Greva

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: DidiWa
Label: Klopotec
Veröffentlichung: 2015
Laufzeit: 64:32
Bewertung: 4.5/5

Die Band DidiWa veröffentlicht ihr Studioerstlingswerk »Greva«. Lang war der Weg bis zu seiner Geburt. Leider verstarb ausgerechnet im Jahr seiner Veröffentlichung der Ideengeber und Gründer der Gruppe, Klemen Koman. Das kreative Autorengespann Klemen Koman und Gitarrist Rok Tomšič erschuf alle Kompositionen des Albums. Dem Tonträger ist es trotz der Tragödie, die die Gruppe durchmachte, mehr als greifbar gelungen, ihr Gitarrenspiel einzufangen – als Abdruck der vielschichtigen musikalischen Wahrnehmung beider Gitarristen, die sich in die einzigartige Musiksprache von DidiWa übersetzt. DidiWa zelebrieren das Leben und die Liebe. Darauf deutet, neben den intim, sinnlich und aufrichtig übermittelten Botschaften der Lyrik, bereits das Cover hin, das aus einem jungen Buchengehölz besteht. Einige der ersten Texte entstanden auf Basis der Gedichte von Koman und Tomšič, danach übernahm Vesna Godler das Zepter, die der Band noch im selben Jahr beitrat. 

Die musikalische Visitenkarte von DidiWa ist, auch wenn eben das Adjektiv der Einzigartigkeit fiel,  eigentlich für den musikaffinen Puls der slowenischen geografischen Lage keine Überraschung mehr. Es ist eine wild gewachsene Geschichte aus 14 Songs, die unter ihr Dach Genreelemente des traditionellen slowenischen Folk-Melos, Jazz und Blues vereinen (Svetilnik, Morje, Godzni blues) – man erkennt auch Ansätze von Alternativrock  mit psychedelisch-retrosonischer Siebziger-Kontur im Song Avgust oder radiokompatiblem, poplastigem Alternativrock im Song Zelena oaza. Die Albumnummern sind meist  in die bekenntnishafte Form der Kabarett-Chanson gekleidet. DidiWa bauen ihr Klangbild auf einem vollkommen organischen Grundton auf, wobei die Gitarrenphrasen bei Bedarf auch mehr Lärm entfalten können, was sich vor allem in den Songs gegen Ende des Albums niederschlägt (Avgust, Zelena oaza).

Wenn wir schon bei der Verbindung verschiedener Genreanknüpfungspunkte sind: Die Zutaten davon sind in den einzelnen Songs unterschiedlich stark ausgeprägt. Natürlich ist das Wichtigste zuallererst, dass sie »miteinander gehen«. Sprich: dass sie im Arrangement kompatibel sind. Und das gelingt DidiWa sehr wirkungsvoll.  Zu nennen sind hier die Songs Dečko (zum ersten Mal schon auf dem Sampler Val10 – imamo dobro glasbo vorgestellt) und das schelmisch-stürmische Ženitvena pesem, die besonders intensiv dem traditionellen slowenischen Melos angenähert sind. Ženitvena pesem könnten zum Beispiel die Brencl Banda auf ihren Konzerten spielen (in ihrer eigenen Musikgeschichte natürlich), während der Song Dečko im Purismus der Anlehnung an das Erbe des slowenischen Volksmelos sowie in Vesna Godlers Interpretation der Verse so überzeugend ist, dass man leicht irrtümlich auf den Gedanken kommen könnte, es handele sich hierbei eigentlich um die Bearbeitung eines der traditionellen slowenischen Volkslieder.

Neben den Besonderheiten des Gitarrenansatzes von Koman und Tomšič, bei denen vor allem in den experimentierfreudigeren Songs die vielschichtige Rezeption von Komans musikalischer Vision spürbar ist und sich daraufhin in die Kompositionen als Ganzes ergießt, verleiht dem Ausdruck der Gruppe auch der mittlere, etwas schüchterne und mystische, mitunter aber auch düstere Gesang von Vesna Godler eine besondere Färbung (die Sängerin kennt ihr vielleicht aus dem weiblichen Alternativrock-Duo All Strings Detached), der jedoch auch leidenschaftlich aufgeheizt, aufbrausend vorwurfsvoll oder verspielt sein kann – etwa in Songs wie Roka bosa, Svetilnik, Ina, Zima. Vesnas Gesang ist durch und durch überzeugend, die geschmeidige  Vermittlung der Botschaften dabei ausgesprochen sinnlich, nachempfunden und leidenschaftlich, in ruhigen Songs aber gleichzeitig auch zerbrechlich, sanft und mystisch.  

Die Band hat sich entschieden, alle vierzehn Songs draufzupacken. Grundsätzlich reichen zehn oder höchstens elf Nummern auf jedem beliebigen Album. Nach diesem Schritt liegt der Verdacht nahe, dass dieses Album sogar das einzige der Gruppe sein könnte – eben wegen der traurigen Tatsache, dass ihr Visionär Klemen Koman nicht mehr dabei ist. Angesichts des Musikstils, den das Album verkörpert, überrascht es auch kaum, dass für die Konzertauftritte nach der Albumveröffentlichung der universelle »Herr Überall« Tilen Stepišnik an Komans Stelle in die Gruppe eingesprungen ist: Die Philosophie des musikalischen Zugangs von DidiWa lässt sich nämlich mit Stepišniks eigener Band Alkimia vergleichen, und Komans Gespür für die Verbindung experimenteller Jazzansätze mit dem musikalischen Wert der Leitmotive ist zu 100% genau auf den Typ Gitarrist zugeschnitten, wie es Stepišnik ist. Natürlich darf man dabei Gitarrist Rok Tomšič keinesfalls vergessen, der auf den Songs des Albums „Greva“ einen gleichwertigen Stempel hinterlassen hat wie Koman. Hoffen wir also, dass dieses wunderschöne Album aus ausgefeilten, künstlerisch klar definierten Songs nicht zugleich das Ende der Band bedeutet und dass seine Veröffentlichung nicht nur als posthume Widmung an ihren Gründer gilt. 

Besetzung

Vesna Godler – Gesang, Hintergrundgesang
Klemen Koman – Gitarre
Rok Tomšič – Gitarre
Gregor Solce – Bassgitarre, Hintergrundgesang
Miran Milič – Schlagzeug

MITWIRKENDE MUSIKER:
Miomira Šegina
Luka Dragovan
Tadej Legat – Bassgitarre auf Song Nr. 6
Ana – Flöte auf Song Nr. 6
Žiga Šercer – Hintergrundgesang
Iztok Zupan – Programmierung auf Song Nr. 14 

Produktion

Iztok Zupan

Tracklist

1. Gozdni blues
2. Nomadka
3. Roka bosa
4. Greva
5. Žabec
6. Dečko
7. Svetilnik
8. Ina
9. Kwijatuška
10. Zima
11. Avgust
12. Ženitvena pesem
13. Zelena oaza
14. Morje 

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