Herman Frank : The Devil Rides Out

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Label: AFM Records
Erscheinungsdatum: 18.11.2016
Produktion: Charlie Bauerfiend
Albumlänge: 52.05 Min.
Genre: Heavy Metal


Herman Frank ist ein anerkannter und geschätzter deutscher Gitarrist. Längst mit goldenen Buchstaben in die Bücher des Metals eingetragen, denn seine Gitarre hallt auf den markantesten Alben im Diskografiewerk der deutschen Metal-Giganten Accept wider. Gleichzeitig ist Herman Frank als Kopf der kultigen deutschen Heavy-Metal-Festung Victory bekannt. Herman Frank kehrt also mit seinem insgesamt dritten eigenständigen Studioalbum »The Devil Rides Out« zurück. Er brauchte vier Jahre, um dem Vorgänger »Right in the Guts« (2012) nachzufolgen. In dieser Zeit entschied sich Herman Frank, Accept zu verlassen. Genau genommen verließen er und Schlagzeuger Stefan Schwarzmann Accept gleichzeitig, und dieses Duo veröffentlichte später zusammen mit Destruction-Chef Marcel Schirmer „Schmiera“ unter dem Projekt Panzer ein hervorragendes Album.

Herman Frank ist, wie er selbst in einem Interview sagte, von allen kreativen Fesseln befreit, die ihn an Accept gebunden hatten. Bekanntermaßen musste er dort durchgehend in einer untergeordneten Position funktionieren. Nicht nur durfte er keine eigenen kompositorischen Ideen einbringen – Hoffmann gestattete ihm bei Accept-Konzerten auch höchstens an einer einzigen Stelle zu solieren, wenn überhaupt. Herman Frank ist nämlich kein bisschen schlechterer Gitarrist, sondern Wolf Hoffmann vollkommen ebenbürtig. Das werden alle Kenner des Diskografiewerks von Victory und natürlich auch von Hermans beiden vorangegangenen Soloalben bestätigen können.

Für das neue Album behielt Herman Frank den zuverlässigen amerikanischen Sänger Rick Altzi in der Band – seines Zeichens Mitglied von Masterplan –, als Bassisten holte er sich das erfahrene Mitglied der deutschen Hardrocker Jaded Heart, Michael Müller. Hinter das Schlagzeug setzte sich diesmal einer der besten deutschen Drummer, der aktuell ohne festes Engagement dastand: Andre Hilgers (ex-Rage). Vor uns liegt also ein Album, das ein giftiges Quartett zusammengebastelt hat – angeführt vom Kapitän höchstpersönlich, Herman Frank natürlich.

Und das neue Album? Pure Poesie eines urinstinktiven, old-school-Zugangs zu den Inhalten des Heavy Metals reinblütiger teutonischer Herkunft. Deutscher geht’s schlicht nicht. Bis auf die Knochen. Wenn dir Accept und Victory gefallen, gehört »The Devil Rides Out« eigentlich schon dir, bevor du überhaupt danach greifst.

Das Material darauf kennt nur einen Gang. Den höchsten. Den sechsten. Bei Energie und Vollgas gibt es keinerlei Nachlassen – das Album lässt dich nicht zu Atem kommen. Gleichzeitig zieht sich durch die direkten, einem direkt in  die Zähne tretenden Riffs eine gehörige Dosis höchst musikalischer Würze, bei der Altzi stets wirklich eingängige Vokallinien herausholt, die in die jeweilige Atmosphäre genau den richtigen Moment an Bombast einstreuen. Bei etwas langsameren Nummern (Stone Cold) wächst dieser musikalische Moment natürlich noch an.

Ansonsten steht der Großteil des Albums praktisch durchgehend auf dem extremen Hämmern der Doppelbassdrum-Pedale, auf dem kompromisslos die kompromisslosen Gitarrenriffs rollen, die durch die außergewöhnliche rhythmische Kinetik in vollem Glanz erstrahlen!  Vom ersten bis zum letzten. Dazwischen gibt es keinerlei Qualitätsschwankungen. Das Album enthält gleich zwölf Songs, und alle sind in ihrer Aussage gleichwertig. Kompositorisch gleichwertig. Frank setzt Einleitungs- und Abschlussteile mit zusätzlichen atmosphärischen Gitarrenharmonien um, in den »mid eight«-Passagen explodiert er in voller Entfaltung und hält sich in den stimmigen Soloabenteuern keinen Augenblick zurück. Alle Songs sind bis ins Detail vollgepackt, und wo immer der Typ Platz für ein Gitarrenornament findet, das das giftige Riffing noch weiter anheizt, setzt er es geschickt daneben – und der Song gewinnt dadurch an Ausdruckscharakter. Frank ist ein unglaublich erfahrener Komponist, und diesmal hat er ein außergewöhnliches Team um sich versammelt, das alle Inhalte dieses hervorragenden Werks perfekt ergänzt.

Die Favoriten wirst du selbst herausfinden, besonders auf Anhieb packen einen aber das einleitende Runnig Back, weiterhin Balhog Zone, No Tears In Heaven, Thunder of Madness, das wild aufgedrehte und besonders scharf zugespitzte Dead Or Alive oder das nicht minder aufrührerische I Want It All, das das Album am Ende beschließt. Das ist ein Album der alten Metal-Schule, wie sie nur die Generation der Metal-Pioniere erschafft, zu der auch der abgehärtete Herman Frank gehört. »The Devil Rides Out« ist von Hermans drei veröffentlichten Studioalben bis heute das konsistenteste, fokussierteste sowie ideen- und arrangementmäßig ausgereifteste Werk. Durch die Bank strotzt es vor überzeugender Wirkung. Auch das auf mittlerem Tempo  ausgelegte Licence To Kill hat einen Hauch von düsterem Galgenhumor und Okkultismus, und wieder ist es der hervorragende Refrain, der mitreißt, während der Song selbst die kreativsten Momente der Accept-Karriere heraufbeschwört.

»The Devil Rides Out« ist für dieses Jahr ein heißer Kandidat für das beste europäische Album des old-school Heavy-Metal-Erbes, geschneidert nach den Geboten der rechtgläubigen deutschen Metal-Bibel. Kein Blatt vor den Mund! Es ist nämlich ein schärfer zugespitztes Album, wenn man es mit den letzten drei Accept-Alben vergleicht, und Frank beißt sich in den Kompositionen unnachgiebig durch, als ginge es auf Leben und Tod. Mit einem Wort: Brillant!

Autor: Aleš Podbrežnik
Bewertung: 9.0 / 10


Herman Frank – Ballhog Zone

Trackliste:
01. Running Back
02. Shout
03. Can’t Take It
04. No Tears In Heaven
05. Ballhog Zone
06. Run Boy Run
07. Thunder Of Madness
08. License To Kill
09. Stone Cold
10. Dead Or Alive
11. Run For Cover
12. I Want It All

Besetzung:
Rick Altzi – Gesang
Herman Frank – Gitarre
Michael Müller – Bass
Andre Hilgers – Schlagzeug

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