I Am Co.Da
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: Cosmo Daivat
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2016
Bewertung: 3/5
Cosmo Daivat sind die ehemaligen Co.Da., die in den Jahren 2011 bzw. 2013 zwei EPs veröffentlicht haben, nämlich »The Dawn of the Black« und »Second Chapter: Froce That Treads Water«.
Das Debütalbum enthält im Grunde alle Songs beider EPs, die in ihrer Reife weiterentwickelt wurden (vor allem klanglich und arrangementtechnisch), im Einklang mit der künstlerischen Reifung des musikalischen Visionärtums der Band. Das Album »In Am Co.Da« ist ein klanglich ausgezeichnet eingespieltes Studiodebüt, was nur bestätigt, dass wir es diesmal im Studio mit erfahrenen Musikern zu tun haben, die dieses Album als Autoren unterzeichnet haben. Alle Bausteine des Klangbildes sind ebenfalls klar hörbar. Die Produktion atmet lebendig und hat die Songs mit einem Klangbild präsentiert, in dem ihre Bausteine in der richtigen Balance liegen. Das bedeutet, dass du im Sound auch die entschlossenen »groove«-Basslinien klar wahrnimmst! In einem solchen Milieu passiert es (auch wenn du ein solches Album mit ähnlichen Produktionen der internationalen Szene vergleichst), dass die Gitarren nie laut genug eingestellt sind, aber für etwas »Größeres, noch »Fetteres«, »Härteres« und »Schwereres« müsstest du einen Produzenten im Ausland suchen. Einen teuren natürlich.
Den Arrangements fehlt nichts. Die Songs besitzen Kompaktheit, entwickeln sich größtenteils in den Tonarten melancholischer Musikalität, was bedeutet, dass sie in Moll aufgebaut sind. Auf jeden Fall sofort einnehmend und unter die Haut gehend. Cosmo Daivat haben sich entschieden, sich in den „leichteren Kulissen“ der Alternativrock-Sphäre zu versuchen, obwohl das spielerische Profil der Musiker zeigt, dass sie sich mühelos auch in den Sphären des Metals (auch des technisch anspruchsvolleren Metals) gut zurechtfinden würden. Sie haben die Gitarren zwar angeraut, gleichzeitig aber einen cleanen Gesang in ihre Reihen aufgenommen, der in den Versen »schwermütig«, »zerknirscht«, »depressiv« wirkt, kurz gesagt bringt er das Hauptelement der Melancholie in die Musik. »I Am Co.Da« ist deshalb ein düsteres Album, was völlig angemessen ist und auch nicht anders sein kann, da die Botschaften in den Versen ein Spiegelbild unserer Lebensweise sind. Hier, jetzt. Ein Spiegelbild einer vermasselten Vergangenheit und die Ankündigung einer düsteren Zukunft, in der sich keine echte Vision für den Wohlstand des Einzelnen finden lässt. Die mittleren instrumentalen Teile bzw. die sogenannten »mid-eight«-Passagen sind geschickt gewürzt, mit gefälligen und stimmigen Gitarrensolos und überaus passenden Übergängen. Damit bleibt die Atmosphäre der Songs und ihre kompakte Form erhalten. Man spürt, dass die Band wirklich lange an den Arrangements gearbeitet und sich detailliert mit allen Kleinigkeiten beschäftigt hat. »I Am Co.Da« ist ein Album, das große Mühe und Hingabe ausstrahlt. Sowohl bei den Proben als auch im Studio.
Was den anspruchsvolleren Hörer vom Album entfernt, ist das Gefühl, dass Cosmo Daivat damit der Mehrheit gefallen wollen. Sich den Radiofrequenzen »anschleichen«, bzw. dass sie kalkuliert ihre Chance auf kommerzielle Massentauglichkeit suchen. Hand aufs Herz. Dreh auf diesem Werk nur die Gitarren runter und du bekommst ein Alternative-Pop-Album. Also ein Album, das keine kreativen Herausforderungen sucht, die Kreativität des inneren Ichs der Musiker nicht herausfordert und das vorsichtig in den Sphären des weniger anspruchsvollen Hörgeschmacks segelt und sich dabei an musikalischen Linien festhält, die zwar sehr eingängig sind, in der Vergangenheit, über die Jahre des Rock’n’Roll, aber schon (zu) viele Male gehört wurden.
Es handelt sich auf jeden Fall um ein slowenisches Album. Die Energie bzw. Vibration, die das Klangbild mitsamt der Melancholie des Melos ausstrahlt, stammt aus dem geografischen Ursprung der musikalischen Wahrnehmung (und Übermittlung) auf der Sonnenseite der Alpen. Daran lässt sich keinen Augenblick zweifeln. Das bestätigen auch die Texte, die Metrik ihrer Einbettung in Phrasen. Obwohl sie auf Englisch sind, wirken sie gesanglich typisch „englisch-slowenisch“. Cosmo Daivat haben ein fein verpacktes Album abgeliefert, das qualitativ hochwertig ist. Sogar sehr hochwertig. Aber es ist in ausdrucksmäßiger Hinsicht absolut nichts Besonderes. In Slowenien gibt es solche Bands nicht, was eigentlich ein Vorteil der Truppe ist. Aber ähnliche gibt es. Und es sind auch nicht viele. In dieser Hinsicht könnten Cosmo Daivat die musikalische Sphäre der slowenischen Szene füllen, in die man noch die Krainer Tide und irgendwelche John F. Doe stecken könnte. Die Aura des Albums wirkt definitiv ansprechend, obwohl das Album, gerade aufgrund seiner klanglich-kompositorischen Gefälligkeit und Bedachtheit, absolut nichts noch Ungehörtes mitbringt. Es liegt an euch, ob auch eure Aura ihre Verwandtschaft und Vereinbarkeit mit der Aura dieses Werks findet. Allgemein betrachtet sind Cosmo Daivat kein Ausnahmefall für die slowenische Musikszene, tragen aber das Potenzial für einen Durchbruch auf Radiofrequenzen, also in Richtung „Mainstream“. Wenn sie damit zufrieden sind, haben sie ihre Mission erfüllt, aber es ist nicht gesagt, dass sie deswegen auf der allgemeinen Landkarte des Rock’n’Roll jemals „erwähnenswert“ werden.
Cosmo Daivat – We Are The Prime (offizielles Video):
Besetzung
Damjan Šaršanski – Gesang
Edin Biščić „Bisconne“ – Gitarre
Matej Krč – Gitarre
Uroš Dobčnik „Urko“ – Bass
Aleš Hrastnik – Schlagzeug
Produktion
Edin Biščić
Tracklist
1. The Raw Beast (Metamorphosis)
2. Sovereigns
3. Men of Sun
4. Prelude
5. Stone
6. Force That Treads Water
7. Gabriel
8. These Cold Roses
9. Prologue
10. Vulgar Fashion of Violence
11. We Are the Prime
12. Orkestra Influenza
13. Vigilantes of the Black Sun
14. Fist To the Sun