Hladnosrčne Barbare (2014)
Autor: Sebastijan Videc
Fotos: Jerneja Jerak
Ort: Channel Zero, Ljubljana, Slowenien
Konzertdatum: 02.10.2014
Besucherzahl: 50
Eintritt: 20€ (Vorverkauf), 24€ (Abendkasse)
Man muss es sich eingestehen: Die Welt des Rock und Metal ist überwiegend männliche Domäne. Mit seltenen Ausnahmen wie etwa Doro oder den Mädels von Arch Enemy haben sich die meisten Frauen in symphonischen und Folk-Bands wiedergefunden. Rein weibliche Besetzungen sind noch rarer – auch wenn wir in Slowenien gleich zwei bekannte, wenn auch stilistisch unterschiedliche haben. Umso mehr war der Auftritt einer solchen Band aus Stockholm ein echter Leckerbissen.
Junkstars hatten in gewisser Weise die undankbare Rolle der ersten Vorband. Das Trio kommt aus Stockholm, fing erst vor zwei Jahren an gemeinsam Musik zu machen, hat in dieser kurzen Zeit aber bereits zwei Alben veröffentlicht. Das spärliche Publikum sorgte anfangs für ein etwas trübseliges Bild – doch von Song zu Song baute die Band einen echten Draht zu den anwesenden Besuchern auf. Frontmann Max ‚Diesel‘ nahm dabei fast schon persönlichen Kontakt zu jedem Einzelnen auf, und die Band bekam zur Belohnung und Aufmunterung sogar eine Runde Schnaps von einem begeisterten Konzertgast spendiert! Die tief hängenden Gitarren und die geradlinigen Rhythmen verrieten klar die Punk-Wurzeln der Band, klanglich bewegten sie sich aber auch in rockigere Gefilde. Trotz des bescheidenen Publikums wirkte die Band zufrieden und spielte ihr Set professionell durch.
Leider füllte sich der Parkett auch beim nächsten Auftritt kaum nennenswert – dabei hatte ich auf den persönlich mit großer Neugier gewartet. Supercharger sind eine Rockband aus dem dänischen Kopenhagen. Interessant ist dabei, dass sie – ähnlich wie ihre Landsleute Volbeat – einen verzerrten, modernisierten Rock’n’Roll der Fünfziger spielen, doch damit enden die Gemeinsamkeiten auch schon wieder. Während die bekanntere Band Volbeat eine hochproduktierte, kommerziellere Version des Rock’n’Roll pflegt, haben sich Supercharger für einen rohen, garagigen Sound entschieden. Weil damit die Zuckerwatte und die Scharen junger Mädchen wegfallen, werden die Dänen wohl keine Stadien füllen – aber Quantität ist ja kein Maßstab für Qualität. Die kleine Bühne des CH0 war diesmal eindeutig zu eng für ein Sextett – der Keyboarder war in eine Ecke gezwängt, die Gitarristen drängten sich vor dem Schlagzeug und versuchten, dem Frontmann Mikkel Platz zu lassen. Der härtere, schnellere und dreckigere Gitarrensound füllt einen Clubraum wie den Channel Zero perfekt aus, und der charismatische Mikkel nutzte die Enge – noch besser als Max vor ihm – zur Kommunikation mit dem Publikum. Mundharmonika, Hammond-Orgel und schnelle Klavierakkorde, verzerrte Rock’n’Roll-Rhythmen und witzige Texte, dazu komische Ansagen zwischen den Songs – zusammen sorgten sie dafür, dass sich alle Anwesenden bestens amüsierten, manche sogar tanzten, und eine gute Stunde Auftritt verging einfach viel zu schnell.
Crucified Barbara sorgten immerhin dafür, dass sich die Halle einigermaßen füllte. Das Frauenquartett aus Stockholm begann Ende der Neunziger als Punkband, doch bald wandelten sich die Mädels zu überzeugten Rockerinnen – und diesem Genre sind sie bis heute treu geblieben. Vor knapp einem Monat hatten sie ihr viertes Album, In the Red, veröffentlicht, das erwartungsgemäß den roten Faden des Abends bildete. Der Einstieg war kompromisslos – Schuss für Schuss, Song für Song, ohne Pause. Eine kurze Trinkpause gönnten sie sich erst nach dem vierten Stück, danach weiter in derselben Manier – mit minimaler Interaktion, aber das macht nichts, denn an diesem Abend sprach statt ihnen die Musik. Der kühle Blick von Frontfrau Mia Coldheart taute kein bisschen auf, und die ansteckenden Lächeln von Rhythmusgitarristin Klara Force wurden von eiskalten Augen begleitet. Nein, die „Barbaras“ sind nicht schon wieder eine Frauenband, die auf der Bühne mit weiblichen Reizen punktet – bei ihnen und für sie sprechen einzig die Instrumente. Mias Stimme erinnert bisweilen an die legendäre Doro, und der harte Rockstil ist von verschiedensten Einflüssen durchdrungen – von Motörhead und Alice in Chains bis zu den großen Namen der Glamrock-Bewegung der Achtziger. Dass ihre Musik keine Gnade kennt, spürten auch die Instrumente – Mias Gibson Flying-V hat an der Oberkante schon den blanken Lack abgerieben, während Idas Bass in noch schlimmerem Zustand ist. Die Mädels enttäuschen weder in der verzerrten noch in der akustischen Version! Und Mias Stimme ist verdammt nochmal süchtig machend – vom echten Heavy-Metal-Gesang im Crucifier bis zur sanften, samtigen Stimme in Balladen wie Jennyfer scheint es keine Grenzen für sie zu geben. Definitiv ein Konzert, das allen Besuchern im Herzen bleiben wird – und definitiv eine Band, die ich unbedingt noch einmal live erleben möchte!
Setliste
Crucified Barbara:
1. The Ghost Inside
2. The Crucifier
3. Shut Your Mouth
4. Sex Action
5. To Kill A Man
6. Everything We Need
7. In The Red
8. Rock Me Like the Devil
9. Jennyfer
10. Count Me In
11. Lunatic #1
12. Sell My Kids for Rock’n’roll
13. In Distortion We Trust
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14. My Heart Is Black
15. Into the Fire
16. Electric Sky
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