die Segel in eine neue Ära gesetzt – die Post-„Do or Die“-Ära –, womit die Promotion des Debüts nun offiziell abgeschlossen ist und die Band aufrechten Hauptes in die Zukunft blickt, die ihnen gewiss neue Erfolge bescheren wird. Charismatisches Auftreten mit Frontmann Krušič an der Spitze, zuverlässige Performance und Chemie, die stimmt. Das sind die Qualitäten des einzigen echten (aktiven) traditionellen Heavy-Metal-Kollektivs im Land Krain – das aber, das beobachte ich schon von Anfang an, keine echte Unterstützung seitens der jüngeren Metal-Generation findet. Auf die Frage, warum das so ist, kenne ich leider keine Antwort.
Fotos: Martin Prezelj
Setliste
Teil 1: 1. Uninvited Guest 2. I Got The… 3. Diamonds and Rust 4. The Cage 5. Stones of Death 6. Iron Dragon 7. Time for Love 8. Tube Snake Boogie 9. Nightmare ————– Teil 2: 10. The Sting 11. Play With Fire 12. Sunrise 13. Warrior 14. Russian Girl 15. Penetrator 16. Rock Power 17. Do or Die 18. The Cage
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