Izlet v neznano
Autor: Urban Bolta
Interpret: Nčodnč
Veröffentlichung: 2009
Laufzeit: 34:33
Wertung: 3/5
Kočevje und Ribnica sind seit jeher eine starke Hochburg des Punk und damit die Wiege vieler slowenischer Punkbands. Kočevje ist eigentlich eines der Zentren der slowenischen Punkbewegung, das man getrost neben Kranj oder Trbovlje stellen kann – zwei weitere traditionelle Basen der Punkkultur. Pankeroschi, Kosmate Dlesni, Sintetika, Golliwog und Nčodnč sind Bands, die der Raum Kočevje-Ribnica in letzter Zeit an die Oberfläche gespuckt hat und die bereits die Spitze der slowenischen Punkszene mitgestalten. Zum Spirit des szenenischen Fortschritts haben auch Nčodnč im Herbst 2009 ihren Teil beigetragen und ihr Debüt veröffentlicht, das auf den Namen „Izlet v neznano“ hört.
Das Trio aus Kočevje zupft, schafft und dichtet seit 2005, und in dieser Zeit haben die Jungs ihren eigenen Stil herausgearbeitet, verpackt, aufgenommen, im Eigenverlag veröffentlicht und auf den Markt gebracht – in der Hoffnung auf den nächsten Schritt auf ihrem musikalischen Weg. Die Jungs schwören auf wütenden, aggressiven Punk mit einer ordentlichen Dosis Melodie, sowohl in den Gitarrenpassagen als auch in den vokalen Harmonien, doch die typischen abgehackten Texte über eine beschissene Welt sind genau der schwache Teil ihrer Musik, der sie in die Schublade der „schon-wieder-eine-Punkband-mehr“ steckt.
Nčodnč pflegen in einem ansonsten musikalisch kargen Genre ein außerordentliches Gespür für den Songaufbau. Trotz nur drei Instrumenten und dem damit verbundenen kleinen Spielraum erschaffen die Jungs dynamische Musik und wissen, Ideen aus allen Richtungen in ihre Songs einzuweben. Drei-Akkord-Riffs sind keine Voraussetzung für komplexe Songs – das wissen Nčodnč sehr gut –, weshalb sie ihre Lösungen in vielen Übergängen von ruhigeren zu destruktiven Gewässern suchen, in der abwechslungsreichen Nutzung von Gitarreneffekten, im Flirten mit Metal-Elementen, in einigen Ska-Gitarrenunterlagen, in brutalen Wutausbrüchen und auf der anderen Seite gelegentlich sogar in einem verträumten „popish“-Sound (natürlich nicht im Stil irgendwelcher Quasi-Punker à la Backstage oder Zablujena Generacija, damit das klar ist!). Das Schlagzeug flüchtet sich in ruhigeren Momenten in eine funky Ausrichtung, das Gesamtbild bereichert auch die starke Präsenz des Basses – produktionstechnisch haben die Verantwortlichen den Nagel exakt auf den Kopf getroffen! Trotz all der Aggressivität blüht im Ohr des Hörers die ganze Zeit über Melodiösität auf, vor allem in Form von dynamischen Vokallinien. Die Sänger wechseln sich ab, wie Maschinengewehre an der Isonzofront aufeinander gerichtet – was auf starke Hardcore-Wurzeln hindeutet –, um in den Refrains harmonisch an einem Strang zu ziehen. Der schwache Punkt ist zweifellos die Aussagekraft, bei der Nčodnč nichts Frisches mitbringen; die aus dem Repertoire von Punkbands tausendmal gehörte Unzufriedenheit und Frustration über dieses und jenes lässt vermuten, dass der lyrische Teil des Albums das Werk irgendeines bartlosen Jünglings mit zu viel Testosteron zwischen den Beinen ist. Da wäre ein Mädel zur Ernüchterung genau das Richtige!
Schon das Eröffnungsstück „Diskriminacija“ peitscht uns auf die Autobahn, von der es kein Zurück mehr gibt! Starke Gitarrenlinien, eine abwechslungsreiche Struktur und nicht zuletzt die bereits erwähnte Melodiösität sind die Elemente, in denen das gesamte Debüt badet. „14″ ist ein roher Song, der sogar leicht mit Metal-Elementen flirtet, und zählt zu den Höhepunkten des Albums – ebenso wie der Titeltrack „Izlet v neznano“, in dem Nčodnč alle Schlüsselelemente ihrer Identität vereint haben. In „Satana“ oder „Radbi“ dominieren Ska-Rhythmen und damit ein positiverer Grundton – für das wütende Debüt eine untypische Eigenschaft des Trios aus Kočevje.
Trotz interessanter Strukturen und Formen, bei denen nicht alle Songs nach demselben Schema zusammengestellt sind, brennt sich das Album nach mehrmaligem Hören irgendwie nicht so tief in die Ohren, dass man die enthaltenen Songs auf dem Weg von zu Hause zum besten Nachbarn vor sich hinpfeifen würde – der Grund liegt in der Abgedroschenheit des Genres selbst. Dennoch haben Nčodnč mit „Izlet v neznano“ einen großen Schritt in Richtung Bekanntheit im slowenischen Punk-Underground gemacht.
Besetzung
Bito – Bass und Gesang
Gagi – Schlagzeug und Gesang
Rupa – Gitarre und Gesang
Produktion
Nčodnč, Primož Velikonja
Tracklist
1. Diskriminacija
2. M.O.R.J.E.
3. Roža
4. 14
5. Umetniki
6. Sovražim svet
7. Satana
8. Skrotüm
9. Tisti dnejvi
10. Radbi
11. Zelena ganja
12. Izlet v neznano
13. Na-sm-eh 🙂
14. Pralni stroj
15. Mala stvar
16. Žvau