Jake Bugg
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Bugg, Jake
Label: Mercury Records
Erscheinungsjahr: 2012
Laufzeit: 39:19
Wertung: 4/5
Jake Bugg ist wieder so ein »Wunderkind«, man könnte fast sagen ein »Teenager-Zauberer«, der aus der grauen Masse seiner britischen – oder gleich weltweiten – Altersgenossen heraussticht. Mit achtzehn Jahren hat er ein eigenständiges Studioalbum veröffentlicht. Den gesamten Text dazu schrieb er selbst, die Musik schuf er selbst, arrangiert hat er selbst. Neben dem Gesang greift der Kerl auch zu Mundharmonika, Gitarre und Bassgitarre. All das wäre nicht so wundersam, wenn das Album »Jake Bugg« keine qualitätsvolle und in allen Belangen konsistente musikalische Schöpfung wäre.
In der heutigen Zeit ist die Verschmelzung traditioneller Folk-Melodik mit moderner Indie-Rock-Attitüde groß in Mode. In Großbritannien »toben« Mumford And Sons, in den USA The Lumineers. Jake Bugg hingegen gehört zu den Singer-Songwritern. Und wenn es in der Unterhaltungswelt der Musik irgendwo besonders passt, sich spürbar auf die ausdrucksstarken Stützpfeiler traditioneller Folk-Melodik zu besinnen, dann ist es genau das Singer-Songwritertum! In seiner Herangehensweise spürt man die Einflüsse des Aufwachsens mit den Klängen von Johnny Cash, Donovan und auch Cat Stevens – doch ist Jake Bugg, als ausgeformtes Produkt des Artismus der neuen Zeit, stark im britischen Pop-Rock verwurzelt, wobei man die melodische Vokalphrasierung von Bands wie Oasis genießen kann. Und wo Oasis sind, stehen im Hintergrund stets The Beatles. In den Refrains von Songs wie Taste It oder besonders Seen It All sind Brit-Pop-Einflüsse wahrnehmbar, unter denen von Weitem der altschulmäßig abgerundete Folk-Rock’n’Roll-Geist der The Everly Brothers weht. Doch ist Jake Bugg in seinen Akten des Artismus auf seinem Studiodebüt auf eigenwillige Weise in sich gekehrt. Seine Musik trägt klare Knospen der Eigenständigkeit und einer eigenwilligen Vision. Jake ist ein Eigengewächs. So wie es sich für einen Singer-Songwriter auch gehört. Dank seines Gesangs, der trotz seiner erst noch reifenden Männlichkeit in seinem Ansatz ungemein tief erlebt, authentisch und daher mitreißend wirkt. Genau wegen dieses Elements vokaler Authentizität trägt das Album jene nötige Ladung künstlerischer Anziehungskraft, die den Hörer durchgehend bei sich hält. Von der ersten bis zur letzten Sekunde.
Jake ist kein typischer britischer Spaßvogel, dem üblicherweise schwarzer Humor eingeimpft wäre, um sentimentale Parallelen zu Monthy Piton zu wecken. Das leicht angerauchte Falsett des Kerls wirkt in sich gekehrt, wehmütig, aber sehnsuchtsvoll. In den Versen zeichnet er Erinnerungen an Erlebnisse mit Freunden in seinem Heimatviertel Clifton nach. Schmerz ist auf dem Album präsent, aber ins Untergeschoss gedrängt – er drängt nicht sofort an die Oberfläche, sondern ist in der Interpretation verschleiert. Aus dem ansonsten melancholischen Sentiment des Albums sticht der verspielte Two Fingers heraus, der die Highlights eines jugendlichen Partyabends skizziert. Doch die kleine Welt von Clifton kann für Bugg schnell zu etwas viel Größerem heranwachsen. Er sitzt nämlich fest im Sattel und ist direkt auf eine echte Erfolgsgeschichte zugesteuert. Besonders persönlich bekenntnishaft und in vollem Gefühl ausgeführt sind die Songs Broken und Someone Told Me. Das sind Songs, in denen dem Gesang nur das sanfte Zupfen der Saiten einer Akustikgitarre Gesellschaft leistet. Hier erschüttert Jakes Gesang in seiner prägnanten Aussage und den vermittelten Emotionen den Hörer besonders mit der wahrhaftigen Übermittlung der Botschaften in den Versen. Die emotionale Verdichtung ist in diesen besonders feinfühlig angenäherten Momenten des Albums noch einmal ganz besonders hervorgehoben.
Jake Bugg ist ein natürliches Talent. Ein ausgeformter Künstler. In der Rolle des Singer-Songwriters. Für neunzehn Jahre ist das schlicht unglaublich. Er war zur richtigen Zeit am richtigen Ort. Die Songs in der Mitte des Albums, wie Simple As That und Country Song oder Note To Self gegen Ende, sind in den Arrangements und dem vokalen Ansatz ferne Widmungen an Donovan, sogar Johnny Cash (vor allem Country Song) – doch wie bereits geschrieben. Jake Bugg kommt als Eigengewächs daher, das nicht durch die Verlogenheit einer Talentshow-Künstlichkeit auf die Bühne katapultiert wurde, sondern durch ein aufrichtiges Herz, das nach Wahrhaftigkeit strebt. Deshalb sind auch die Momente möglicher musikalischer Einflüsse oder Anleihen bei älteren Künstlern bloß Randnotizen – denn das Album hält an jedem Punkt effektiv eine einzigartige, eigene Aussage aufrecht. Das ist sein edelster Wesenszug, der dem Künstler bereits in den ersten Karriereschritten ein außergewöhnliches Sprungbrett für die weitere Entwicklung seines eigenen Artismus bietet. Zlasti karizme v vokalni pridigi, die bereits von Anfang an präsent ist. In einer Welt, in der das Borgen und Abschreiben von Ideen modern ist, ist das Album »Jake Bugg« ein echter Edelstein, der anders leuchtet. Mit einem besonderen und einzigartig unverwechselbaren Glanz.
Besetzung
Jake Bugg – Gesang, Gitarre
Iain Archer – Gitarre, Schlagzeug, Bassgitarre
Tom Robertson – Bassgitarre
John Kensington – Bassgitarre
Jack Atherton – Schlagzeug
Phil Wilkinson – Schlagzeug
Matt Prime – Mundharmonika, Perkussion, Hintergrundgesang
Oliver Kraus – Streicher und Streicharrangements
Produktion
Iain Archer, Mike Crossey, Matt Prime, Crispin Hunt & Jason Hart
Tracklist
1. Lightning Bolt (2:24)
2. Two Fingers (3:15)
3. Taste It (2:24)
4. Seen It All (2:51)
5. Simple as This (3:19)
6. Country Song (1:49)
7. Broken (4:07)
8. Trouble Town (2:50)
9. Ballad of Mr Jones (2:39)
10. Slide (3:08)
11. Someone Told Me (2:36)
12. Note to Self (2:40)
13. Someplace (3:32)
14. Fire (1:45)