Hush Now
Autor: Aleš Podbrežnik
Künstler: Monowi Twins
Label: Eigenveröffentlichung
Erschienen: 2014
Laufzeit: 49:14
Bewertung: 4/5
Monowi Twins bestehen aus Sanja FC (nein, das ist kein Fußballklub) und Andi Koglot. Schon im April dieses Jahres machten die beiden mit der EP »5 Tales« darauf aufmerksam, dass sich am Horizont im Grunde eine Alternative-Band zusammenfindet, die musikalische Eindrücke aber breiter wahrnimmt – die Songformen sind genremäßig locker genug, unpoliert und frisch. Im wahrsten Sinne des Wortes »anders« also.
Andi Koglot ist ein echter D.I.Y.-Magier und musikalischer Visionär. Instrumentarium und Arrangements sind seine Domäne, Gesellschaft leistet ihm dabei der mal exzentrische, mal schüchterne, herrlich bissige, dunkel versunkene, auch zerbrochene und hoffnungslos umherirrende – aber niemals süßliche oder zuckrige – Gesang der mutigen und ungezähmten Sanja, die mit der leidenschaftlichen Kraft ihrer Stimme nicht geizt und ihr Herz auf dem Tablett serviert. Beide Musiker agieren als traumhaftes kreatives Team, das mit gezielten Zügen eine enorm effektive und prägende Musikform erschafft. Diese trägt auch einen Hauch Eklektizismus. Sanjas Gesang kann innerhalb desselben Songs mit Beklemmung und Verletzlichkeit aufgeladen sein, um im nächsten Moment (der Refraingesang von Crystal Empires) von außerordentlicher Sanftheit übernommen zu werden (hört euch unbedingt auch das verträumt versunkene Breach an und gleich danach Please, I Insest, wo der Gesang in seiner Sanftheit auch rührend ist). In jeder Hinsicht ist Sanjas Gesang enorm eindringlich, wenn es darum geht, Gefühle zu vermitteln und die Botschaften in den Versen zum Leben zu erwecken – für das Duo ist das so etwas wie ein gewonnener Poker mit vollem Asse-Blatt. Das Englische sitzt bei Sanja hervorragend, wenn nicht sogar brillant. Ich bin der Meinung, dass das Duo unbedingt die Chance bei einem größeren Label im Ausland suchen sollte. Universal Music, Island Records, usw.… – die Sache vereint Aktualität und Außergewöhnlichkeit in einem. Sie ist alternativ, und zugleich weht aus dem musikalischen Inhalt kräftig Folk herüber. Der Song Little Bastards, bei dem sich dem Banjo auf köstliche Weise die melancholische Melodie des Akkordeons beigesellt, könnte mit der unglaublich intensiv nachempfundenen vokalen Anziehungskraft von Sanja die Karten auf dem internationalen Parkett ganz schön durcheinanderbringen!
Der Vorteil des Duos, der sie über das graue Mittelmaß künstlerischer Unbekanntheit hebt, liegt in der ausgearbeiteten musikalischen Vision, wobei Koglots Universalität ganz sicher einen außerordentlichen Ertrag aus dem symbiotischen Wirken der klanglandschaftsgestaltenden Elemente innerhalb der Songs bringt. So hat das Duo eine ganze Reihe von Musikern zur Zusammenarbeit eingeladen. Es handelt sich um ein außerordentlich wirkungsvoll kontrastiertes Geflecht aus subtil kombinierten Programmierungsmustern (zusätzliche Unterrhythmen, Soundeffekte), Synthesizerklängen, Pianoflächen, Streichern, Akkordeon, Trompete – und gleichzeitig ist der eigentliche Generator der klassischen Phrase (die wir in der Rockmusik suchen) anstelle der Gitarren diesmal das Banjo. Koglot versteht es, in den Arrangements kurze, einmalige und klare Schritte zu dosieren. Nach dem Axiom: weniger ist mehr. Im Song Please, I Insest übernimmt Sanjas bewegender Gesang die absolute Hauptrolle, darunter »kratzt« die einfache Banjolinie, und das Ganze umhüllt ein zarter Schleier »tripoider« Farben »effektierter« Keyboards – also ein minimalistischer Ansatz nach dem Prinzip weniger ist mehr, der überzeugend zündet und überzeugt. Koglot schichtet im Verlauf eines Songs mehrfach Klangebene auf Klangebene und erschafft damit ein außerordentlich bildhaftes Wogen der Stimmungen innerhalb der Songs.
Monowi Twins lassen sich kaum in irgendeine Genreschublade stecken. Im Großen und Ganzen kann man sie als Alternative Rock bezeichnen, aber das ist bei Weitem zu vage. In der ganzen eklektischen Fusion vereinen sie traditionelle Americana-Klänge – vor allem in den dunkleren Momenten des Albumanfangs –, als Gegenpol gibt es »helle« Momente im Gewand des Neoklassizismus (hinzugefügte Streicher- und Pianoarrangements), am häufigsten jedoch überzeugt vor allem der Minimalismus klarer melodischer Formen, die schnell unter die Haut gehen – mit einem Hauch tripoider Indie-Rock-Ästhetik, bei der die künstlerische Authentizität besonders bezaubernd wirkt. The Supreme Psycho hat rhythmisch einen leichten SKA-Schleier, dieses Gefühl verstärkt jedenfalls auch die Trompete. Oft ist der eigentliche Melodiegenerator allein der Gesang von Sängerin Sanja, während die Begleitung im Hintergrund durch kontrastiertes Überblenden der Klangraum-Elemente für eine graduelle Steigerung (Dramatisierung) der Stimmungslagen sorgt. Wie gesagt. Beim ganzen bekenntnishaften Flirten mit der sonst vorhersehbaren Americana-Form bauen Monowi Twins eine eigene Welt der Alternativmusik auf, die ihr sicher noch nicht entdeckt habt. Das Debüt »Hush Now« ist ein ehrlich authentischer Abdruck innerer Gefühle eines verletzten Herzens, das Hoffnung und Glaube an die Sache heilen, für die es schlägt. Deshalb ist dieses Album durchdrungen von außerordentlichem Mut zum abenteuerlichen Entdecken, das euch in seiner Einzigartigkeit und Ungewöhnlichkeit bezaubern wird.
Ach ja, vielleicht schadet der folgende Satz nicht. Zur Orientierung – auch wenn ich der Band damit leicht unrecht tue –, mag der Hinweis nicht überflüssig sein, dass Monowi Twins interessant sein werden für Fans der bunten musikalischen Palette im Bereich von Wowenhand bis, sagen wir, 16. Horsepower; erwartet aber bloß keinen Zuckerwatte-Sound wie bei Florence And The Machine.
Besetzung
Sanja FC – Gesang, Hintergrundgesang
Andi Koglot – Banjo, Resonatorgitarre, Piano, Keyboards, Programmierung, Gesang auf Track Nr. 5
MITWIRKENDE MUSIKER:
Eva Razložnik – Cello
Martin Bezjak – Viola & Violine
Miha Smrekar – Trompete
Eva Mavsar – Bassgitarre, Hintergrundgesang auf Track Nr. 4
Andraž Žnidarčič – Hintergrundgesang auf Track Nr. 4
Produktion
Andi Kogot
Tracklist
1. Curb Crawlin‘ 187 (04:59)
2. So B Eet (05:01)
3. Little Bastards (03:36)
4. Consider The Daffodils (04:40)
5. Crystal Empires (05:03)
6. Charlie (03:03)
7. The Supreme Psycho (04:19)
8. Blue Silk Ballad (04:16)
9. Breach (05:30)
10. Please, I Insest (05:52)
11. Narrative (02:41)