Groundbreaker

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Groundbreaker
Label: Frontiers Records
Erschienen: 2018
Laufzeit: 43:58
Bewertung: 4/5

Keine Frage. Einer der markantesten Sänger, die die Achtziger hervorgebracht haben – und tatsächlich eine Stimme, die mit ihrer Charisma und Ausdruckskraft wesentliche Grundlagen für den AOR-Sound und dessen damalige Popularisierung gelegt hat –, meldet sich auch in diesem Jahr mit einem neuen Album zurück. Nicht mit einem, sondern gleich mit zweien. Das ist Steve Overland, Sänger der legendären britischen AOR-Größen FM, mit denen er dieses Jahr ebenfalls ein neues Studioalbum veröffentlicht hat – aber das ist noch nicht alles. Vor einiger Zeit haben er und der außergewöhnliche schwedische Multi-Instrumentalist, Komponist und Produzent Robert Sall (Work Of Art, W.E.T.) ihre Kräfte vereint. So entstand das Projekt Groundbreaker, das es geschafft hat, noch im selben Jahr ein gleichnamiges Studio-Debüt zu veröffentlichen. Natürlich stehen hinter diesem Projekt auch die Ambitionen – und die blanke Begeisterung – des italienischen Labels Frontiers Records, das somit »schuld« an diesem neuen, aber unglaublich reizvollen »melodisch-rockigen« (Retro-AOR-)Theater ist.

Wer FM, das Projekt Shadowman oder Overlands Solokarriere kennt und außerdem mit der »skandinavischen Schule« des AOR-Revivalismus (Work Of Art, Houston) vertraut ist, weiß genau, was ihn auf dem Album »Groundbreaker« erwartet. Steve ist ein Sänger, der nie auch nur einen Millimeter aus seiner Haut fährt. Er besitzt diese unglaubliche Soul- und Pop-Weichheit, die schon immer als eines der Schlüsselelemente galt, das für die Definition des strengen künstlerischen Wiedererkennungswerts all seiner Alben unverzichtbar war – einschließlich der Studioalben von FM. Das bedeutet, dass Robert Sall, der hauptsächlich für die Komposition zuständig war – wobei weder Overland noch Frontiers’ Mädchen für alles Alessandro Del Vecchio die Hände in den Schoß gelegt haben –, seine potenziellen Ideen für ein neues Work Of Art-Album eben in Groundbreaker investiert hat. Ja. »Groundbreaker« lässt sich am einfachsten als eine Art Work Of Art-Album beschreiben, aber mit dem Gesang von FM.

»Groundbreaker« geht also unglaublich versöhnlich mit der Retro-AOR-Rhetorik um. Die Song-Arrangements kommen also  Work of Art am nächsten, auch dem FM der Achtziger und dem Projekt Shadowman, doch die Gitarren sind nicht so »aufgedreht« wie bei W.E.T., geschweige denn bei Eclipse. »Groundbreaker« ist ein außerordentlich geschickt komponiertes Album. Eigentlich außerordentlich geschickt »abgeschrieben« und neu verpackt. Makellos recycelt. Es erfindet das Rad nicht neu, bringt keine Originalität, steht aber unglaublich glaubwürdig hinter allem, was es bietet. Von brillanter Produktion über ultramelodische Eingängigkeit und verführerische, hochvibrierende Atmosphären, die in eingängigen Refrains gipfeln, bis hin zu geschickt eingesetzten Modulationen und ausgefeilten Middle-Eight-Passagen. Die Synthesizer-Schleier klingen nach den Achtzigern, ihr Dialog mit der Gitarre ist meisterhaft »ausgewogen« und färbt die Songs wirkungsvoll (kontrastreich).  Die Gesangsmelodien sind raffiniert mit mittelhoch intonierten Chören harmonisiert. Alles, was ein echter Retro-AOR-Sound in der heutigen Zeit braucht. Das Album enthält elf Songs, doch es gibt unter ihnen keine nennenswerten Qualitätsschwankungen – sie stehen diesbezüglich gleichwertig nebeneinander. Deine Favoriten wirst du selbst herausfinden.

Wie gesagt. Ein außerordentlich vorbildliches und sympathisches Album mit echtem Retro-AOR-Sound, das aber nur eine enge Nische der Melodic-Rock-Fans erreichen wird – was bedeutet, dass wir, wenn wir heute über dieses Genre sprechen, eigentlich in den »Untergrund« des Rock’n’Roll eintreten. Das Album werden auch die »Überlebenden« der großen Pop-Ästhetik im Rock’n’Roll selbstverständlich unter die Lupe nehmen – also jene, die dem AOR-Pioniergeist von Bands wie Journey, Boston, Foreigner, Asia, Survivor und/oder Night Ranger zugetan sind.

Besetzung

Steve Overland – Gesang
Robert Sall – Gitarre
Nalley Pahlsson – Bass
Herman Furin – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Alessandro Del Vecchio – Keyboards

Produktion

Alessandro Del Vecchio

Trackliste

1.    Over My Shoulder
2.    Will It Make You Love Me
3.    Eighteen ‘Til I Die
4.    Only Time Will Tell
5.    Tonight
6.    Standing Up For Love
7.    Something Worth Fighting For
8.    The Sound Of A Broken Heart
9.    The First Time
10.    The Days Of Our Life
11.    The Way It Goes

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