Lady’s First – wir machen alles selbst! (2007)

0 9

Datum des Interviews: 03.08.2007

Lady’s First, die Metaller aus Bled, feiern ihr 9-jähriges Bestehen. Letztes Jahr haben sie in verjüngter Besetzung endlich ihr Studiodebüt namens „911“ (2006) veröffentlicht. Ein Quintett unterschiedlicher persönlicher Sichtweisen, die sich über das Erreichen eines gemeinsamen Ziels ergänzend zu einem kühnen Heavy-Metal-Ganzen fügen, besteht aus Tomaž Frelih – Youda (Gitarre), Domen Guzelj – Guzi (Gesang), Miha Oman – Buco (Gitarre), Miha Plesničar – Flesho (Bass) und Simon Čarman – Čare (Schlagzeug). In Slowenien gibt es so eine Band kein zweites Mal: Die Jungs verbinden die direkte Schlagkraft des Heavy Metal mit glatt fließenden klassischen Riffs, in deren Form sich echte Hardrock-Erotik einschleicht. Und über all dem haben Lady’s First eine Charaktereigenschaft, mit der sich nur wenige Bands rühmen können. Verzaubert haben sie mich mit großem Herzen, Ehrlichkeit und einer klaren Vision. So entstand die Idee zu einem Interview ganz spontan im Gespräch mit Miha Oman – Buco am ersten Festivaltag (03.08.2007) in Baredi oberhalb von Izola, das der Moto klub MK Red Eye in Baredi organisiert hat und bei dem Lady’s First eine wichtige Rolle spielten, denn sie kümmerten sich um die Organisation des Konzertteils. Am nächsten Festivaltag habe ich die Bandmitglieder dann eingefangen, bis auf Youda, der wegen seiner Organisationsaufgaben unser Gespräch auslassen musste und nur für eine kurze Fotosession eingesprungen ist. Während des Gesprächs im Backstage-Zelt rockten auf der Bühne schon die Italiener Lost 4 Found, sodass wir uns beim Reden fast anbrüllten, am gesprächigsten waren Buco und Domen.

RockLine: Jungs, wie ist gerade die Stimmung im Team?
Čare: Die Stimmung ist das, was du siehst, was wir auf die Beine stellen! Wir versuchen, mit diesem Schwung weiterzumachen und durchzuziehen, was wir uns vorgenommen haben. Ein paar Konzerte sind für die nahe Zukunft schon fix, und wenn an den Wochenenden noch der eine oder andere Termin dazukommt, wäre das richtig super.“

RockLine: Eure Platte „911“ ist endlich draußen. Wie zufrieden seid ihr mit den Reaktionen, wie haben die Leute sie aufgenommen?
Buco: Wenn man bedenkt, dass wir praktisch alles selbst machen, war allein die Tatsache, dass wir eine Platte veröffentlicht haben, für uns ein riesiger Erfolg. Was das Interesse am Album und die Promotion der Band angeht, also dass wir den Leuten unseren Namen näherbringen, haben wir bisher so 80% geschafft, die 100% wollen wir dann mit dem nächsten Album erreichen.

RockLine: Wie waren die Anfänge der Band? Wie seid ihr zusammengekommen?
Buco: Eigentlich sind ich, Čare und Flesho als Letzte zur Band gekommen. Ich bin seit drei Jahren dabei, Čare und Flesho seit anderthalb, also spielen wir in der aktuellen Besetzung seit anderthalb Jahren. Youda und Domen sind die einzigen zwei Mitglieder der jetzigen Besetzung, die zur ursprünglichen Lineup von Lady’s First gehören. Davor haben ich, Flesho und Čare bei Asession gespielt, Čare und ich bei Alcohollica, und irgendwann kam es dann zu einer Art Zusammenschluss von Asession und Lady’s First, und übrig geblieben sind Lady’s First.

RockLine: Domen, du bist bei Lady’s First von Anfang an dabei…
Domen: Genau. Seit es Lady’s First unter diesem Namen gibt.

RockLine: Seit wann ist das?
Domen: Na ja, nächstes Jahr feiern wir das erste Jahrzehnt der Band. Wir sind durch ziemlich viele Veränderungen gegangen. Mit der heutigen Besetzung läuft alles richtig glatt. Jeder gibt im Grunde sich selbst komplett in die Sache, in die gemeinsame Sache. Die heutige Truppe vereint fünf Leute, die dasselbe machen wollen. Und das ist der Schlüssel zum Erfolg.

RockLine: Wieso hat es so lange bis zur Veröffentlichung eures Debüts gedauert, des Albums „911“, das 2006 erschienen ist?
Domen: Ja, „911“ (ausgesprochen: „night eleven“, Anm. d. Verf.) ist tatsächlich erst vor Kurzem erschienen, aber die Hälfte der Songs darauf ist älter und reicht bis ins Jahr 2000 zurück. Nachdem Buco zur Band gestoßen war, hat er die Texte zu drei älteren Stücken geschrieben und zusätzliche Texte für den Rest des Albums beigesteuert. Die Musik für das Album hat größtenteils Youda zusammengebaut, ein paar Ideen kamen noch von Buco, und den ganzen Sinn von „911“ hat dann die Band als Ganzes umgesetzt und aufs Band gebracht.

RockLine: Hat die letzte Auffrischung der Besetzung den Sound selbst verändert?
Domen: Definitiv.
Buco: Wir sind deutlich härter geworden. Früher hatten wir im Repertoire Songs älterer Bands, zum Beispiel Deep Purple, Metallica-Coversongs gab es dagegen nicht. Und es entsteht schon ganz neues Material, das noch härter wird als das, was man auf dem Album „911“ hören kann.

RockLine: Buco, wie kommen die beiden Gitarristen bei Lady’s First miteinander klar?
Buco: Super. Wir müssen ja miteinander klarkommen. Youda ist besser bei den Soli, ich stütze mich mehr auf den Rhythmus, arbeite mehr an den Rhythmusstrukturen und achte darauf, dass mein Spiel mit Bass und Schlagzeug zusammenpasst.

RockLine: Mit welcher Musik seid ihr aufgewachsen, was sind eure Einflüsse?
Čare: Die Musik von Lady’s First ist ziemlich unterschiedlich. Eigentlich deckt jeder von uns einen anderen Bereich der Musik ab.
Domen: Es gibt auch Generationsunterschiede zwischen uns. Und das merkt man. Es ist tatsächlich interessant: Als Buco, Čare und Flešo eine bestimmte Musik kennenlernten und mit ihr groß wurden, bin ich mit ihr schon „gealtert“. Wir haben einen Generationenabstand. Als Guns N‘ Roses kamen, habe ich als 5 – 10 Jahre Älterer diese Band völlig anders wahrgenommen als die anderen. Für die war das eine total heiße Band, genauso Metallica usw.…

RockLine: „911“ ist ein interessantes, vielschichtiges Album, es hat die richtige dramatische Metal-Stimmung, klassische Riffs, und es gibt sogar ein paar spannende Abstecher zu Kniffen, wie man sie aus dem Hardrock kennt…
Domen: Die beiden Gitarristen verstehen Musik unterschiedlich, zwischen ihnen liegt ein Altersunterschied.
Buco: Youda fährt zum Beispiel wirklich dieses Eighties-Iron-Maiden-Prinzip. Das liegt ihm. Ich dagegen… mir liegen viel mehr Riffs von Leuten wie Machine Head, dann ist da Pantera. Und zwischen uns beiden hat das zusammengepasst, Čare kann uns folgen, während unser Schlagzeug eher „new age“ ausgerichtet ist, zumindest empfinde ich es so, was uns erlaubt, die Struktur der Songs und ihren Sound abwechslungsreicher zu machen.

RockLine: Wie ist die Metal-Szene in Slowenien gerade, wie nehmt ihr sie wahr, wäre es denkbar, dass sich solche Bands in Slowenien gegenseitig zu unterstützen beginnen, dass sie sich zu einer Art „losen“ Verbindung zusammenschließen, wenn ich mir ein bisschen Träumerei erlauben darf?
Buco: Wir bieten jeder Band, wenn es irgendwie geht, Hilfe und Zusammenarbeit an. Aber natürlich schauen wir zuerst auf uns. So ist das nun mal. Jeder ist sich selbst der Nächste. Unser Ziel ist es, die Massen mit guter Musik und einem guten Namen zu packen und zu überzeugen. Dass die Leute, die zu unseren Konzerten kommen, auch etwas von ihrem Besuch mitnehmen.
Domen: Du musst alles selbst machen. Wenn du darauf wartest, dass dir andere helfen, hast du dich gleich am Start über den Tisch ziehen lassen.
Buco: Noch etwas. Die Band wird von Jahr zu Jahr älter, erfahrener und braucht dementsprechend möglichst viel Feedback von den Massen, die uns begleiten. Und zwar nicht nur Massen im Sinne von Zuhörern, sondern auch Rückmeldung von den Veranstaltern. Größtenteils nehmen uns die Zuhörer sehr gut auf.
Domen: Es gibt wenige „echte“, ehrliche Leute, denen du in diesem Business vertrauen könntest. Du hast zwei Sorten von Leuten: „Mensch – Mensch“ und „Mensch- Arschloch“. Das Problem ist, dass Letztere in diesem Geschäft die Mehrheit bilden und die wichtigen Zügel in der Hand halten. Das würden die meisten vielversprechenden Garagenbands im Moment bestätigen, die deswegen nirgendwohin durchkommen, beziehungsweise spürbar länger und schwerer durchkommen, als sie es sonst würden
Buco: Bands wie uns in dem Genre, das wir vertreten, gibt es bei uns wenige. Wir bemühen uns, mit allen konstruktive Kontakte zu halten, was die Zusammenarbeit angeht. Du weißt ja, wie das ist. Lady’s First sind wir heute, morgen gibt es uns vielleicht nicht mehr. Du brauchst gute Beziehungen, falls es zu irgendwelchen unerwarteten Veränderungen kommt.

RockLine: Meine Güte, das klingt ja wie eine schicksalhafte Prophezeiung für Lady’s First. Ich hoffe, ich irre mich?
Buco: So habe ich es nicht gemeint. Wir glauben alle an die Sache, versteht das nicht falsch. Wir haben eben gelernt, dass die Realität etwas anderes ist als Träume.
Flesho: Im Moment verstehen wir uns sehr gut und sind richtig gute Kumpels, wir sind eine tolle Truppe, die Energie stimmt, und jeder Zweifel in dieser Richtung wäre ein verrückter Zug.
Domen: Solange wir uns im Schnitt zweimal im Monat streiten und das so bleibt, ist alles super. Wenn dann Stille eintritt, dann wird’s scheiße, du weißt ja, wie das ist, wenn du im Fernseher ein Bild ohne Ton hast…
Buco: Wenn wir hart arbeiten, kommt es auch zu Streit. So ist das eben. Ein bisschen Nervosität und alles, was dazugehört, Stress,…
Domen: Wir sind zu fünft. Nie ist allen in der Band alles recht.

RockLine: Letztes Jahr soll auf einem ähnlichen Motorradtreffen wie dem hier in Baredi angeblich ordentlich was los gewesen sein. Das war bei Ankaran, wo auch ihr gespielt habt …
Domen: Vorletztes Jahr. Letztes Jahr gab es Regen.
Buco: Es waren viel mehr Leute da und die Resonanz war super. Diese Motorradtreffen sind die ideale Gelegenheit, dass uns auf einmal viele Leute kennenlernen, deshalb gilt es, solche Auftritte unserer Band immer mitzunehmen.
Domen: Fakt ist, dass uns ein Teil des Publikums als Band wahrnimmt, die auf Motorradtreffen gehört. Das ist im positiven Sinn sehr wichtig, weil uns hier immer die Türen offenstehen.

RockLine: In eurer Musik ist die melodische Komponente stark präsent. Ich denke, dass ihr deshalb für ein breiteres Publikum zugänglich seid, und wenn ich es gleich ein bisschen eingrenze, könnt ihr unter eurem Dach sowohl Heavy-Metal- als auch Hardrock-Fans vereinen. Das hört man auf dem Album „911“, ich weiß aber nicht, welche Richtung ihr für die Zukunft einschlagt…
Buco: Nein. Wir werden nicht aus den vorgezeichneten Bahnen ausscheren. Wir werden immer darauf achten, uns in dem Kreis von Hörern zu bewegen, den wir mit dem Album „911“ erobert haben.

RockLine: Und die neuen Ideen sind angeblich noch härter, ich meine für das neue Album. Versucht ihr, euch aktuellen Modetrends anzunähern?
Buco: Der Trick ist, immer so zu arbeiten, dass du etwas machst, was dir wirklich richtig gut gefällt, einen bestimmten Riff, einen Song zu erschaffen, der dir besonders am Herzen liegt. Dabei darfst du aber die Fans nicht vernachlässigen, die du mit der ersten Platte gewonnen hast. Gerade jetzt finde ich, dass wir einen Fehler machen würden, wenn wir im Vergleich zum Debüt einen extremen Genre-Ausreißer hinlegen würden, zum Beispiel gleich anfangen, Thrash zu „bügeln“. Wir würden wohl alle Sympathisanten verlieren, die wir mit „911“ gewonnen haben. Die muss man aber pflegen, indem du sie für ihre Treue mit stilistischer Konsistenz bei jedem Album belohnst. Wir arbeiten eben in der vorgezeichneten Richtung, wir werden ohnehin immer in erster Linie auf Melodik bauen. Natürlich mit frischen Ideen. Die Entwicklung der Band muss man natürlich ständig im Blick haben. Auch für das neue Album bereiten wir Material vor, das sehr abwechslungsreich sein wird, mit einem härteren Sound.

RockLine: Und was ist mit Live-Auftritten?
Buco: Die ganze Zeit, egal ob wir gerade an einem neuen Album arbeiten oder nicht. Wir müssen ständig so viel wie möglich auf den Bühnen stehen. Es wäre nicht gut, uns im Studio einzuschließen und nicht mehr aufzutauchen, bis zum Beispiel die neue Platte fertig ist.
Domen: Wir versuchen, alles zusammen und nebenbei zu machen.
Buco: Deshalb geht alles etwas langsamer. Manche Bands können es sich leisten, zum Beispiel das ganze Jahr kein einziges Konzert zu spielen. Sie nehmen ein Album auf, das ihnen selbst richtig super gefällt, aber die Leute nehmen es nicht gut auf, und das kann ein zweischneidiges Schwert sein: Fällt die Reaktion aufs Album negativ aus, gehen dir automatisch auch die Türen zu den Konzertbühnen zu und du wirst nur noch wenig auftreten. Wenn du aber ständig spielst und alle halbe Jahr einen neuen Song aufnimmst und ihn live den Massen vorstellst, sagen wir einen oder zwei, bis sich ein neuer Song „festsetzt“, und dann „knallst“ du die neue Platte raus, von der du von Anfang an weißt, dass da Songs drauf sind, die die Leute live kennengelernt und gut aufgenommen haben, dann sind auch die Erwartungen von der Band selbst umso positiver. Das gibt dir im Voraus eine Art Garantie für den Erfolg.
Domen: Bestimmte Bands haben einen Vorteil. Die können sich im Studio einschließen und andere machen ihnen die Werbung, während wir uns um alles selbst kümmern müssen, natürlich auch um die Werbung, wir organisieren uns die Gigs selbst.. wahrscheinlich ist es der Wunsch jeder Band hier in Slowenien, sich für ein Jahr im Studio einzuschließen, rauszukommen und sofort 10.000 Exemplare des neuen Albums zu verkaufen und dann ein Jahr lang auszuruhen, aber das gibt es bei uns nicht.

RockLine: Buco, du hast dich als sehr fähiger Organisator erwiesen, heute Abend bei diesem Festival. Du sorgst die ganze Zeit dafür, dass sich alle auftretenden Bands wohlfühlen. Dazu das Musik-Equipment, das ihr Lady’s First mitgebracht habt,… Auf diese Weise kommt ihr noch leichter zu Auftritten und bringt so eure Musik noch leichter unter die Leute…
Buco: Klar, so ziehst du auch deine eigene Band auf die Bühne. Die Beschallung hat für dieses Festival Youda organisiert und es ist seine, und wenn du den Bands, die mit dir auftreten, ermöglichst, mit dem Sound zufrieden zu sein, und auch der Veranstalter so eine Bestätigung bekommt, dann bleibt der Erfolg nicht aus und die Mission ist geglückt! Zum Beispiel ist es vor Kurzem bei einem Konzert einer Band passiert, dass ihnen mitten im Gig der Topteil am Verstärker den Geist aufgegeben hat. Da sagst du natürlich: „Nimm mein „Rack“, dann hast du eben meinen Sound, ob es dir gefällt oder nicht! Du wirst jetzt nicht dein Set abbrechen“
Domen: Es lohnt sich, im „Paket“ zu arbeiten, du bringst mehrere Bands mit.
Buco: Wir stellen zum Beispiel die Beschallung, organisieren Bands und mehr, heute hätten wir eigentlich noch mehr Bands anrufen können. Das ist natürlich alles Verhandlungssache, die Situationen sind von Konzert zu Konzert verschieden.

RockLine: Ihr seid also total drin im Geschehen, habt die richtigen Kontakte, das richtige Netzwerk in diesem Bereich. Ich finde das sehr wichtig, denn Lady’s First können die Rolle eines integralen Elements spielen, das slowenische Bands, die sich natürlich in eurer Liga bewegen, sowie die Szene selbst zusammenbringt, sodass daraus eines Tages ein starker Körper werden könnte, den man nicht übersehen oder ignorieren kann. Die Bands aus dem Heavy-Metal-Bereich verdienen die Anerkennung, die sie in Slowenien bei Weitem nicht haben….
Buco: Damit können wir die „mittlere“ Linie in Slowenien und im Ausland erreichen. Zur „hohen“ Linie lassen sie uns nicht einfach so durch. Es sei denn, wir würden uns darauf konzentrieren, „hohe“ Bands zu machen, dann „fallen“ vielleicht auch wir mit ab, machen auf uns aufmerksam und schaffen es womöglich schneller.“

RockLine: Gehen wir zurück zu eurer Musik. Worum geht es im Titelsong der Platte „911“? Um den Einsturz des WTC mitten in New York?
Domen: Nein, nein… die Pointe dieses Songs liegt woanders. Der Song hatte am Anfang einen anderen Titel. Er hieß War In War. Und er ist zufällig am 11.09.2001 entstanden, genau an dem Tag, als die „Zwillinge“ fielen. Reiner Zufall. Deshalb hat er diesen Titel.

RockLine: Der Titel War In War sagt angesichts dieses Ereignisses viel mehr aus, das ist nicht nur Zufall…
Buco: Der Punkt dabei ist, dass viele Leute dachten, wir hätten uns mit dem Song namens 911 kommerziell ausgerichtet, aber das stimmt nicht. Der Titel hat uns gefallen, weil der Song wahnsinnig gut ist, und deshalb haben wir ihn ausgewählt, damit er das Album anführt. Dazu haben wir auch ein Video gedreht.

RockLine: Ein hervorragendes Beispiel für einen Song, der Schlagkraft und Melodie verbindet und sie dem durchschnittlichen Hörer in ihrer Direktheit auf äußerst wirkungsvolle Weise nahebringt.
Domen: Ich muss sagen, es ist ein sehr guter Song, auch wenn er in Sachen Produktion „home made“ ist.
Buco: Auch wenn es heute schwerer ist, CDs zu verkaufen, weil sich die Leute alles aus dem Netz „runterladen“, finde ich, dass eine CD, die eine Band veröffentlicht, sehr wichtig ist, denn sie ist der Personalausweis dieser Band.

RockLine: Vielleicht auf den ersten Blick völlig unwichtig, aber trotzdem etwas, das für den ersten Eindruck beim Kontakt mit der Platte „911“ sehr wichtig ist. Ihr habt für ein tolles Booklet-Design gesorgt, ein ordentlich dickes Heft, super Farbkombinationen,… Ich denke, dass slowenische Bands darauf immer noch zu wenig bauen,…
Buco: Jeder Song hat im Booklet ein sinnvolles Motiv skizziert, das sich auf den Songtext bezieht.
Domen: Was die Wahrnehmung der Musik von Lady’s First selbst angeht, ist das von Mensch zu Mensch verschieden, wie sie ankommt. Das ist sehr relativ. Jeder findet etwas, was ihn besonders anzieht, bestimmte Teile in unserer Musik, die ihm besonders gefallen. Wir haben viele Fans, die mit uns zu den Gigs durch ganz Slowenien fahren, und da kann ich wirklich nichts anderes sagen als „Hut ab“.
Buco: Echt. Wir versuchen, ihnen das mit guten Gigs zurückzugeben, schenken mal ein Shirt, informieren sie laufend über Konzerte. Auch viele Leute rufen uns an, das Interesse ist groß, gerade in dieser Woche (27.07.2007 – 04.08.2007, Anm. d. Verf.) , in der wir zusammen mit Paul Di’Anno durch Slowenien spielen.
Domen: Noch etwas. Alle Kosten, die unsere Band verursacht, trägt sie auch selbst. Ich kann mir in diesem Jahr wirklich nicht vorstellen, dass uns ein Manager unter seine Fittiche nimmt und wir plötzlich alles aus der Hand geben würden…

RockLine: Sind Lady’s First auch fürs Ausland interessant? Wie sind die Reaktionen ausländischer Kritiker auf eure Musik?

Buco: Im Moment weiß ich nicht, wie interessant wir fürs Ausland sind, weil wir auch keine richtigen Kontakte ins Ausland haben. Momentan haben wir hier in Slowenien alle Hände voll zu tun, wir sind voll im Saft. Etwas zeichnet sich zwar in Italien und Österreich ab. Wir werden sehen, was nach dieser Mini-Tour mit Paul Di’Anno passiert.

RockLine: Und der Newcomer-Band-Wettbewerb in Graz? Ihr wart sehr erfolgreich…
Buco: Ja, schon.
Domen: Was Graz angeht, ist es sehr wichtig, dass man sich in Slowenien, vor allem die Leute, die im Musikbusiness Profit machen, bewusst wird, dass den Großteil der Konkurrenz bei solchen Wettbewerben in Graz slowenische Bands stellen. Und zwar sehr qualitätsvolle Bands, die für die Präsentation ihrer Musik und die Etablierung ihres Namens im Ausland nach Chancen suchen müssen, was sehr traurig ist. Sie müssen einfach nach Graz zum Spielen gehen. Und Slowenien lernt so sehr gute Bands nicht kennen.
Buco: Sagen wir, ganze 80% aller Bands, die bei solchen Wettbewerben wie dem in Graz für „Newcomer-Bands“ auftreten, kommen aus Slowenien.
Domen: Die Österreicher haben nicht gerade Bands von hoher Qualität, auch die kroatischen Bands zeigen kein Interesse am Besuch, sodass ich sagen kann, dass der Saal Orpheum in Graz in dieser Hinsicht wirklich slowenisch ist.
Buco: Für slowenische Bands ist es seltsam, dass sie zahlen müssen, wenn sie spielen wollen. Im Orpheum musst du zahlen, wenn du spielen willst.
Domen: Das Publikum ist dafür sehr dankbar, der Besuch ist super, sie kommen, zahlen ihr Ticket, lassen sich fallen. Das ist nicht so wie bei uns, wo 15 Leute zum Konzert kommen und davon 10 die sind, die hinter dem Tresen arbeiten. Ins Orpheum kommen Leute, Einheimische, um zuzuhören und es zu genießen. Jede Band bekommt Applaus, bekommt Kritik und Reaktionen. Sie können dich aufnehmen, wenn du willst, auch die Scheinwerferbeleuchtung ist gut. Dort haben sie ein professionelles Verhältnis, und das ist der Kern. Da haben wir zum ersten Mal erfahren, was Professionalität ist. Wenn du für jedes Instrument einen Techniker hast, der dafür sorgt, dass alles läuft, wie es soll. Wenn dir zum Beispiel ein Becken runterfällt, kommt ein Techniker zu dir gerannt, hebt es auf und montiert es wieder, reißt eine Saite, kommt er mit einer anderen Gitarre angerannt, die wissen echt, wie man dich verwöhnt. Du zahlst, aber scheiß drauf. Die wissen, wie man sich verkauft, wie man vermarktet. Genau das könnten wir bei uns auch machen, aber leider gibt es keinen passenden Ort. Ich glaube, jede slowenische Band würde ihr Geld lieber Maribor oder Kranj geben als Graz, wenn das dort in Ordnung gebracht wäre.

RockLine: Okay, Jungs, lasst uns langsam zum Schluss kommen, danke für eure Zeit, wollt ihr dem Interview noch einen Schlussgedanken hinzufügen?
Domen: Habt euch lieb.
Buco: Und kommt zu unseren Gigs.
Domen: Sei „Mensch- Mensch“ und nicht „Mensch – Arschloch“, das ist der Kern!

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies