Harvest
Autor: Rok Klemše
Künstler: Naglfar
Label: Century Media
Veröffentlichung: 2007
Beim Namen Naglfar zucken viele nur mit den Schultern. Was zum Henker soll dieser seltsame Name bedeuten!? Ich erkläre also zu Beginn, was er heißt. Naglfar ist ein Name aus der nordischen Mythologie und steht für ein Schiff, das komplett aus den Nägeln Verstorbener gebaut ist. Während Ragnarök wird eine Flut das Schiff vom Land heben und es zusammen mit Hymir und seinem Riesenheer zum letzten Schlachtfeld tragen, Vagrond. Das Schiff bringt die Horden des Bösen in die letzte Schlacht gegen die Götter, bevor sich eine neue Welt aus dem Meer erhebt.
Mit ihrer ersten Platte Vittra hat die Band ziemlich gute Kritiken eingefahren, mit den beiden nächsten, Diabolical und Sheol, ist sie dann aber in übelste Mittelmäßigkeit abgedriftet. Mit Pariah haben sie den Geschmack zum Glück wieder korrigiert, und mit Harvest wird jetzt noch mal ordentlich nachgewürzt!
Die Band hat wieder richtig „Pfeffer“ in die Musik gebracht, und die Songs haben wieder Seele. Harvest ist eine verdammt gute Platte mit genau dem richtigen misanthropischen Gefühl. Alle neun Songs des neuen Albums sind wütender, lärmender, technischer und schneller Black Metal. Der Sound ist nach wie vor ziemlich eigenständig, und die Mischung aus traditionellem Black Metal und der Melodik des schwedischen Death Metal klingt richtig erfrischend. Die Harmonien sind gruselig eisig, und die epischen Melodien verschmelzen großartig mit dem kalten, tiefen und düsteren Gesang von Kristoffer W. Olivius.
Genau das ist die beste Seite dieser Platte – die fantastische Verflechtung von schwarzromantischer Atmosphäre und gnadenloser Brutalität. Gerade die Keyboard-Parts sind es, die ein Gefühl von Weite, Grenzenlosigkeit und endlosen Perspektiven erzeugen. Naglfar sind keine ganz typische Black-Metal-Band, und das hört man genau an den fesselnden Thrash-Riffs, die scharf wie eine Rasierklinge sind.
Das melancholische, aber verdammt heavy Riff in The Way of the Rope erinnert an frühe Naglfar, doch man merkt eine logische Weiterentwicklung. The Mirror of My Soul baut die Atmosphäre behutsam auf bis zu einem zerstörerischen Black-Metal-Refrain, der in einer Spirale der Gewalt Altes und Neues vermischt. Odium Generis Humani ist die pure Verstümmelung, das komplette Gegenteil dazu ist der außergewöhnliche, siebenminütige Titeltrack mit majestätischen Melodien. Der einzige größere Minuspunkt der Platte: Nicht alle Songs sind auf dem gleichen qualitativen Niveau wie die erwähnten Killer-Nummern, aber zum Glück weichen sie vom sehr hochwertigen Gesamtbild nicht allzu sehr ab und verderben den guten Geschmack der Platte nicht. Die Produktion ist hervorragend, jedes einzelne Detail ist gut zu hören, von den Blastbeats bis zum Bass, und die Texte drehen sich um Themen wie Tod und Misanthropie.
Harvest ist eine großartige Platte, und ich sehe keinen Grund, warum ihr nicht auch im nächsten Laden vorbeischauen und einen Nagel oder zwei opfern solltet… Naglfar ist eingelaufen, und die Ernte hat begonnen!
Besetzung
Kristoffer Olivius – Gesang
Andreas Nilsson – Lead- und Rhythmusgitarre
Marcus Norman – Lead- und Rhythmusgitarre
Morgan Lie – Bass
Mattias Grahn – Schlagzeug
Produktion
Naglfar
Tracklist
1. Into the Black
2. Breathe Through Me
3. The Mirrors of My Soul
4. Odium Generis Humani
5. The Darkest Road
6. Way of the Roap
7. Plutonium Reveris
8. Feeding Moloch
9. Harvest