„Hamosfera“ mit einem Liebesgelübde (2013)

0 8

Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Jerneja Jerak

Ort: Ljubljana / Orto bar / Slowenien
Konzertdatum: 13.04.2013
Besucherzahl: 100
Kartenpreis: 8,00€ / 10,00€

Endlich hat Matevž Šalehar, allen bestens bekannt als »Hamo«, mit seinen Tribute 2 Love sein erstes eigenständiges Studioalbum zusammengebracht.  Es entwickelte sich über mehrere Jahre, und das Endprodukt spricht mit seiner künstlerischen Wirkung für sich selbst. Es ist eine Besonderheit im slowenischen Musikraum (in der weltweiten Musikszene entdeckt er dabei keineswegs »warmes Wasser«) – ein grundlegendes Bekenntnis zur Tradition des Blues, wobei sich natürlich alles um Hamos Stimme und Charisma dreht. Die Aufnahme des Auftritts der Band ins Programm des diesjährigen Ortofests schien die ideale Gelegenheit zu sein, da die Besetzung nur wenige Tage vor dem Auftritt das Album »Dve« offiziell beim Musiklabel Celinka veröffentlicht hatte (RockLine-Rezension HIER). Der Samstagabend kam also wie gerufen zum Feiern.

Schon am Tag zuvor platzte das Erdgeschoss des Orto bar aus allen Nähten, denn Siddharta hatten die Location ausverkauft – und kaum anders war es am Tag darauf, als Hamo & Tribute 2 Love rund zwanzig Minuten nach zehn Uhr abends die Bühne betraten. Natürlich vor einem ganz anderen Publikum. Ein Hauch reifer, ein Hauch klüger. Einer nach dem anderen bezogen die Mitglieder von Tribute 2 Love ihre Positionen im Uhrzeigersinn auf der Bühne. Die ersten zwei: Martin Janežič Buco, Riese unter den Schlagwerkern und Drummer, bis dato in Slowenien ein allseits bekannter Name mit dem rätselhaften Snaggletooth-Motiv der Gruppe Motörhead auf dem Shirt, neben ihm auf die Bühne schritt Keyboarder Jani Baš, der von der Statur her gut als Mitglied des Trios »Brüder Vuksanovič« durchgehen würde. Dazu der Neuankömmling im Team, Matej Mršnik, der eine imposante rote ES 335 Gibson-Schönheit im Arm hielt – ein außergewöhnlicher Gitarrist, über den ich mich wirklich freue, dass er seinen Platz in dieser hervorragenden Combo gefunden hat. Dann die beiden unverzichtbaren Uroše des Teams, und als es im Club richtig zu rauschen begann, war klar, dass auch der Hauptdarsteller des Abends die Bühne betreten hatte. Hamo höchstpersönlich. Scotch! Die Band fällt in den ersten Song! Das harte Riff-Geflecht und die noch härtere, ausgleichende Rhythmussektion als Gegengewicht, in Kombination mit der samtenen Wärme der schmeichelnden Hammond-Klänge, verwoben in die Eloquenz bluesiger Sagen, ist das ideale Ambiente, in das sich der kernige, maskuline, rau-kehlige und vor allem leidenschaftliche Gesangsansatz Hamos verbeißt. Und das ist keine Lüge. Es ist schlicht eine Tatsache. Und das Konzert hat noch zusätzlich davon überzeugt. Hamo kann die »slowenische Version« des Soul-Königs Joe Cocker sein.

Ungeachtet der Tatsache, dass es Mršniks erster offizieller Auftritt mit der Band war, bestätigte Matej mit all seiner Erfahrung und dem außerordentlichen Arsenal an reichem Wissen in der Anpassung an verschiedene musikalische Umgebungen (von Bomb bis Laibach und alles dazwischen) sofort, dass er bei Tribute 2 Love seinen wahren Platz gefunden hat. Tribute 2 Love ist nun ein Sextett, das nach wie vor hervorragend eingespielt ist. Steigerung der Atmosphäre von der ersten bis zur letzten Minute. Eine Fertigkeit, die die Jungs mit Bedacht beherrschen. Hamo ist ein außergewöhnlicher Frontman. Sein Charisma und seine Ansteckungskraft sind die giftigen Markenzeichen seiner Persönlichkeit. Der Kerl servierte nicht nur eine äußerst überzeugende, mit emotionaler Ladung durchdrungene Interpretation des Materials vom Album »Dve«, sondern gewann mit seiner Aufrichtigkeit, einer liebenswürdigen, gelegentlich fast leicht naiven Offenherzigkeit und dem ständigen Strom unterhaltsamer Witze in den Pausen zwischen den Songs die Anwesenden im Handumdrehen auf seine Seite. Große Lockerheit, durchgängig positive Grundhaltung, das Gefühl außerordentlicher Hingabe und Fokus, vor allem aber der Glaube an die Musik, die der Mann mit seinen Mitstreitern kreiert, ist der Generator außergewöhnlicher Energie, die an diesem Abend die Räume des Orto bar füllte. In gut anderthalb Stunden war in dieser konzertanten musikalischen Minestrone stets jenes wichtige Gewürz präsent, das wir sonst so oft vermissen. Die Männer genießen ihre Positionen und die Musik, deren Teil sie sind und die sie vertreten. Echter geht es kaum.

Die Reihe der Songs reichte vom genannten Eröffnungssong Scotch über Wish You Well, Days Like These, LJ Woman, Lost My Faith, Lazy Blueser, Superstar, Falling, Country (Still In Love), Gun In Love sowie auch Mojo’s Gone (das ist auf dem Album »Dve« nicht enthalten). Dazu die balladeske Blues-Drama Heart To Play On, bei der Uroš Primužič den Gesang übernimmt und im Vergleich zu Hamo mit seiner ureigenen Gesangsinterpretation kaum weniger zu faszinieren weiß,

Die slowenischsprachigen Songs fehlten. Die gab es im Zugabenteil. Nur Hamo kehrt auf die Bühne zurück und scherzt listig mit dem Publikum, dass nun Rožice dran seien – es war aber die hervorragende, balladenartige Gremo se igrat boga (die neue Single), die sich bis zu diesem Tag besonders bei den Angehörigen des zarten Geschlechts, die mindestens die Hälfte des Publikums ausmachten, richtig festgesetzt hatte, was ein guter Indikator für die Mainstream-Anziehungskraft der Band in der slowenischen Musikszene ist. Dann folgten natürlich die ausschweifenden Rožice (Achtung – es handelt sich nicht um ein Cover des Songs der Band Dan D, sondern um eine Eigenkomposition) – ein typischer Song für die »Massen«. Die Band verabschiedet sich zum Abschluss noch mit der weiteren, bis dato gut aufgenommenen Single Vija vaja ven. Interessant, dass das hervorragende, predigerhafte Do You Believe In Love im Repertoire fehlte. Darauf werden wir wohl bis zu einem Auftritt der Band auf einer größeren Bühne warten müssen, wo auch genug Platz für einen weiblichen Gospel-Chor sein wird.

Ein hervorragender Konzertabend. Hamo & Tribute 2 Love sind eine besondere Geschichte in Slowenien. Sie entdecken keine Weiterentwicklung von Einsteins Relativitätstheorie, beeindrucken aber vollblütig durch Aufrichtigkeit, Authentizität – man könnte sagen Wahrhaftigkeit – in dem, was sie sind und in dem, was sie tun. Klar ist, dass Bluesmusik in ihrer Interpretation äußerst anspruchsvoll ist. Wenn du nicht in der Lage bist, eine vollblütige emotionale Wirkung zu erzeugen, bist du eben gescheitert. Hamo & Tribute 2 Love weichen dieser Gefahr vollständig aus. Schaut man sich die Besetzung an, ist das von vornherein ausgeschlossen – und eine solche hätte sich sicher nicht um Hamo geschart, wenn sie nicht spüren würde, dass Hamo, wenn er zum Übermittler musikalischer Energie wird, ein außergewöhnlicher Energiegenerator ist, ein echter Antriebsmotor, der mit seiner positiven Grundhaltung Herzen füllt, die nach Wärme und Mitgefühl hungern. Nur wenige zünden uns heute das Licht an. Hamo mit seinen Tribute 2 Love kann es eben und schafft es auch.

Bildergalerie

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies