Hvala za ribe (EP)

0 6

Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Tabu
Label: Universal Music Group
Veröffentlichung: 2013
Laufzeit: 21:06
Bewertung: 4/5

Wie wär’s mit einer knusprig gebratenen Goldbrasse (Sparus auratus), frisch aus der Adria? Am besten angereichert mit Quecksilber und einer Prise radioaktivem Cäsium? »Hvala za ribe« ist eine kleine Scheibe, eine sogenannte EP, der Band Tabu, mit der sie ihr 15-jähriges Bestehen feiert. Sie ist der Auftakt zum neuen Studioalbum, das die Band im nächsten Jahr veröffentlichen wird.

Tabu haben in diesem Jahr einen Vertrag mit der Universal Music Group unterzeichnet. Kein schlechter Start. Herzlichen Glückwunsch an die Band! Tabu galten schon immer als die echte slowenische Art-Pop-Band »par excellence«.  Alles, was sie anfassen, trägt eine unverwechselbare und greifbare musikalische Substanz, geprägt durch außergewöhnliche Entschlossenheit in der musikalischen Vision und eine klare Definition einer fassbaren kompositorischen Handschrift. Es ist eine Band, die es versteht, auf äußerst effektive Weise eingängige Melodien mit der lebendigen Art-Struktur vieler kurzer, aber prägnanter Züge zu vereinen, die filigran abgestimmt sind und als Ganzes stets einen wunderschönen musikalischen Körper formen. Nicht weniger, nicht mehr. Das ist jener feinsinnige Punkt des elastischen Zusammenführens einer packenden Melodie, die jedoch auf einer hartgesottenen Art-Form steht, aus der jeder Anflug von Oberflächlichkeit, Flachheit, Leichtfertigkeit oder Naivität sorgfältig eliminiert wurde.

Die EP »Hvala za ribe« trägt eine aufgefrischte Produktion. Sie fängt aktuelle Trends ausgezeichnet ein. Der Titelsong folgt im Rhythmus und in der Entwicklungsstruktur der Komposition dem verwandten neuen Track auf Position Nr. 3 dieser EP namens Male vojne, und beide orientieren sich auf ähnliche Weise an dem Stück Moje luči, mit dem Tabu bei der EMI 2011 angetreten sind. Sowohl in der Struktur des Leitrhythmus als auch in der Struktur des Stücks.  Trotz der Pop-Struktur ist in beiden Stücken – sowohl in Hvala za ribe als auch in Male vojne – ein sanfter Schleier aus Alter-Rock-Konturen eingefangen. Beide Stücke besitzen ein ausgeprägtes stimmungsmäßiges Crescendo im Refrain, wo der zentral positionierte Gesang von Tina das außergewöhnliche Zusammenspiel der vielen Bausteine der vielschichtig gestalteten Klanglandschaft der Begleitung stützt (einschließlich Programmierung und Sampling sowie dem klar herausgestellten rockigen Gitarrenklang).  Der Gesang von Tine Marinšek würde in einer Indie-Rock-Sphäre hervorragend funktionieren (auch wenn sie es als Solokünstlerin versuchen würde). Er kann nämlich angenehm »rauchig durchzogen« sein, sogar schüchtern, aber gleichzeitig sanft »stachelig«. Dabei besitzt eben dieser Gesang eine wünschenswerte Flexibilität. Wenn es gilt, den Song stufenweise in Richtung des Refrain-Crescendos zu tragen, schwingt sich Tina entschlossen und energisch in die dominante Pose des vollsinnlich gefärbten melodischen Ausschöpfens. Genau das, was Tabu brauchen.  Die hinzugefügten dekorativen »Schichten« der Gitarre klingen »à la U2«, was den gelegentlich sanften Alter-Rock-Schleier beider Stücke neben der bereits beschriebenen Vokalgestaltung von Tine Marinšek noch vertieft. Eben Art! Man spürt, dass Tabu einer Generation angehören, die ihre Teenagerjahre höchstwahrscheinlich in den Achtzigern erlebt hat. Die Stücke Male vojne und Hvala za ribe enthalten spürbare Einflüsse des »New Wave Pop«-Sounds der Achtziger-Bands wie z.B. Duran Duran, Ultravox, O.M.D. Tabu agieren hier wie ein Mini-Orchester, die Struktur liegt auf dem Tanzrhythmus, und der Gesang trägt jenes echte Seiltänzer-Gefühl, sodass der Song keinen Moment flach und dumm-naiv wirkt.

Auf die »freche Lausbübin«, das ausgelassene und übermütige Titelstück der EP »Hvala za ribe«, folgt das zurückhaltende Nekoč nekje, das durch organischen Klang reichlich verstärkt ist und die aufgeladene Stimmung nach dem Eröffnungsstück effektiv auflöst. Im Refrain verbirgt sich etwas Mystik, und im Stück lässt sich die Tendenz der Band erkennen, sich mit diesem Song möglicherweise der Single Poljubljena anzunähern. Das Stück Junfer ist schon vom Titel her »lausbübisch« ausgerichtet, klar eingeschnitten in organischen Farbnuancen, getragen von Akustik und einem ausgesprochen sympathischen Dixie-Blues-Rhythmus, der ein Gefühl von Ausgelassenheit im Stück erzeugt. Erneut ist der Gesang von Tine Marinšek der Hauptträger der Ausstrahlung, die das Stück besitzt.

Kurz zuvor ist mir das Stück Moje luči herausgerutscht. Angesichts der Kompositionen Hvala za ribe und Male vojne überrascht es kaum, dass die Band die Entscheidung trifft, auf diese EP  auch das Stück Moje luči aufzunehmen, mit dem sie beim Wettbewerb EMA 2011 angetreten ist! Es passt wie angegossen auf diese EP. Am Ende stoßen wir noch auf die englische Version der Single Hvala za ribe, was man als eine Art logische Testbewegung verstehen kann. Eigentlich ist das wieder der alte Trick des »Ertastens«, wie Ausländer auf deinen Köder anbeißen. Ich meine, dass das Kennzeichen des slowenischen Melos zusammen mit den Texten bei Tabu ein so ausgeprägter und dominanter Träger der Identität der Band ist, dass sie nicht einmal im Traum daran denken müssen, sich kommerziell im Ausland zu erproben und dabei die Präsenz zu opfern, die in der Essenz von Tabu gerade die Verwendung des Slowenischen garantiert und sicherstellt.

Man kann sagen, dass Tabu die Band ist, die neben den heute etwas „ergrauten“ und weniger aktiven Panda dankenswerterweise jenen Raum in der slowenischen Mainstream-Szene füllt, der in der Pop-Rock-Kultur einen greifbaren musikalischen Intellekt liefert. Kompositorische Art-Intelligenz, die aus einem vielschichtigen Musikverständnis entspringt, aber stets eine tugendsame melodische Zugänglichkeit für Körper und Geist jedes beliebigen Musikkonsumenten bewahrt.

Die EP „Hvala za ribe“ ist also der Beweis, dass das hochkarätige Art-Prisma dieser geschätzten Pop  Rock-Band nach wie vor eine Qualitätskonstante bleibt – ein schönes Versprechen für das, was wir erwarten. Das ist ein neues Studioalbum, das Tabu für die erste Hälfte des kommenden Jahres ankündigen. Die EP »Hvala za ribe« ist also mehr als ein gelungener einleitender »Appetithappen«, der dir dabei helfen wird, das neue Studioalbum der Band leichter abzuwarten!

Besetzung

Tina Marinšek – Gesang
Tomaž Trop – Gitarre
Aleš Beriša – Keyboards
Iztok Melanšek – Bassgitarre
Primož Štorman – Schlagzeug 

Produktion

Žarko Pak

Trackliste

1. Hvala za ribe
2. Nekoč nekje
3. Male vojne
4. Junfer
5. Moje luči
6. Thanks For The Fish (bonus) 

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies