Healed By Metal

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Grave Digger
Label: Napalm Records
Erscheinungsjahr: 2017
Laufzeit: 36:20
Wertung: 2.5/5

Unter allen deutschen Bands, die aus der deutschen Heavy-Metal-Welle an der Schwelle von den Siebzigern zu den Achtzigern hervorgegangen sind, sind Grave Digger wohl das schönste Beispiel für ausgeprägte Kindischheit in den reifen Jahren ihres Schaffens. Die Gesellschaft auf früheren Touren mit jüngeren Power-Metal-Bands, die heute sogar große Popularität erreichen – wie zum Beispiel Sabaton –, hat ihnen offensichtlich keinen großen Gefallen getan, denn offenbar haben sie begonnen, damit zu liebäugeln .

Das Album „Healed By Metal“ ist alles andere als das Album einer Band, die in der Vergangenheit hervorragende Studioarbeiten abgeliefert hat, mit denen sie sich für immer in die Herzen echter Anhänger des teutonischen Heavy Metal aus Deutschland gebrannt hat. Das Album »Healed By Metal« ist Lichtjahre entfernt von den Neunzigern oder von dem, was Grave Digger danach mit Manni Schmidt in der Besetzung aufgenommen haben, einschließlich des gleichnamigen Kultalbums aus dem Jahr 2001. Nur eine Art Selbstparodie.

Die Musik würde sonst leicht durch den Verdauungstrakt gleiten, wenn das Album nicht den Namen Grave Digger trüge. Das Eröffnungsstück Healed By Metal ist ein Song, den für Grave Digger auch die »Aufgeblasenen« Primal Fear hätten schreiben können. Eine Art Poser-Gehabe, das der Band nie gestanden hat – wobei es kaum überrascht, wenn man bedenkt, dass Axel Ritt nach seinem Einstieg 2010 der erste Poser-Gitarrist der Band wurde. Diese Philosophie hat offensichtlich auch auf seinen Chef Boltendahl abgefärbt, der schon einige entsprechende Erfahrungen mitbringt (Projekt Digger, Ende der Achtziger). Boltendahl ist ernsthaft kindisch geworden. Das überrascht umso mehr, als das vorherige Album »Return of the Reaper« wirklich ein hervorragendes Werk ist, mit klarem Fokus und starken Kompositionen. Offenbar hat sich der wahre Kern des musikalischen Auftrags, dem die Band so viele Jahre gefolgt ist, schließlich von der Leine gerissen, ist durchgedreht und für immer in den Bankrott gegangen.

Grave Digger wirken auf dem neuen Album, als würden sie aus alten Songs abschreiben, alte Riffs recyceln und sie erneut auf dem Silbertablett servieren. Und Free Forever? Hör dir mal den Intro an. Als hätten sie das Riff von Saxons Solid Ball Of Rock abgeschrieben. Umso komischer ist dabei die Erkenntnis, dass Saxon 1993 ein Album mit dem Titel „Forever Free“ veröffentlicht haben, auf dem sich auch der gleichnamige Song befindet. Und Call For War? Eine Kopie des Refrains von In the Dark of The Sun, dem Klassiker aus »Tunes of War«.  Beim Song Hangman’s Eye zum Beispiel erinnert der Refrain an den Pre-Chorus von Fanatic Assassins vom Album »Knights of the Cross«. Da ist Kill Ritual, das an den Refrain von Battle For Bannockburn erinnert. Letzterer findet sich ebenfalls auf dem bereits erwähnten Album der Band aus dem fernen Jahr 1998. Okay, die rhythmischen Pattern unter den Riffs sind ein bisschen anders. Aber das reicht nicht – und natürlich ist das keineswegs okay. Und dann gegen Ende des Albums das Herausschreien von Hallelujah im Refrain des gleichnamigen Songs sowie »Ha-ha-ha-ha« in der abschließenden Laughing With the Dead. Wirklich kindisch für eine Band mit Metal-Wurzeln und angesichts der früheren Werke der Gruppe, die mit Düsternis und Okkultismus aufgewartet haben, bedrohlich wirkten und Mystik schufen. Dieses Album wäre eigentlich hervorragend, wenn es das Werk irgendeiner beliebigen Band wäre, die Grave Digger in einem geschmackvollen Scherz parodiert.

Kurz gesagt, dieses Album wurde schnell und routinemäßig gemacht, im Einklang mit den Anforderungen und Verpflichtungen im  Vertrag, den Grave Digger mit Napalm Records haben – und um ein Alibi für eine neue Tour zu haben. Kenner ihres Schaffens werden natürlich weiterhin gerne die klassischen Alben auflegen, wie »Knights of the Cross«, »The Reaper«, »Heart Of Darkness« usw.…  Also die Alben der Gruppe aus den Neunzigern. Und das trotz des ansonsten  hervorragenden solistischen Showcases von Axel Ritt, den er auf dem Album »Healed By Metal« demonstriert, der ungebremsten Speed-Technik von Stefan Arnold an der Doppelbassdrum, den fett-voluminösen Tönen der reißenden Basslinien des legendären Jens Becker sowie natürlich dem charakteristischen Geknurre von Chris Boltendahl. Leider ist diesmal das Selbst-Klonieren und  die daraus folgende ideelle Leere allzu offensichtlich, weshalb das Album für die kreativen Maßstäbe von Grave Digger entschieden zu leichtgewichtig ist. Jungs, Pause bitte. Eine lange Pause!!!!

Grave Digger – Healed By Metal (offizielles Video):

Besetzung

Chris Boltendahl – Gesang, Backing Vocals 
Axel Ritt – Gitarre, Backing Vocals 
Jens Becker – Bassgitarre 
Stefan Arnold – Schlagzeug
Marcus Kneip – Keyboards 

Produktion

Chris Boltendahl

Tracklist

1. Healed By Metal
2. When Night Falls
3. Lawbreaker
4. Forever Free
5. Call For War
6. Ten Commandments Of Metal
7. The Hangman’s Eye
8. Kill Ritual
9. Hallelujah
10. Laughing With The Dead

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