Lene kosti im String`s Bar (2014)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / String's Bar / Slowenien
Konzertdatum: 21.11.2014
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 0,00€ (freier Eintritt)

Kaum der zweite Auftritt der großen Paten der slowenischen Metal- und Rockszene in diesem Jahr, der legendären Boogie-Metaller Lene kosti, angekündigt in der ehemaligen Scratch Bar, die kürzlich in Strings Bar umbenannt wurde, lieferte dieses kleine kribbelnde Bonbon der Wollust ins diesjährige mehr als bunte und vollgepackte herbstliche Konzertangebot. Im String’s Bar prasselte eine Flut von Besuchern herein. Lene kosti ist dafür bekannt, dass ihre alten Fans, die in den Achtzigern zusammen mit ihnen auf den Straßen von Nove Jarše aufgewachsen sind, sie nach der Reaktivierung 2008 keineswegs vergessen haben. Auch diesmal war es nicht anders. Alte Bekannte, am alten Ort. Treue bis ins Grab. Gleichzeitig füllte eine Basis jüngerer Liebhaber des härteren Klangerbes den Raum, und was am wichtigsten ist: an weiblichen Besucherinnen mangelte es im Publikum nicht – Beweis für die ewig jugendliche Ausgelassenheit und die magnetische Anziehungskraft, die diese charismatische Band auf der Bühne beibehält, auch in den reifen Jahren ihres Schaffens.

So viel zur Einleitung in einen Auftritt, der erwartungsgemäß in zwei Teile aufgeteilt war! Mit einer 20-minütigen Pause dazwischen. Wie gewohnt kam ich auch diesmal zu spät zum Veranstaltungsort. Du weißt ja, wie das mit dem Parken in diesem  Trnovo-Viertel von Ljubljana so ist? Da kann man sich den Kopf zerbrechen. »String’s Bar« brodelte, während die Band ihre bekanntesten und legendär gewordenen Klassiker abfeuerte, größtenteils aus dem Album »Do or Die« (2010) stammend, die noch in den frühen Achtzigern entstanden. Das frisch aufgefrischte Line-up, dessen Kern das ultimative, ursprünglich-gründende und deshalb ewige Duo der stets gutgelaunten Brüder Marc und Giovanni Kavaš bildet, lieferte genau das, was man von Lene kosti erwartet. „Boogie“-Penetration bis auf die Knochen! 

Es handelt sich um eine Band, die es schafft, das Publikum in einen unglaublichen Zustand der Zügellosigkeit zu versetzen – in Neigungen, die sehr schnell zu einem sorglosen Zurschaustellen hedonistischer Exzesse führen können. Nicht zuletzt bewies dies auch das »Fischtanzen« auf den Tresen des String’s Bar (siehe Fotogalerie). Das Publikum ließ die Band auch nach dem Ende des regulären Teils, als es längst nach elf Uhr abends war, nicht so leicht von der Bühne. Die Band musste einige Songs auf Wunsch des Publikums am Ende des Konzerts sogar wiederholen, schon nach den obligatorischen Zugaben. Das Bier floss in Strömen, dem Blödsinn  war kein Ende in Sicht. Schlicht und einfach. Größere „erwachsene Kinder“ in der Musikwelt als Marc und Giovanni findest du nirgendwo auf diesem kleinen Planeten. Und die Energie, die sie ausstrahlen, bleibt unglaublich ansteckend.

Die Band ist trotz der Tatsache, dass sie im letzten Jahr äußerst selten auf Bühnen aufgetreten ist, hervorragend eingespielt. Der Großteil der Akteure ist erfahren und abgehärtet, und der junge Jan Tehovnik, den wir Anfang Oktober beim Auftritt seiner Pyroxene gesehen hatten, hat seinen Bühnenauftritt noch weiterentwickelt und ausgebaut. Der Kerl singt phänomenal, er hat das musikalische Wesen und Werk von Lene kosti ausgezeichnet verinnerlicht, und sein stellenweise extrem hoher, dabei durchgehend melodisch-autoritativ gestützter Gesang hat beim Konzert mehrmals die volle Aufmerksamkeit auf sich gezogen, als er mit extremen Schreien den Luftraum des String’s Bar zerfetzte. Der Sound exzellent, die Lautstärke für den kleinen Raum genau richtig. Das Event erinnerte energetisch an das Abschiedskonzert der Scratch Bar mit der Besetzung Eruption, als du vor lauter ausgelassener Überfüllung nicht mal an den Tresen zum Bierholen kamst.

Im Repertoire reihten sich also Klassiker:  I Got The…, Do or Die, Stones Of Death, Rock Power, Play With Fire, das halsbrecherische Warrior,  Nightmare – der Song mit einem der monströsesten Riffs der Bandkarriere, dann das boshaft – kokette Sunrise, die hauseigene Pflichtlektüre Russian Girl, sowie das legendäre »Ironija na Dragonji«, korrekterweise Iron Dragon (auf großen Publikumswunsch nach der obligatorischen Zugabe noch einmal gespielt). Natürlich fehlten auch die Songs des Albums »Penetrator« nicht, inklusive des Titeltracks, dazu Spread Your Legs, Let’s Rock; die Band holte auch »Park Bar«-Songs mit deutlich aufgefrischten Arrangements zurück in die Setlist, darunter Highway to Nowhere, Lady Evil und Fly in the Sky. Gegen Ende des Repertoires überraschte die Band mit der Darbietung einer der jüngeren Judas Priest-Kreationen und nahm sich des Songs Revolution an. Dieser fügte sich phänomenal in das restliche Repertoire der Band ein.

Lene kosti bleiben einfach mitreißend. In allem, was sie anpacken. Ein neues Album ist in Entstehung, mehr als die Hälfte des neuen Materials ist bereits geschaffen – und das ist eine schöne Aussicht, denn die Energie im Team ist hervorragend und zwischen den Mitgliedern herrschen starke Bande der Kohärenz und des gegenseitigen Anspornens, weshalb der Zeitpunkt für die Erschaffung einer neuen Platte kaum besser sein könnte. Hoffen wir, dass wir das neue Album der Band gegen Ende nächsten Jahres bekommen. Falls du an diesem Novemberfreitag den String’s bar wegen anderer Verpflichtungen zufällig ausgelassen hast, bietet sich dir die erste Möglichkeit zur Wiedergutmachung am 27.12.2014, beim traditionellen Konzert von Lene kosti im Rollbar – das ist praktisch auf ihrem Heimatboden in Jarše. Wir sehen uns dort! 

Fotogalerie

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