Just ‚Cause You Got the Monkey Off…
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Stray Train
Label: SAOL
Veröffentlichung: 2016
Laufzeit: 35:10
Bewertung: 3.5/5
Stray Train ist zwar eine frisch gegründete Musikformation aus Slowenien, gerade mal ein Jahr alt, doch dahinter steckt ein Quintett erfahrener Musiker, die sich über lange Zeit in früheren musikalischen Projekten die nötigen Kilometer auf dem Tacho geholt haben.
Das Debüt mit dem ziemlich sperrigen, aber nicht weniger amüsanten Titel ‚Just ‚cause you got the monkey off your back doesn’t mean the circus has left town‘ liefert ein Bündel an Eigenkompositionen, die sich bereits in den Grundzügen mit geschickten Arrangements brüsten können – das ist, bei aller spürbaren kreativen Inspiration, auch ein Spiegel der gereiften Erfahrung der Bandmitglieder. Die Kohärenz und die kompakte Form der Songs enthüllt gleichzeitig auch den einheitlichen und kompromisslosen musikalischen Fokus des gesamten Quintetts, der die Band während der Entstehungszeit des Debüts begleitet hat.
Das Album ist knappe 35 Minuten lang – und das ist gut so. Qualität geht eben vor Quantität. Die Band setzt in ihrer Hard-Rock-Interpretation reichlich auf Blues-Elemente; das Riff-Fieber, das sie im lebhaften Sound einer dynamischen Produktion entfacht, liefert eine ordentliche Dosis Dezibel, sodass es keineswegs fehl am Platz ist, das Adjektiv »heavy« in die Runde zu werfen. Eine knallharte Heavy-/Hard-Blues-Rock-Platte also, die im Grunde keine musikalische Revolution ausruft, dennoch ein geschicktes und vorbildliches Arrangement-Gewand liefert, das mit Herzblut und Feuer umgesetzt ist – das überzeugt. Die Geschichte von Stray Train ist die Geschichte einer retro-nostalgischen Hard-Rock-Sentimentalität. In Slowenien gibt es nicht viele solcher Bands, oder sie befinden sich noch in den Anfängen eines »Revivalismus«, in einem bescheidenen Keimen. Im Stil der Band spürt man die Liebe zur Musik von Led Zeppelin oder Black Sabbath (Man or Stone); die Band streut auch Elemente eines lausbubenhaft-stacheligen Kokettierens in den Mix, wofür vor allem der eindringliche und angenehm wandlungsfähige Gesangsvortrag verantwortlich ist, der gleichzeitig (und das ist sehr wichtig) tadellos mit dem Gebrauch der englischen Sprache mithalten kann. In dieser Hinsicht könnte man Stray Train irgendwo in die Riege slowenischer Bands einreihen, die sich auf die eine oder andere Weise von den alten Leitlinien des Rock’n’Roll inspirieren lassen, z.B. Retro Cult, Freeway Machine oder Top Stripper. Einige Phrasen sind auch mit der Kinetik funk-rhythmischer »Finesse« unterlegt (Wander Man, Green Card Paradise), was das Gesamtbild dieses Produkts zusätzlich auflockert.
Eine interessante Abweichung auf dem Album stellt Can’t buy Happiness (..not even in December) dar, das Assoziationen an die goldene Grunge-Ära weckt, da die Vocals in einer mittleren bis tiefer intonerten Lage der Gesangsharmonien gehalten sind, was Assoziationen an Alice in Chains und/oder Soundgarden weckt. Ein raffiniert aufregender und in der Kunst der Atmosphärenkreation wirkungsvoll düster verführerischer Albumabschluss also!
Als Debüt ist das Album ‚Just ‚cause you got the monkey off your back doesn’t mean the circus has left town‘ eine Leistung, die es zu beachten gilt, denn es zeigt das ungeahnte musikalische Potenzial von Stray Train. Reserven sind jedenfalls noch vorhanden. Im Sinne einer Reduzierung der Wiederholungen der Refrainmelodien selbst – worauf schon der einleitende Soulseller hinweist (könnte ein paar Sekunden kürzer sein) –, weiter im Sinne einer zusätzlichen Belebung der Tracks durch die Einbettung weiterer Instrumentalpassagen, wie das sehr mutig in Man or Stone gezeigt wird und was eine dynamische Aufwertung im Wechsel zwischen den Stimmungslagen der Album-Tracks gebracht hätte. Aber dennoch ein Produkt, das die Band auf Konzertbühnen mit großem Stolz vertreten kann. Bei so viel Einsatz, wie ihn das Studiodebüt zeigt, können wir von Stray Train in Zukunft noch mehr interessante, retrosound-kickende hard’n’heavy-Blues-Rock-Blüten erwarten.
Stray Train – Soulseller:
Besetzung
Luka Lamut – Gesang
Jure Golobič – Gitarre
Boban Milunović – Gitarre
Niko Jug – Bass
Luka Čadež – Schlagzeug
Produktion
Stray Train
Tracklist
1. Soulseller
2. I Wish I Could Be Free
3. Wander Man
4. Green Card Paradise
5. Blow
6. Plastic Princess
7. Dead Romance
8. Man or Stone
9. Can’t Buy Happiness (…not even in December)