HeaveniX beim Bežigradfest (2013)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Ljubljana / Cvetličarna / Slowenien
Konzertdatum: 19.06.2013
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 0.00€ (freier Eintritt)
HeaveniX sind ein Quartett abgebrühter Musikkatzen, die leider den Fehler machen, viel zu wenig für ihre eigene Promotion zu tun. Die Namen Boštjan Andrejc »Booshee« (Gitarre, Gesang), Rok Golob (Keyboards, Gitarre), David Morgan (Schlagzeug) und Patrik Vlačič (Bass) stehen nämlich hoch im Kurs, wenn man sie neben die übrigen slowenischen Musiker der bunten Genre-Gemeinschaft stellt – von vielen Spielarten des Pop und Rock bis hin zu Metal. HeaveniX sind nämlich so gut, dass sie so ziemlich alles spielen können, wonach ihnen der Sinn steht. Mit vollem Kredit natürlich!
Die Band ist nicht von gestern. Nur in Ljubljana selbst tritt sie eher selten auf. Normalerweise trifft man sie irgendwo an der Küste. Denn abgesehen von Rok Golob kommen die anderen drei aus der Primorska-Region. Die Band hat bis zu diesem Abend eine Handvoll Eigenkompositionen zusammengestellt, die sich durch eine ganz eigene Sensibilität und Art-Brillanz auszeichnen. Diese vereint einen sofort eingängigen Charakter mit den Eigenschaften energetischen Rockspiels, das neben dem Gespür für die perfekte Melodie auch Drill und Können voraussetzt. Die Eigenkompositionen sind: Luna na licu, 1 Problem, H20, Adreanlin, DNK, Nov nor čas – allesamt Stücke, die die Band beim Konzert in der Cvetličarna wieder vorstellte.
Die Jungs betraten kurz nach zehn Uhr abends die Freiluftbühne der Cvetličarna. Vor gut und gerne knapp 100 Leuten, die sich größtenteils vorsichtig an die Theke lehnten und jeder sein Bierkrüglein bewachte. HeaveniX starteten ihre Show ähnlich wie Mitte April dieses Jahres, als sie im Orto bar auftraten. Mit dem Bill Withers-Song Use Me, der anno 1972 als Single erschien. Funk fließt ihnen gemeinsam im Blut, und einen Großteil davon haben die Jungs in den Arrangements auch auf einige ihrer Eigenkompositionen übertragen, die sie beim Konzert spielten (zurück zum vorherigen Absatz dieses Berichts).
Die Band hat schlicht und einfach restlos fasziniert. Nicht mehr, nicht weniger. Die Jungs haben zu viele Kilometer und zu viel Erfahrung auf dem Buckel, als dass sie irgendetwas anderes liefern könnten – und Gott bewahre, dass sie enttäuschten. Die Band teilte das Konzert in zwei Teile. Mit dem Ziel, das Publikum so lange wie möglich in der Cvetličarna zu halten. Eintritt frei, und trotzdem fast leere Location. Eine absolute Sünde! Im ersten Teil spielten die Jungs eine Reihe anspruchsvoller Nummern aus dem zeitlosen Kanon, die zu Künstlern wie unter anderem The Police, Van Halen (Ice Cream Man – Eddie hätte das sehen müssen!!!), Jamiroquai gehören (Booshee hat die ideale Stimme für Funk – in den hohen Lagen wird sie charakteristisch »nasal«, behält dabei aber die ganze Zeit eine außergewöhnliche Ausstrahlung). Die Band überraschte zum Beispiel mit einem Cover von Zucchero (Baila Morena), was keine leichte Aufgabe ist. Natürlich kamen auch die Rocker auf ihre Kosten. Da waren die Klassiker von The Doors, Led Zeppelin (hervorragend gespielt, Black Dog ohne jeden Patzer), AC/DC, Nirvana, ZZ Top,… und auch für die jüngeren Besucher war gesorgt, als sie sich die Hits von Kings Of Leon und One Republic vornahmen.
Alle kamen auf ihre Kosten. Sowohl die, die für ihre Ohren das Höchste verlangen, als auch die weniger anspruchsvollen Gäste, die einfach mal »abschalten« wollten. Das Quartett spielt wie ein geölter Apparat. Sie sind klangliche und darstellerische Perfektionisten durch und durch – bestätigt auch durch die erstklassige Bühnenausrüstung, die so ein Artismus eben verlangt!
Die Jungs sorgten auch mit charismatischen Ansagen ans Publikum für lebhafte Unterhaltung, in denen sie sich größtenteils selbst auf die Schippe nahmen. Auf der Bühne traten sie in neuen HeaveniX-T-Shirts auf, die das 15-jährige Bestehen der Band feierten! HeaveniX zuzuschauen ist ein Genuss. Alles, auch die schwierigeren Nummern im Repertoire, erledigen sie mit federleichter Lässigkeit.
Der Besuch hat das Erlebnis aus dem Orto bar bestätigt. Die Bühnenbrillianz dieses Quartetts. Nur eine Handvoll fehlt ihnen noch bis zum Debütalbum. Alle sechs Eigenkompositionen versprechen viel. Sie verkörpern das Beste, was ein anspruchsvoller Hörer im Art Rock sucht. Eigenständigkeit und die ideale Gratwanderung zwischen Eingängigkeit und gestalterischer »Komplexität«. Das goldene Mittelfeld! Eingängig genug, dass die Radiofrequenz sie liebt, und doch so gewürzt, dass sie all jene bei sich behält, die intelligente Abwechslung in den Arrangements suchen. Bleibt also zu hoffen, dass die Jungs sich die Zeit nehmen, noch ein paar weitere Eigenkompositionen fertigzustellen, sich dann im Studio einschließen und endlich ihr eigenständiges Studio-Debüt vorbereiten und veröffentlichen. Diese Gefälligkeit schulden sie sich selbst. Ihre Originalmusik ist einfach zu gut! Und das gilt natürlich auch für das außerordentliche musikalische Talent der Quartett-Mitglieder, die in vollem Umfang durch eine ansteckende Arbeitschemie verbunden sind!
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