Grind-Freitag in Šiška! (2018)

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Autor: Rok Klemše
Fotos: Nina Grad

Ort: Kino Šiška, Ljubljana
Konzertdatum: 13.07.2018

Die Festivalsaison läuft auf Hochtouren, und in der Hauptstadt hat bereits die Konzertflaute eingesetzt, die mit wenigen Ausnahmen (zumindest was die extremeren Musikgenres betrifft) bis in den Herbst andauert. Deshalb sind die seltenen Konzerte, die im Sommer stattfinden, umso willkommener. Erst recht, wenn sie auf einen Freitag fallen, und erst recht, wenn das »mexikanische« Hexen-Narko-Kartell Brujeria auf die slowenischen Bühnen zurückkehrt. Letzten Freitag machte ihnen im Untergeschoss des Kino Šiška die heimische Grind-Truppe Glista das Vorprogramm, und beide Bands heizten dem zwar nicht allzu zahlreichen Publikum mit Blast Beats, Gegrunze, Gequietsche, Geschrei, scharfen Riffs und Disco ein.  

Ja, Disco – denn die Ljubljaner Grinder Glista, die gerade ihr erstes Studioalbum Death Machinery vorbereiten und dessen Veröffentlichung für diesen Herbst ankündigen, mixen den klassischen Grind-Sound auch mit Elementen aus Disco und Walzer. Ihr Grind ist sowieso teuflisch abwechslungsreich und voller Überraschungen, ohne dabei auf die obligatorischen Grind-Zutaten wie Blast Beats, Polka-Drums, massive und laute Riffs sowie den vielseitigen Gesang von Matija Majcen zu verzichten, der sowohl ulterfettes Gegrunze als auch hohes Kreischen draufhat. Noch besser sind seine akademisch-humorvollen Ansagen zwischen den Songs, bei denen er klingt wie ein ausgebildeter Wettermoderator beim RTV. Dem Tegli als diplomiertem Slowenisten dürfte dabei das Herz aufgehen. Glista hatten diesmal noch eine Überraschung parat, als sich Violinist Andrej Kopač auf der Bühne dazugesellte (er war schon auf dem Debüt Big Bad Wolf zu Gast), mit dem sie nach eigenen Angaben den Avant-Grind erfunden haben. Das Ganze klang überraschend gut, und ich hoffe, dass die Zusammenarbeit auch auf dem Album ihren Platz findet. Glista ist eine Band, die eine relative Leere in der slowenischen Grind-Szene gefüllt hat, was ich mit großer Freude begrüße.  

»Mexikanische« (in Anführungszeichen, weil die mexikanischen Wurzeln in der Band in Wirklichkeit nur das Vocal-Duo Juan Brijo und Pinche Peach vertreten, während es sich ansonsten eigentlich um ein All-Star-Lineup aus allen Himmelsrichtungen handelt) Grinder Brujeria spielten bei uns diesmal zum dritten Mal – und das war gleichzeitig auch ihr bescheidenster Auftritt hierzulande. Leider versteckten sich diesmal unter den Tüchern und Mützen weder Jeff Walker (Carcass) noch Shane Embury (Napalm Death), und ihr reizendes Maskottchen Pititis hatten sie auch nicht dabei – dafür saß hinter dem Schlagzeug der Schlagzeug-Koloss Nick Barker, und hinter der Gitarristenmaske ließ sich Anton Reisenegger (Lock Up, Criminal, Pentagram Chile) erkennen. Insgesamt erledigten Brujeria ihren Job völlig souverän und laut, auch die obligatorische Publikumsanimation mit amüsanten Ansagen auf Spanisch fehlte nicht, die uns Pinche Peach mit gelegentlichen englischen Übersetzungen etwas näherbrachte – aber vielleicht sind ihre ersten Konzerte hierzulande in noch stärkerem Gedächtnis geblieben. In die Ohren setzten sich aus den Kehlen des Doppel-Vocal-Angriffs jedoch wieder wunderbar Klassiker à la Brujerizmo, Marche de Odio, Anti-Castro, Matando Gueros und Raza odiada, und natürlich fehlte auch die Widmung an Trump nicht, Viva Presidente Trump!, mit der Brujeria ihn genau dorthin schickten, wo er hingehört – in die »pito« (siehe spanische Übersetzung). Brujeria verabschiedeten sich von Ljubljana mit einer obligatorischen, grün eingefärbten Version der Macarena und sorgten damit für eine schöne Mitgabe in den Festivalsommer. Si!

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