Howl

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Mighty Oaks
Label: Vertigo Records
Veröffentlichung: 2014
Laufzeit: 40:38
Wertung: 3.5/5

Mighty Oaks sind eine internationale Indie-Folk-Rock-Band, vertreten durch ein Trio mit gemeinsamem Wohnsitz in Berlin. Der Erste kommt nämlich aus den USA, der Zweite aus Italien und der Dritte aus Großbritannien. Der überraschend große Erfolg von Indie-Bands, die ihr musikalisches Erbe auf starken Folk-Fundamenten aufbauen – wie etwa Mumford And Sons aus Großbritannien oder auf der anderen Seite des Atlantiks die amerikanischen The Lumineers –, hat offensichtlich auch das Trio Mighty Oaks angestachelt, sich in einer ähnlichen Musiksphäre zu versuchen.

Die Tatsache, dass die Jungs je aus einem anderen Teil der Welt kommen, ist ein großer Vorteil: Schon allein die geografische Ausgangsdistanz der drei Akteure bedingt Unterschiede in der musikalischen Wahrnehmung und kann so die Ausbildung eines unverwechselbaren Ausdruckscharakters beeinflussen. Mighty Oaks gelingt es mit dem Debüt »Howl«, erste Pflastersteine zu legen, auf denen sie ihre eigene Handschrift aufbauen können. Es handelt sich um Indie-/Folk-Rock voller zarter Klangstrukturen, die im Wesentlichen darauf basieren, einfach und unkompliziert lösbare Melodielinien herauszugreifen. Nichts Neues also – aber clever neu verpackt und einmal mehr so serviert, dass es effektiv zündet.

Mighty Oaks können »aufweckend«, optimistisch sein – das zeigen schnell der Opener Brother und gleich darauf Seven Days. Das Album »fliegt« auf beiden Songs atmosphärisch davon. Schon gleich zu Beginn ist klar, dass die Folk-Komponente eine der tragenden Säulen des musikalischen Dossiers der Band ist. Diese setzen Mighty Oaks über 40 Minuten Material hinweg durch das malerische Zusammenfügen von Klangpastelltönen um, die durch Nuancen von Banjo, Mandoline, Akustikgitarre, Tamburin und »Kick«-Drum aufgebaut werden. Das Indie-Element steuern Keyboards und E-Gitarre bei, ebenso der Melodiefluss der Gesangslinien, doch das Indie-Element duckt sich mehrfach weg, wodurch das Folk-Element noch mehr Ausdrucksraum gewinnt (Songs wie Horse, You Saved My Soul, Captain’s Hill). Die Vocals übernehmen alle drei Bandmitglieder, und ihre unterschiedlichen Gesangsinterpretationen sorgen für zusätzliche Belebung der Songs. Die Melodien werden an den richtigen Stellen von zusätzlichen Vokalharmonien unterstützt, was für eine dynamische Abwechslung der Stimmungslagen des Albums sorgt. Es ist ein Album des beständigen Ineinanderfließens und Verflechtens sanftklanglicher Schleier, das bei Weitem nicht so rohe Folk-Formen hervorbringt, wie sie etwa The Lumineers erschaffen können. Bei Mighty Oaks ist diese nämlich mehrfach mit Indie-Hebeln ausbalanciert. Songs, in denen sich beide Ansätze zu einer perfekten expressiven Balance vereinen, findet man etwa im feinsinnig zarten Shells, im abschließenden Titeltrack sowie in The Golden Road.

Fürs Debüt lässt sich sagen: Mighty Oaks sind insgesamt auf musikalisches Terrain gestoßen, das konzeptuell bereits erprobte Formen der Fusion von Indie-Rock und Folk-Musik generiert – samt der vorhersehbaren Suche nach tragenden Melodien und Rhythmen (auch Polka-Rhythmen, wenn man so will). »Howl« zeichnet sich durch eine exzellente Produktion aus: ein volles, organisches und warmes Klangbild, in das einfühlsame Vocals und Vokalharmonien geschmackvoll eingebettet sind. Es ist eine bereits erprobte Musikrezeptur, die Mighty Oaks jedoch so zu verpacken verstanden haben, dass sie ihre eigene ist – also Wiedererkennbarkeit ausstrahlt. Ein schönes Debüt der Band, ausgerichtet auf einen gesunden Entwicklungsweg, der von Mighty Oaks in Zukunft eine ausdrucksstärkere Vertiefung des persönlichen musikalischen Profils verspricht.

Besetzung

Ian Hooper – Gesang, Mandoline, Akustikgitarre, „Kick“-Drum, Tamburin
Claudio Donzelli – Gesang, Banjo, Akustikgitarre, E-Gitarre, Mandoline, Keyboards, Klavier
Craig Saunders – Gesang, Bass

GASTMUSIKER: 
Jürgen Stiehle – Schlagzeug auf den Tracks Nr. 1, 3 und 7.
Fabian Kretzchmar – Schlagzeug auf den Tracks Nr. 4 und 6.  

Produktion

Robert Stephenson

Trackliste

1. Brother
2. Seven Days
3. Back To You
4. When I Dream, I See
5. Just One Day
6. Shells
7. You Saved My Soul
8. The Golden Road
9. Captain´s Hill
10. Courtyard In Berlin
11. Horse
12. Howl

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