Irischer Abraham in Križankah! (2012)

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Autor: Rok Klemše
Fotografien: Nina Grad

Ort: Križanke
Konzertdatum: 16.09.2012
Besucherzahl: 1000

Es gibt nicht viele Bands, die sich eines so ehrwürdigen Jubiläums rühmen können wie die irischen »Rover« The Dubliners, die in diesem Jahr ihr goldenes, 50. Jubiläum feiern. The Dubliners begannen ihre Karriere im fernen Jahr 1962, ursprünglich unter dem Namen The Ronnie Drew Ballad Group; den Namen, unter dem wir die Gruppe heute kennen, wählte der verstorbene Luke Kelly, als Inspiration diente ihm Joyces Sammlung Dubliners. In Jahrzehnten ihrer Tätigkeit haben The Dubliners über dreißig Platten aufgenommen, spätere Bands wie The Pogues, Dropkick Murphys und Flogging Molly inspiriert und sich als irischer Nationalstolz in die irische Geschichte eingeschrieben (neben Bier und Whiskey natürlich).

 

Das diesmalige Konzert stand natürlich ganz im Zeichen der Feier des irischen Abrahams und war in erster Linie eine Retrospektive der reichen Geschichte der Band. Leider verstarb im April dieses Jahres plötzlich der Vater der Band, der unvergleichliche Banjospieler Barney McKenna, das letzte verbliebene Originalmitglied. Lange Zeit wurde spekuliert, ob die diesjährigen Konzerte angesichts der traurigen Nachricht überhaupt stattfinden würden, doch schließlich gaben die Dubliners bekannt, dass sie die Tour vor allem im Gedenken an Barney spielen würden. Ins Konzert führte uns ein kurzes Mosaik aus Ausschnitten verschiedener Sendungen, in denen The Dubliners im Laufe der Jahre aufgetreten waren, und in einen wilden irischen Tanz rissen uns John Sheahan, Sean Cannon, Eamonn Cambell und Patsy Watchorn mit dem instrumentalen Doppel The Fermoy Lassies/Sporting Paddy. The Dubliners ohne Banjo ist natürlich undenkbar – meisterhaft hatte Barney bis zu seinem Tod für die Anschläge auf seine Saiten gesorgt, an seine Stelle trat nun Gerry O’Connor, den Sheahan als Barneys fleißigsten Schüler vorstellte. Sheahan selbst übernahm die Rolle einer Art Konzertmoderators, da er die lockerste Zunge hatte, aus der so mancher spitze Witz auf Kosten irischer Stereotype sprudelte; für ein etwas bittereres Bild des Konzerts sorgte er mit wunderschönen Gedichteinlagen, die den verstorbenen Mitgliedern gewidmet waren – Luke Kelly, Barney McKenna und Ronnie Drew der Reihe nach. Am meisten blieb einem der Kloß im Hals natürlich bei der wunderschönen Widmung an McKenna stecken, dessen Erinnerung noch am lebendigsten ist. Den fünfen auf der Bühne gesellte sich mithilfe von Archivaufnahmen auf der Leinwand auch das legendäre Trio hinzu – und der berührendste Moment des Konzerts gehörte auf diese Weise ohne Zweifel der ergreifenden Darbietung der wunderschönen Ballade I Wish I Had Someone To Love Me, wohl das einzige Stück von Barney, das nicht Bier, Schiffe und Fischerei besingt, sondern die Bitterkeit der Liebe. Aufgrund der Natur des Anlasses gab es viele solcher Momente der Introspektion und Erinnerung – weit mehr als man von The Dubliners gewohnt ist, die mehr balladeske und schwermütigere Momente als sonst aneinanderreihten. Das war keineswegs ein Nachteil, denn die pfiffigen Iren verknüpften sie geschickt mit fröhlichen, bierseligen Weisen wie Seven Drunken Nights, All For Me Grog, Rare Old Mountain Dew, McAlpine’s Fusiliers und vielen anderen, bei denen die ganzen Križanke vom Mitwippen der ersten Reihen bebten! Fantastisch schlugen sich auch O’Connor und der charismatische, teuflische Rhythmusgitarrist Cambell mit ihren Soloeinlagen – Cambell hielt während des Konzerts ganz in seinem Stil so manchen Biertrinker zum Narren und begeisterte nicht nur mit energischem Spiel und Mitwippen, sondern auch damit, dass er das Wappen von Ljubljana auf seine Gitarre geklebt hatte!

 

Nach den Soloeinlagen gönnten sich die Herren eine zwanzigminütige Pause, deren Schönheitsfehler die verfehlte Politik des Veranstalters (oder der Križanke selbst?) war, Bier nur im Foyer auszuschenken. Es stimmt, dass es sich um ein eher kultiviertes Ereignis handelte, aber es ist unverständlich, dass man beim Konzert einer irischen Band (der Stereotyp von der irischen Liebe zum Alkohol ist schließlich der Wahrheit entsprungen) kein Bier trinken kann. Mit einem Plastikbecher Bier (ein weiteres Minus war, dass nur Union und Laško ausgeschenkt wurde – Guinness hätte bei einem solchen Anlass gepasst wie Whiskey in eine irische Kehle) werde ich ja wohl niemanden umbringen, oder?

 

Im zweiten Teil des Konzerts war John Sheahan mit seiner Soloeinlage an der Reihe und präsentierte eine wunderschöne Violinsymphonie, die er den Opfern des »psychopatischen« Breivik gewidmet hatte, da er sie in Norwegen genau während des brutalen Mordfeldzugs geschrieben hatte. Die etwas schwermütigere erste Konzerthälfte erwachte in der zweiten Hälfte zur süßen Schaumkrone auf dem Guinness, denn The Dubliners reihten Hit an Hit – und beim abschließenden Quartett löste sich das Publikum endgültig von den Stühlen: beim ersten Mal bei Dirty Old Town, beim zweiten Mal bei »dem bekannten Metallica-Stück«, wie Sheahan das volksläufige Whiskey in the Jar ankündigte, mit dem The Dubliners den regulären Konzertteil beendeten. Natürlich ist ein Konzert der Iren ohne das fantastische The Wild Rover nicht vorstellbar, das sie unter lautstarker Unterstützung des Publikums sangen, das nach dem Ende mehr verlangte und zum absoluten Abschluss noch den Klassiker Molly Malone bekam.

 

The Dubliners haben bewiesen, dass die Jahre ihnen nichts anhaben können – sie spielen immer noch teuflisch gut (und vor allem mit Seele und Herz!), auch wenn das diesmalige Konzert aufgrund von Barneys kürzlichem Tod (möge sein Bier kalt bleiben) trauriger Natur war, was leider zeigt, dass sich Legenden langsam verabschieden. Aber angesichts des Versprechens, nächstes Jahr wiederzukommen, zum Glück nicht allzu bald. Und zum Abschluss noch ein irischer Witz im Stil der Dubliners: »Was ist der Unterschied zwischen einer irischen Hochzeit und einer irischen Beerdigung? Ein Betrunkener weniger.«

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