Iconoclast (Part1: The Final Resistance)

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Band: Heaven Shall Burn
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2008
Bewertung: 4/5

Heaven Shall Burn befinden sich gerade in der produktivsten Phase ihrer Karriere: Seit „Deaf To Our Prayers“ (2006) sind gerade mal ein Jahr und 4 Monate vergangen, und schon hauen sie mit der neuen Platte „Iconoclast (Part 1. The Final Resistance)“ raus. Der Himmel brennt, die Ikonoklasten leisten ihren letzten Widerstand, hacken und reißen Gottesbilder und göttliche Symbole nieder und setzen fleißig das Prinzip eines der 10 göttlichen Gebote um: „Du sollst mich nicht anbeten!“ Dieses Konzept steht tatsächlich hinter der Musik, und die Jungs formen es wieder so, dass sich in ihrer Lyrik mühelos jede Menge Anknüpfungspunkte für eine tiefgehende Diskussion über die Irrwege und Verirrungen des modernen Lebens der menschlichen Gesellschaft finden lassen. Für Heaven Shall Burn also in dieser Hinsicht praktisch nichts Neues.

Auch auf dem neuen Album steuern die Herren gekonnt durch die stürmische Verschmelzung von Elementen des melodischen Death Metal mit Hardcore, und in dieser Disziplin kann ihnen heute kaum jemand das Wasser reichen. Das sechste Album in Folge ist, nach der Art zu urteilen, wie es eröffnet wird (Intro-Instrumental mit Streicherarrangements), wieder näher an „Antigone“ (2004) als am Vorgänger „Deaf To Our Prayers“ (2006). „Iconoclast“ bringt nichts Neues. Es beweist, dass Heaven Shall Burn eine ausgereifte Band mit klar erkennbarer Identität, eigenem Sound und eigenem Stil sind. Nach wie vor stützen sich Heaven Shall Burn in erster Linie auf epische Melodiebögen, die sie mit dem kehligen, blutenden, schrill angelegten „Core“-Gekreische kombinieren, das punktuell mit tieferen, kontrastierenden Linien gemischt wird. Das ist für eine Band, die sich stellenweise auch Intonationen nähert, die sie dem Death-Metal-„Growl“ annähern, nichts Neues mehr.

Nach dem Intro rutscht alles an seinen Platz! Da ist der Song Endzeit, und vor uns stehen Heaven Shall Burn, so wie sie sich jeder Fan der Band wünscht. Dieser Song charakterisiert auch den Großteil der neuen Platte. Massive Riffs, die auf dem rasenden Doublebass-Teppich heranrollen, bilden das Gerüst der Klangwand. Darauf sitzen einfache, aber atmosphärische Terzharmonien im extrem schnellen Picking, gebaut aus gerade mal ein paar Tönen, aber genug, um dynamische Wellen und den eisigen Hauch der Katastrophe reinzubringen. Mit besonders krassen Muskelspielen können die Jungs nicht protzen, wenn du nach Geschwindigkeit, halsbrecherischen, unvorhersehbaren technisch anspruchsvollen Übergängen oder mehreren Tempowechseln pro Song suchst. Nein. Heaven Shall Burn bauen den Großteil ihrer Songs lieber auf mittleren bis leicht angezogenen Tempi auf, mit Übergängen in ein neues Motiv, die, was den Einsatz des Schlagzeugs angeht, praktisch nicht existieren. Der Übergang wird einfach mit einer schlichten Terzharmonie gespielt, die Drums verstummen dabei, und danach tauchen plötzlich ein anderes Motiv und ein anderes Tempo auf. Ganz simpel und mit dem Ziel, dass die Jungs die hochdramatische Atmosphäre halten, die den unverwechselbaren Stempel von Bombast und Epik trägt. Die schönsten Kontraste haben sie unter den Songs in der melancholischen A Dying Amber hinbekommen, die ihr Flirten mit der Göteborger Schule des melodischen Death Metal (At The Gates, Dark Tranqulity, In Flames) nicht versteckt.

Die Produktion ist auf die Betonung der hohen Töne ausgelegt, sprich die Terzharmonien werden bevorzugt, Snare und Doublebass stechen giftig heraus, zum Glück ist alles mit einem massiven Brei aus tiefer gestimmtem Riffing unterlegt, denn Basslinien sind in so einer Produktion praktisch nicht zu hören. Die Vocals von Heaven Shall Burn werden für den Atmosphärenaufbau maximal ausgereizt, und trotz der Gefahr, dass deine Hörzentren im Gehirn bei all dem extremen Geschrei leichte Schäden davontragen könnten, bringen sie auch eine mutige Portion Melodie rein, was für ihre nordamerikanischen „Metalcore“-Kollegen eine Eigenschaft ist, die man nicht gerade oft findet.

Auch mit „Iconoclast“ haben Heaven Shall Burn eine Visitenkarten-Platte abgeliefert, auf der die Charakterzüge der Band am stärksten ausgeprägt sind. Alles wirkt stimmig, die Bausteine sitzen genau da, wo sie hingehören. Die Weiterentwicklung der Band ist also praktisch gleich null, Heaven Shall Burn reiten sicher in der Konfektion, die ihnen am besten steht, und machen damit vor allem Hörer glücklich, die solche extremen Ansätze in der Musik lieben. Das Profil ist klar. Du kannst es nur lieben, oder es stößt dich sofort ab. Auf dem Album sticht auch eine hypermelodische, fast schon echte hüpfende Polka heraus, verglichen mit dem sonstigen gottlosen Gemetzel, das uns auf „Iconoclast“ begegnet. Das ist die Coverversion von Edge Of Sanity mit dem Titel Black Tears. Heaven Shall Burn haben ihr ihren eigenen Stempel aufgedrückt, und Gitarrensoli haben sie dafür ebenfalls nicht eingebaut. Der Albumabschluss ist etwas missglückt. Der vorletzte Song Equinox (outro) ist ein Instrumental aus reinem Streicherarrangement, das den Ausgang aus dem Album darstellt (siehe Titel) und auch logisch so klingt. Danach kommt aber noch ein Instrumental, Atonement, völlig unnötig, auch wenn es nicht schlecht ist, natürlich abgehackt auf Heaven-Shall-Burn-Art. Kein schlechter Track, er gehört nur an dieser Stelle absolut nicht hin. Die Hälfte wäre ihm verziehen, wenn er als Bonus gekennzeichnet wäre und wenn zwischen Equinox und ihm wenigstens 10 Sekunden Pause lägen, damit der Hörer das Gefühl bekommt, dass das Album „Iconoclast“ davor zu Ende gegangen ist.

„Iconoclast“ bestätigt als sechstes Studioalbum in Folge die große Reife der Band. Es wirkt simpel, aber enorm überzeugend. Die Jungs setzen ihre Fähigkeiten mit optimiertem Maß ein und platzieren dem Hörer geschickt ihre Trümpfe der Einzigartigkeit. Das Album ist dem Konzept untergeordnet und folgt so strikt dem Aufbau einer bösen, hochgradig unheilvollen Stimmung. Tonverschwendung und technische Komplexität sind darauf deshalb absolut unerwünscht, sie würden auch das bekannte Gesicht von Heaven Shall Burn verändern. Es ist ein weiteres sehr gutes, schönes und überaus überzeugendes, typisches Heaven-Shall-Burn-Album, das mit seiner betonten Melodik das Potenzial hat, vielleicht sogar den einen oder anderen Def-Leppard-Fan zum Hören musikalischer Extreme zu bekehren.

Besetzung

Marcus Bischoff – Gesang
Maik Weichert – Gitarre
Alexander Deitz – Gitarre
Eric Bischoff – Bass
Matthias Voigt – Schlagzeug

Produktion

Maik Weichert & Alexander Deitz

Tracklist

1. Awoken (intro) (01:28)
2. Endzeit (04:17)
3. Like A Thousand Suns (03:45)
4. Murderers Of All Murderers (03:54)
5. Forlorn Skies (04:50)
6. A Dying Ember (06:56)
7. Joel (05:03)
8. Quest For Resistance (04:51)
9. Black Tears (03:06)
10. The Bombs Of My Saviours (04:22)
11. Against All Lies (05:08)
12. The Disease (02:46)
13. Equinox (outro) (03:09)
14. Atonement (04:43)
15. Enhancement “Iconoclast Synopsis” (digital liner notes & illustrations to each song)

Spielzeit: 58.17

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