Kunstderfuge
Interpret: Laibach
Label: Dallas Records
Release: 2008
Bewertung: 4/5
Jedes Mal, wenn Laibach etwas veröffentlichen, ist das ein großes Ereignis. Die Jungs denken sich immer etwas Neues aus, auf das vielleicht sonst niemand kommen würde. Nicht viele Leute würden die Musik von Laibach mit Klassik in Verbindung bringen, aber diesmal haben sich die Jungs aus Zasavje genau dieser Gattung verneigt – mit einem Album klassischer Musik, eingespielt auf elektronischen Instrumenten.
Diesmal haben uns Laibach mit ihren Bearbeitungen der Fugen von Johann Sebastian Bach überrascht, die er kurz vor seinem Tod geschrieben hat. Dass sie sich ausgerechnet für diesen Komponisten entschieden haben (oder dass es sich eben so ergeben hat), hat mich sehr gefreut, denn ich mag Bach selbst auch total gern, besonders seine Fugen und die Stücke für Kammerorchester. Ehrlich gesagt war ich ziemlich besorgt, wie Laibach mit den Kompositionen eines der größten Komponisten überhaupt klarkommen würden. Sie haben sich für einen ziemlich einfachen Weg entschieden.
Laibach spielen eigentlich gar kein Instrument. Die ganze Arbeit erledigt der Computer, der Bachs Schöpfungen in modernere Sounds verwandelt, die an eine Mischung aus Kraftwerk und Tangerine Dream erinnern. Ist eine elektronische Bearbeitung von Bach dann nicht irgendwie Blasphemie? Überhaupt nicht. Die Musik klingt ganz normal, als wäre sie von Anfang an dafür gedacht gewesen, elektronisch gespielt zu werden. Mit einem so guten Endergebnis habe ich wirklich nicht gerechnet, und ich kann kaum sagen, ob ich lieber Bach oder diese Laibach-Bearbeitungen höre. Das sagt meiner Meinung nach eine Menge über die Qualität dieses Werks aus. Wenn so ein Album sogar Bach-Anhängern gefallen kann, heißt das, dass die Jungs ihre Sache mit Auszeichnung gemacht haben.
Mehr gibt es nicht zu sagen. Laibach haben sich wieder mal selbst übertroffen. Sie haben erneut etwas geschaffen, das man ihnen überhaupt nicht zugetraut hätte. Und das Ganze klingt kein bisschen fremd, als wären ihnen solche Projekte auf den Leib geschneidert. Wie bei all ihren Projekten klingen sie auch diesmal extrem überzeugend. Der emotionale Bach in Kombination mit unemotionaler Elektronik klingt genau richtig. Bach haben sie nur noch zusätzliche Tiefe verliehen. Echt spannend, wie elektronische Instrumente das Gefühl von Grauen und Dunkelheit, das Bachs Musik erzeugt, sogar noch verstärken können. Laibach haben es wieder geschafft und sich unter ein weiteres außergewöhnliches Unterfangen ihren Namen gesetzt.
Besetzung
iBach, iMac – Sounds
Produktion
Laibach
Tracklist
1. Contrapunctus 1
2. Contrapunctus 2
3. Contrapunctus 3
4. Contrapunctus 4
5. Contrapunctus 5
6. Contrapunctus 6, a 4 im Stile francese
7. Contrapunctus 7, a 4 per Augment et Diminut
8. Contrapunctus 8, a 3
9. Contrapunctus 9, a 4 alla Duodecima
10. Contrapunctus 10 a 4 alla Decima
11. Contrapunctus 11, a 4
12. Contrapunctus 12, Canon alla Ottava
13. Contrapunctus 13, Canon alla Duodecima in Contrapuncto alla Quinta