In Witch Order
Autor: Rok Klemše
Künstler: Castle
Label: Van Records
Veröffentlichung: 2011
Laufzeit: 44:47
Wertung: 4.5/5
Ich kann mich kaum an viele Doom-Metal-Bands erinnern, die auf der Position des Leadgesangs eine Frau in ihren Reihen hatten. Irgendwo tief im Gedächtnis habe ich die Portugiesen Ava Inferni und die amerikanische Gruppe Thorr’s Hammer, mehr würde ich kaum zusammenkriegen. Doom Metal wurde nun mal immer von männlichen Vocals dominiert – von Ozzy Osbourne an. Mit dem frischgebackenen San-Francisco-Trio Castle wird die Dominanz männlicher Vocals im Doom zwar nicht enden, aber die Sängerin der Band Elisabeth Blackwell beweist trotzdem, dass Doom aus weiblicher Kehle mindestens genauso gut klingen kann wie aus männlicher – wenn nicht sogar besser.
Elisabeth, Gitarrist Mat Davis und Schlagzeuger Al McCartney haben die Essenz von Castle auf dem Debüt In Witch Order eingefangen, das vor allem eine Hommage an die Väter des Dooms ist, ohne unnötigen Ballast und ohne die Klischees, die im heutigen Doom und Sludge allzu häufig anzutreffen sind. Castle haben einen starken Anklang an klassischen Heavy Metal und Epic Doom Metal der Siebziger und Achtziger. Kompliziertheit kennt In Witch Order nicht – auf dem Album findest du keine psychedelischen, berauschten Jams, sondern lediglich elf im Schnitt vierminütige, direkte Heavy-Doom-Hammer. Ihre Basis bauen Castle rund um einfache, aber effektive, eingängige sowie rohe und dreckige Riffs auf. Man kann darin einen starken Iommi-Einfluss erkennen, aber Davis nutzt sein Vorbild nur als Vorlage, und seine Riffs klingen nicht wie Iommi-Überreste aus den Siebzigern. Davis baut zwar kein monumentales Klangbild auf, aber die Riffs sind durchdacht und wiederholen sich nicht – das Spektrum der Gitarrenlinien ist sogar innerhalb einzelner Songs abwechslungsreich. Die reine Gitarrensektion reicht natürlich nicht für das richtige Klangbild, und für donnernde Rhythmen und tiefe Töne sorgen Elisabeth und McCartney ausgezeichnet. Blackwell ist zwar weit vom Können eines Geezer Butler entfernt, bewegt sich aber mit Selbstbewusstsein und Dynamik auf ihren vier Saiten und arbeitet dabei hervorragend mit dem lebhaften Schlagzeug zusammen. Also weit davon entfernt, nur zur Dekoration dazusein – was in den letzten Jahren so manch eine Band allzu gerne macht! Darüber hinaus ist Elisabeth auch im gesanglichen Bereich außerordentlich stark und überzeugend, denn sie kann feminin verführerisch sein (Descent of Man), feministisch aggressiv (Fire in the Sky) und sinnlich geheimnisvoll (Total Betrayal). Einen ebenso guten Gegenpol zum fantastischen weiblichen Gesang bildet Davis‘ aggressiver, fast schon growlartiger Gesang, der sich Elisabeth gelegentlich hinzugesellt, aber stets an den richtigen Stellen. Die dreckige und rohe Produktion, die an Hardcore-Platten aus den Neunzigern erinnert, verleiht der unglaublichen Chemie des Trios noch mehr Charme.
In Witch Order ist eine ausgezeichnete Veröffentlichung, mit der sich Castle einen Platz auf der Doom-Landkarte verdienen. Das Trio hat jede Menge brillanter Ideen, die sie genau richtig energisch umzusetzen wissen. Castle geben sich nicht als etwas Größeres aus, denn sie machen klar, woher sie kommen – aus dem Heavy Doom Metal der Achtziger – und sparen dabei nicht mit Mitteln. In Witch Order ist Doom mit Eiern, auch wenn dahinter (unter anderem) eine Frau steckt!
Besetzung
Al McCartney – Schlagzeug
Mat Davis – Gitarre
Elizabeth Blackwell – Gesang, Bass
Produktion
Mat Davis
Tracklist
1. Descent of Man
2. Fire in the Sky
3. Slaves of the Pharao
4. Knife in the Temple
5. Total Betrayal
6. Spellbinder
7. Lost Queen
8. Shaman Wars
9. Sleeping Giant
10. Butcher of Los Angeles
11. Devils Castle