Infected
Autor: Sandi Sadar Šoba
Interpret: Facebreaker
Label: Cyclone Empire
VÖ: 2010
Laufzeit: 37:18
Wertung: 4.8/5
„In Sweden we trust!“ – zumindest was qualitativ hochwertigen Death Metal angeht! Und Teil dieses Glaubensbekenntnisses sowie der Unterwerfung unter das stählerne Oratorium der Gewalt, Brutalität und des raffinierten Stahls des hochwertigsten Metals ist auch die Band, die seit 1999 Angst und Schrecken unter den weicheiigen Trend-Wichsern sät: das mächtige Quintett Facebreaker. Falls euch der Name nichts sagt – kein Problem. Garantie für eine Reihe von Death-Metal-Orgasmen ist allein schon die Tatsache, dass Facebreaker dem Kompendium der Alben der unsterblichen Entombed, dem ursprünglichen Bolt Thrower, Grave oder Six Feet Under am nächsten kommen, und dass in diesem Lärm-Eintopf kein Gramm unnötigen Kompromiss-Schrotts steckt!
Infected, die dritte Platte, die dem Demo Use Your Fist aus dem Jahr 2000, dem Promo-Brutal-Erguss Hate and Anger, dem Debüt Bloodred Hell und dem phänomenalen Nachfolger Dead Rotten and Hungry folgt, ist ein außergewöhnliches Werk. Garant dafür ist auch die Zusammenarbeit und harte Arbeit mit Jonas Kjellgren im Black Lounge Studio sowie mit der Metal-Ikone Peter Tägtgren in den berüchtigten ABYSS Studios. Dass große Namen allein aber nicht ausreichen, wussten die Metal-Krieger von Facebreaker (die Band besteht aus dem gurgelnden Mikrofon-Despoten Roberth Karlsson, dem phänomenalen gitarristischen Enthaarungs-Duo Janne Ivarsson und Mika Lagreen, Bassist Jonas Magnusson und Schlagzeuger Mikael Wassholm) schon, als sie den Schleier der Schrecken und des Abschlachtens in eine kompakte Reihe eines Dutzends einzigartiger Death-Metal-Songs webten. Facebreaker spielen zu keinem Zeitpunkt Theater und verkaufen keinen Augenblick heiße Luft! Schon der erste Track Creeping Flesh zielt mit einem stählernen Stampede darauf ab, euch den Schädel aufzureißen, eure Gesichtskonturen zu zertrümmern und euch mit einem Orkan metallischen Zorns von der Erstklassigkeit des Gebotenen zu überzeugen. Unaufhaltsame Wellen vernichtender Energie setzen ihren mörderischen Pogrom beim meditativen Grauens-Nachfolger Cannibalistic fort. Das Entombed-Feeling jener Ära beschwört der außergewöhnliche Standard des Tracks Torn To Shreds herauf, während Epidemic es tatsächlich verdient, in irgendeinen Splatterfilm eingebaut zu werden, denn der verlangsamt-fette Gitarren-Diskurs eignet sich als Untermalung der Bilder eines psychopathischen Massenmörders besser als für einen nervösen Adrenalin-Junkie. Ganz im Geiste von Jason Voorhees ist es dann Zeit für einen Aufgalopp und schnelleren Blutfluss durch die Arterien. Bloodshed eignet sich für die zerstörerischen Wellen von Moshpit-Tsunamis unter Bühnen rund um die Welt, und Facebreaker überzeugen euch von ihrer Dominanz auch durch das ausgewogene Zügeln der Längen ihrer Streifzüge durch die dunklen Ecken des Unterbewusstseins. Wie gesagt – Facebreaker labern keinen Mist und wollen euch keinen Augenblick langweilen; in etwas mehr als drei Minuten hat jeder Liebhaber extremer musikalischer Ästhetik mehr als genug Zeit, um Seele und Ohren mit guter Musik zu füllen, ohne dabei mit Informationen zu überladen. Damit wir euch nicht alles verraten – hört die Platte am besten einfach selbst bis zum Ende durch!
Infected ist wirklich ein außergewöhnliches musikalisches Werk, und Facebreaker haben die henkermäßigen Techniken des Enthauptens aller ungläubigen Zweifler perfektioniert. Keine süßlichen Deathcore-Standards, kein unnötiges Drehen im Kreis und keine Inkonsistenz. Infected ist eine außergewöhnliche Platte von Anfang bis Ende. Dichte Gitarrenschichten, ein außergewöhnlicher, brutal donnernder Gesang, eine solide rhythmische Linie und einfallsreiche Songs schreiben Facebreaker mit goldenen Buchstaben, gemeißelt in Schweiß und Blut ursprünglicher Mühe und Aufrichtigkeit, in den Death-Metal-Pantheon der Größten ein. Was wichtiger ist: Die Qualität des ausgewogenen Navigierens zwischen Scylla und Charybdis der alten und neuen Death-Metal-Schule hat diesen skandinavischen Schlächtern eine autoritäre Eigenständigkeit eingeimpft, ihnen Kerosin echter Ideen in die Venen injiziert und sie von den Horden unnötiger Klone unterschieden. Infected ist damit Pflichtlektüre für alle Death-Metal-Maniacs, Besessenen, für alle Menschen, die nach guter Musik hungern, und für alle jene, die lediglich ein Ventil suchen, mit dem sie sorglos all ihre Wut und ihren Zorn ablassen und aus dem Herzen pressen können. Facebreaker haben ikonoklastisch das Mannequin-Gesicht der falschen Welt zertrümmert und die Befreiung gebracht. Hoffen wir auf eine baldige Fortsetzung der höllischen Reihe dämonischen Abschlachtens!
Die Rezension entstand in Zusammenarbeit mit Rock Hard Slovenija und RockLine.
Besetzung
Roberth Karlsson – Gesang
Janne Ivarsson – Gitarre
Jonas Magnusson – Bass, Hintergrundgesang
Mikael Wassholm – Schlagzeug
Mika Lagreen – Leadgitarre
Produktion
Jonas Kjellgren & Peter Tägtgren
Trackliste
1. Creeping Flesh
2. Cannibalistic
3. Torn To Shreds
4. Epidemic
5. The Return (Bonustrack)
6. Bloodshed
7. Mankind Under Siege
8. Waiting For The Pain
9. Into The Pit
10. Bloodthirst
11. Reanimating The Dead
12. Infected