Interview mit Toby Driver, der nicht „nur“ Bassist sein will (2010)
Ort: Kino Šiška / Ljubljana
Datum des Interviews: 22.05.2010
Toby Driver ist der vorübergehende Bassist der Secret Chiefs 3 und vertritt Trevor Dunn auf der diesjährigen Tournee (er hat ihn auch schon letztes Jahr vertreten). Sein Hauptprojekt ist Kayo Dot, progressive Post-Metaller, die dieses Jahr ihr viertes Album veröffentlicht haben. Das Interview kam zustande, weil der Bassist selbst auf herzliche Weise per E-Mail darum gebeten hat; ein großer Zufall war, dass Toby gerade mit SC3 in Ljubljana war, denn online war das Gespräch um Kayo Dot gegangen. Im Kino Šiška sorgte auch Buba dafür, dass das Treffen klappte, und lotste Toby Driver freundlich zu Kollegen Urban und mir. Das Interview verlief völlig entspannt – der Kopf hinter Kayo Dot ist wirklich ein angenehmer Gesprächspartner.
Rockline: Seit wann spielst du bei den Secret Chiefs 3?
Toby: Ich bin eigentlich nur ein Ersatz, solange ihr Stammbassist Trevor Dunn nicht zurück ist. Letztes Jahr hat meine Band, Kayo Dot, als Vorband von SC3 gespielt, und sie brauchten kurzfristig jemanden – also haben sie mich gefragt, ob ich Trevor vertreten würde. Das war natürlich eine riesige Chance für mich, SC3 war für mich immer eine phänomenale Band, und wir haben uns super verstanden. Für die diesjährigen Konzerte in Europa brauchten sie wieder einen Bassisten, haben mich kontaktiert, und meine Antwort war natürlich ein klares Ja.
Rockline: Wie lange wirst du noch bei ihnen spielen?
Toby: Wie gesagt, ich bin nur die Vertretung, das ist alles – ich spiele noch bis zum Ende der diesjährigen Tournee. Natürlich wäre es ein Traum, wenn wir weiter zusammenarbeiten würden.
Rockline: Du spielst nicht nur Bass, sondern bist ein echter Multiinstrumentalist.
Toby: Ach, ich will nicht, dass die Leute mich als Bassisten sehen, auch nicht als Gitarristen oder sonst was. Stimmt, neben Bass spiele ich auch Gitarre, Klarinette – das war mein erstes Instrument – und ein paar Keyboards, aber ich möchte, dass die Leute mich als Schöpfer, als Komponisten wahrnehmen. Ich schreibe sehr viel Musik, die Musik von Kayo Dot kommt komplett von mir.
Rockline: Aber bei SC3 spielst du nur Bass?
Toby: Stimmt, leider, he he.
Rockline: Du hast in einer Menge Bands gespielt, aber Kayo Dot ist wohl dein Hauptprojekt – und auch das liebste?
Toby: Auf jeden Fall. Kayo Dot steht für mich als Musiker und als Mensch, ich gebe alles, was ich habe, rein. Wie gesagt, die gesamte Musik, die wir spielen, ist aus meiner Feder.
Rockline: Wie würdest du das neue Kayo Dot-Album „Coyote“ unseren Lesern vorstellen – vielleicht mit ein paar Adjektiven?
Toby: Uff, schwere Frage. Ich weiß nicht genau, worauf du hinauswillst, aber ich versuchs. Vor allem wird das Album einzigartig sein, unverwechselbar. Etwas völlig anderes als das, was wir (Kayo Dot) bisher aufgenommen haben, aber trotzdem durch und durch „kayodotesque“. Es wird wieder anders sein, und der Leitgedanke beim Schreiben der Musik war vor allem das Konzept klassischer Musik, wo ein einziges Stück unzählige Variationen enthält, Auf und Abs, Steigerungen – im Gegensatz zu den sich wiederholenden Rock-Riffs.
Rockline: Also progressive Musik?
Toby: He he, nein, du denkst schon wieder in Rock-Kategorien. Rock-Songs sind irgendwie geradlinig, wir dagegen zielen auf Kurven, he he.
Rockline: Du hast auch ein eigenes Soloalbum veröffentlicht.
Toby: Stimmt, eines ist unter meinem Namen, Toby Driver, erschienen. Aber das nur, weil das Label das so wollte – ich mag es eigentlich nicht, meinen Namen vor Albumnamen zu setzen, ich bevorzuge es, einer Gruppe von Musikern, die auf einer Platte spielen, einen Bandnamen zu geben. Auf „meinem“ Album hat sowieso die komplette Besetzung von Kayo Dot gespielt, es ist nur unter meinem Namen erschienen.
Rockline: Mit welchem Musikgenre kannst du dich am meisten identifizieren?
Toby: Mit Progressive Rock. Der frühe King Crimson, Yes. Aber ich rede von Progressive Rock im echten Sinne des Wortes, nicht so was wie Dream Theater, das ist für mich eher so ein technischer Rock/Metal.
Rockline: Noch eine Klischee-Frage – welcher Bassist hatte bzw. hat den größten Einfluss auf dich?
Toby: Uff, unglaublich interessante Frage, gleichzeitig auch sehr schwer. Ich denke beim Suchen nach Einflüssen nicht viel in Namen. Ich schöpfe zum Beispiel viel von Simon Gallup, dem Bassisten von Cure aus den Neunzigern. Nicht weil er ein großer Techniker war, sondern weil er einen unglaublichen Basssound hatte. Genau das suche ich auch – einen wahnsinnigen Basssound und vielleicht Finesse, eher als irgendein riesiges technisches Können.
Rockline: Möchtest du noch etwas zum heutigen Konzert sagen? Was können wir erwarten?
Toby: Die Show wird in zwei Teilen gespielt, der erste wird orientalisch sein, der zweite post-Mr.Bungle. Dazwischen natürlich noch jede Menge Surf Rock. Also etwas für jeden – bzw. alles für echte SC3-Fans.
Rockline: Vielen Dank, Toby.
Toby: Vielen Dank euch beiden, Jungs! Noch was – falls ihr nächste Woche Zeit habt, geht unbedingt zu Extra Life, die spielen auch im Kino Šiška. Die kommen aus meiner Gegend, wirklich eine wahnsinnige Band.
Interview geführt, übersetzt und redigiert von: Tine Kolenik
Fotos: Urban Bolta
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