Krainburger Metal Weekend Nr. 3!
Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad
Ort: TrainStation SubArt, Kranj
Konzertdatum: 15.04.2017
Die Mitte des Aprils bringt nicht nur das übliche Scheißwetter und verstopfte Adern mit Osterleckereien, sondern auch etwas, das mit deutlich offeneren Armen empfangen wird. Das traditionelle Metal Weekend im Krainburger TrainStation SubArt! Diesmal haben am ersten Tag auf der Bühne des »trejna« die frischgebackenen Black-Metaller Grob ihren Premierenauftritt hingelegt, die Medvode-Heavy-Metaller Hangar 55*, die Metalcore-Truppe Curse of Instinct sowie die Veteranen Metalsteel, die langsam an einer neuen Platte werkeln – wir hingegen haben Krainburg am zweiten Tag des Metal Weekends besucht, der ein gutes Stück extremer gefärbt war.
Schon die Ersten auf der Bühne hatten es in sich: die Ljubljanaer Grinder Glista, die den Saal mit dem Epos Ribi ribice ribice einläuteten und dann in knapp einer halben Stunde vermutlich den besten Grind auf heimischem Boden seit Extreme Smoke 57 ablieferten. Glista besteht unter anderem aus erfahrenen Jungs aus den Bands Panikk (Gašper Flere an der Gitarre) und Sober Assault (Rok Novak am Bass), vervollständigt durch den animalischen Vokalist Matija Majcen, Gitarrist Alojz Rop und wilden Schlagzeuger Jure Bućan. Die Fünf haben in knapp einer halben Stunde eine Handvoll ein- bis zweiminütiger Zerstörer abgesägt, die durch Polka-Rhythmen, trommelndes Cupa-Cupa-Gerase und erstklassige Riffs überzeugen, die stellenweise an Carcass der Symphonies-of-Sickness-Ära erinnern – da kann das Herz nur aufgehen. Matija ist ein Grind-Vokalist echter Prägung: Aus seiner Kehle kam kein Fischchen, sondern brutales Gegurgel und rohes Gebrüll, zwischen den Songs klang er mit seinen sympathischen Ansagen aber eher wie Boris Kopitar an einem Sonntagnachmittag als wie der Frontmann einer Grind-Band. Das Toben auf der Bühne hat der energische Gašper schön aufgelockert, weshalb die übertriebene Statik der beiden anderen Gitarristen etwas störte – aber das macht nichts, denn Songs wie Disco, Pesticide und Kafana/Izza žice krochen einem schnell ins Ohr wie, na ja, eine Glista.
Den Fortgang des Abends haben die Oberkrainer Brutart mit ihrer Death-Hausmannskost gebremst, die nach mehrjähriger Stille mit dem soeben erschienenen »come-back«-Album Wear My Skin ins Konzertleben zurückgekehrt sind. Seit dem gut aufgenommenen Debüt Mimic ist gut ein Jahrzehnt vergangen, doch ein etwaiger Mangel an Bühnenroutine ist der Band nicht anzumerken. Der Spaß, den wir bei Glista erlebt hatten, war damit erst einmal vorbei: Brutart bewegen sich in ernsteren Gewässern, und ihre Musik ist entsprechend viel düsterer und schwerfälliger. Brutart haben großzügig Songs vom neuen Album vorgestellt, die durch druckvoll-massive Riffs, den erstklassigen Doppelvokalangriff von Blaž und Sebastijan sowie dessen zerstörerisches und abwechslungsreiches Schlagzeugspiel glänzen. Weil Brutart eine ziemlich anspruchsvolle Hörerfahrung sind, können sie live aus einem Lineup wie dem heutigen ordentlich herausstechen – diesmal störte das aber nicht, und die Jungs haben bewiesen, dass das Warten auf das neue Album mehr als gerechtfertigt war und dass Wear My Skin Pflichtlektüre ist.
Das Tempo hat erneut die Grosuplje-Death/Thrash-Wucht Sober Assault angezogen, die bereits zwei EPs und ordentlich Konzertkilometer auf dem Buckel hat, was man ihrem Auftritt mehr als deutlich anmerkt. Bei exzellentem Sound und starkem Bühnenbild haben die Jungs einen handfesten Death/Thrash-Schuss abgesägt, der durch eine Riff-Fleischwolfmaschine, eine wummernde Rhythmussektion und Davids überschallschnelles, präzises Solospiel punktet. Leicht störend ist, dass statt Enej, der die Frontmann-Position innehat, der Bassist Rok die Songs moderiert und das Publikum anspricht – aber zum Glück spricht bei Sober Assault vor allem und in erster Linie der hochkarätige melodische Death-Metal- und Thrash-Angriff für sich. Das hat auch das Publikum erkannt und die Band mit intensivem Moshen belohnt; Sober Assault hatten sogar das dichteste Publikum des Abends. Punkte auch für die Optik, die wegen Enejes weißem Hemd und den schwarzen Hemden aller anderen zwar an Mustaine und Megadeth erinnerte – hehe.
Den Abend haben die heimischen Schwergewichte Noctiferia beschlossen, die in den letzten Monaten ihr zwanzigjähriges Jubiläum vor allem mit Aufführungen des »unplugged«-Albums Transnatura gefeiert haben. Diesmal trat Noctiferia in klassischer Metal-Besetzung an, Damjan Tomoski fehlte ebenfalls, sodass die elektronischen Einlagen etwas spärlicher waren als sonst. Die Setlist bestand, wie es in den letzten Jahren üblich ist, aus Songs ab Slovenska morbida aufwärts, was bedeutete, dass man größtenteils röhrende Achtsaiter-Gitarren und massives Industrial-Stampfen zu hören bekam. Noctiferia auf der Bühne ist immer dieselbe pure Souveränität und makellos gespieltes Material – und diesmal war das nicht anders; besonders hervorgetan hat sich vor allem Gianni mit exzellenter Stimmform. Angesichts des Jubiläums hätten die Jungs aber ruhig noch mit einer Klassik aus Per Aspere überraschen können, oder vielleicht sogar noch etwas tiefer in ihre Vergangenheit geschaut, zu Baptism at Savica Fall.
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