God’s Equation

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Autor: Rok Klemše

Interpret: Pagan's Mind
Label: Diversity Media
Release: 2007

Norwegen ist musikalisch vor allem für Spinner bekannt, die in Corpse Paint durch die norwegischen Fjorde stapfen, einen unbändigen Drang haben, Kreuze um 180 Grad zu drehen, und überhaupt auf Schritt und Tritt den Bock anbeten. Leider bleiben wegen des allgegenwärtigen Black Metal die übrigen Spielarten aus dem hohen Norden Skandinaviens mehr oder weniger – und auch zu Unrecht – unbeachtet. Eine dieser Bands ist die Progressive-Metal-Truppe Pagan’s Mind, die mit ihren ersten drei Alben Infinity Divine (2001), Celestial Entrance (2002) und Enigmatic: Calling (2005) auf sich aufmerksam machte. Die schienen gar nicht zu wissen, wie man danebenhaut, denn alle drei Platten in Folge boten Progressive Metal mit symphonischen Power-Metal-Einschüben und übernatürlichen, ätherischen Atmosphären auf allerhöchstem Qualitätsniveau.

Im November 2007 kam das vierte Studioalbum in Folge, God’s Equation, und schon ein Blick aufs Cover zeigt: Pagan’s Mind bleiben ihren Sci-Fi- und Erleuchtungsthemen treu. Wenn man kurz die Songtitel überfliegt, merkt man schnell, dass es sich um ziemlich hirnlose, klischeehafte Titel handelt, wie Atomic Firelight, Evolution Exceed und Alien Kamikaze. Ja, ihr habt richtig gelesen, Alien Kamikaze. Aber man soll ein Buch ja nicht nach dem Umschlag beurteilen, oder? Leider trifft das diesmal nicht zu: God’s Equation ist eine der größeren Enttäuschungen dieses Jahres. Pagan’s Mind sind nicht gerade für große musikalische Evolution bekannt, die ersten drei Platten unterscheiden sich ja nicht allzu sehr voneinander, aber ihre Leidenschaft für intellektuellen, spirituellen Metal machte die Alben richtig gut hörbar. Auch God’s Equation bringt nicht wirklich etwas Neues, man könnte eher sagen, dass sich Pagan’s Mind schon ziemlich wiederholen, zugleich aber stellenweise versuchen, ziemlich experimentelle Parts in die Musik zu quetschen, die sich größtenteils nicht auszahlen. Auf die Reise durch die Weiten des Alls schickt uns das ruhige akustische Intro The Conception, mit ätherischen Gitarrenlinien und mystischer Atmosphäre, die dann aber vom wuchtigen Titeltrack durchschnitten wird, der zugleich einer der hellsten Momente des Albums und sogar einer der besten Songs ist, die sie je geschrieben haben. Er enthält wirklich alle „Trademark“-Elemente, die Pagan’s Mind so besonders gemacht haben: knallende, groovige Riffs, einen starken, melodiösen Gesang, der in einem phänomenalen Refrain gipfelt, und geheimnisvolle, ambientartige Keyboards. Mit ähnlicher Qualität geht es mit United Alliance weiter, in deren Intro uns druckvolle Drums und typische Keyboard-Melodien erfreuen – und dann, im Gegensatz zu früheren Pagan’s-Mind-Veröffentlichungen, die allein durch ihre durchweg starken Songs glänzten, geht es mit God’s Equation steil bergab. Schon bei Atomic Firelight wirkt es, als würde Pagan’s Mind massiv die Ideen ausgehen, es sieht aus, als würden sie sich selbst recyceln, und am schlimmsten ist, dass sie den wirklich guten Gesang von Nils K. Rue immer wieder unter Schichten seltsamer Effekte begraben. Zu allem Überfluss haben sie mitten ins Album noch ein Cover gepackt, das aus der ansonsten durchweg stimmigen Platte völlig herausragt. David Bowies Hallo Spaceboy ist zwar solide umgesetzt, hätte aber als Bonustrack oder ganz am Ende des Albums besser funktioniert. Evolution Exceed, eine fast schon thrashige Ballerei, hebt die Qualität der Scheibe wieder etwas an, aber leider folgt darauf einer der schwächsten Songs, die Pagan’s Mind je geschrieben haben, das fürchterliche Alien Kamikaze, das den idiotischen Titel voll und ganz einlöst. Leider laufen auch die Minuten bis zum Ende im ähnlichen Stil ab; ich hatte große Hoffnungen in den abschließenden, fast neunminütigen Epos Osiris‘ Triumphant Return, den Farewell mit einer Wiederholung des wunderschönen Eröffnungsmotivs ankündigt. Fast neun Minuten gehen nicht so leicht vorbei, sie ziehen sich regelrecht, der Albumabschluss ist seelenlos und langweilig. Ich glaube, Osiris wird noch eine ganze Weile nicht triumphal zurückkehren.

Nach den ersten drei Alben hätte man Pagan’s Mind problemlos eine glänzende Karriere vorausgesagt, jetzt, nach dem, was sie uns auf God’s Equation präsentiert haben, zweifle ich stark daran. Man kann nur hoffen, dass sich die Norweger aufraffen und uns mit dem fünften Album etwas Hochwertigeres liefern.

Besetzung

Nils K. Rue – Gesang
Jørn Viggo Lofstad – Gitarre
Steinar Krokmo – Bass
Ronny Tegner – Keyboards
Stian Lindaas Kristoffersen – Schlagzeug

Produktion

Pagan’s Mind

Tracklist

1. The Conception 02:03
2. God’s Equation 07:57
3. United Alliance 05:04
4. Atomic Firelight 05:19
5. Hallo Spaceboy 05:30
6. Evolution Exceed 06:08
7. Alien Kamikaze 04:37
8. Painted Skies 06:33
9. Spirit Starcruiser 06:02
10. Farewell 02:10
11. Osiris‘ Triumphant Return 08:45

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