Ko se ustavi čas

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Autor: Aleš Podbrežnik

Interpret: Junema
Label: Celinka
Veröffentlichung: 2018
Laufzeit: 42:40
Wertung: 4/5

„Ko se ustavi čas“ ist das Debütstudioalbum der Band Junema. Die Band hat bereits im vergangenen Jahr begonnen, ambitionierter die slowenischen Radiowellen zu beackern, und die Single V intervalu večnih sanj brachte ihnen auf Val 202 den schmeichelhaften Titel des Popsongs der Woche ein. Junema sind eigentlich ein klassisches »Derivat« der slowenischen Popmusik, das sich auf die Verschmelzung von Kabarett-Elementen, popmusikalischer Spielfreude, sogar lateinamerikanischen Rhythmen (das Eröffnungsstück Paradoks) und Latino-Klangnuancen konzentriert – auf jeden Fall aber findet man auch einiges an Koketterie mit alternativrockigen musikalischen Impulsen. Alles jedoch innerhalb der »Norm«. Was bedeutet das? Der Band ist es im Schmelztiegel mehrerer Genres gelungen, erfolgreich einen eigenständigen musikalischen Ausweis ihrer ureigenen Identität zu weben, der diese Genres effektiv überbrückt und sie in einen offenen und überaus versöhnlichen gegenseitigen Dialog bringt.  

Das Quartett Junema agiert auf dem Debüt souverän, geschlossen, harmonisch. Es atmet für dieselbe Sache, strebt nach einer einzigen musikalischen Vision. Gitarrist Luka Snoj ist der Autor der Texte, die die feinfühlige Vokalistin Neža Trošt mit außerordentlicher Sensibilität und Nachempfindung besingt und interpretiert – sie also zum Leben erweckt. Nežas Stimme nimmt den Hörer unablässig für sich ein mit ihrer ausdrucksstarken Milde und einer zerbrechlichen, beinahe jungfräulichen Zartheit.

Das vielseitige und lebhafte Passionswerk aus elf Eigenkompositionen rühmt sich einer ausgereiften kompositorischen Identität – das Album spricht einen entspannt, gemächlich und weich an, und gerade wegen dieser Weichheit ist es eigentlich ungemein verführerisch. In die Arrangements ist gelegentlich, auf subtile Weise, auch ein jazziges Pastell eingewoben, für das vor allem die Verspieltheit des durchgehend lebhaft befreiten und ausgelassenen Klaviers sorgt. Während einzelne Stücke aus der Distanz mit dem Jazzelement (Klavier) kokettieren, fügt die E-Gitarre, mit nicht weniger aktivem Ausfüllen der verfügbaren Klanglandschaft der Songs, in die Arrangements entfernte Impulse eines trendigen und versöhnlichen Alternative Rock – sagen wir ruhig Indie Rock – ein. Das Melos wie auch die Leitmelodien klingen durch und durch slowenisch. Das Album »Ko se ustavi čas« kann kaum slowenischer klingen. Diese popmusikalische Ansteckungsgefahr und das Indie-Rock-Sentiment, das unprätentiös anspricht und den Stücken gelegentlich aus dem »zweiten Plan» arrangeurtechnischen Schwung verleiht, verständigen sich bestens im Stück Odčarana. Auch wenn die Gitarre in den Mittelpunkt tritt – also in den Mid-Eight-Passagen (Soli) –, bleibt sie im Spiel weich und klanglich überaus edel, im Sinne eines wirkungsvollen Festhaltens an der zerbrechlich-fühlenden Milde, die den Albumstücken anhaftet und deren eigentlicher Hauptgenerator Nežas Stimme ist. Eigentlich agiert die gesamte Band außerordentlich weich und feinfühlig, wenn sie auf dem Album ans Werk geht, und weiß die ausdrucksstarke Natur von Nežas Stimme meisterhaft »einzufangen«.

Die Band kann den Hörer ganz besonders intensiv in den noch ausgefeilteren Stücken mitreißen und verführen, wie etwa im Stück Le bdi, wo Nežas hervorragende Darbietung auf einer Welle von Synthesizer-Vorhängen im außerordentlich starken Refrain schwebt und das Stück seinen atmosphärischen Höhepunkt erreicht. Junema steuern auf diesen Höhepunkt zu, indem sie eine mystische Stimmung aufbauen. Gemächlich. Von der Strophe zum Refrain. Kompositorisch äußerst fein und vollendet.  Die konzeptionelle Vielseitigkeit des Verflechtens klanglicher Pastelltöne aus elf vollendeten Stücken, über die die Stimme von Neža Trošt gebietet, offenbart, dass Junema erfahrene Musiker mit einem ausgereiften, eigenständig-kompositorischen Visionärsgeist sind. »Ko se ustavi čas« ist ein Album, das nicht verbirgt, dass die Stücke auf ihm über längere Zeit gereift und gewachsen sind. Schlicht deshalb, weil sie arrangementtechnisch außerordentlich vollendet und im Hinblick auf das Komponieren gleichzeitig motivisch unglaublich gut durchgestaltet sind. Deshalb entwickelt sich das Album durchgehend dynamisch und hält den Hörer durchgehend bei sich – sein größter Reiz ist eben die Weichheit und die fühlende Feinfühligkeit, mit der die Musiker an die Interpretation der elf Stücke herangehen.  

Besetzung

Neža Trošt – Gesang
Luka Snoj – akustische und klassische Gitarre
Marko Ovčak – E-Gitarre, Hintergrundgesang
Blaž Vehar – Bassgitarre

MITWIRKENDE MUSIKER: 
Anja Pavlin – Hintergrundgesang
Miha Renčelj – Klavier auf den Stücken Nr. 2, 4, 6 und 7
Ivo Rimc – Schlagzeug auf den Stücken Nr. 2, 5 und 6
Damjan Lebeničnik – Schlagzeug auf den Stücken Nr. 3 und 9
Primož Malenšek – Perkussion auf den Stücken Nr. 2 und 6
Stephan Emig – Schlagzeug auf Stück Nr. 7
Nace Kogej – Saxofon auf Stück Nr. 10

Produktion

Igor Ilić, Peter Penko & Igor Bračič

Tracklist

1. Paradoks
2. Na mojem vrtu
3. Čakam
4. Lebdi
5. Odčarana
6. V gozdu nad meglo
7. Šelestenje
8. Tulipan
9. V intervalu večnih sanj
10. Ko se ustavi čas
11. Ugasni mi barve
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