God Is Dead?
Autor: Peter Podbrežnik
Interpret: Black Sabbath
Label: Republic Records
Erscheinungsjahr: 2013
Laufzeit: 8:54
Wertung: 4/5
»God Is Dead?« ist die erste Single aus »13«, dem kommenden neunzehnten Studioalbum der englischen Heavymetal-Urväter Black Sabbath, die wider Erwarten erneut aus ihrem völlig mit Unkraut überwucherten schwarzen Grab auferstanden sind. Gleichzeitig ist es ihr erster Track mit Originalsänger Ozzy Osbourne (den muss man wirklich nicht extra vorstellen) in dieser Besetzung nach dem Konzertalbum »Reunion« (1998), auf dem Ozzy, Gitarrist Tony Iommi, Bassist Geezer Butler und Schlagzeuger Bill Ward die Songs »Psycho Man« und »Selling My Soul« aufnahmen. Die Single ist in digitaler Form als MP3 seit dem 19. April 2013 auf der Amazon-Website erhältlich.
Das Wiederzusammenkommen der klassischen Black Sabbath und die Ankündigung des ersten Studioalbums mit Ozzy seit »Never Say Die!« (1978) hat zahlreiche langjährige Fans begeistert, die die legendäre Band im letzten Jahrzehnt schon mehr oder weniger abgeschrieben hatten. Große Enttäuschung folgte jedoch, potem als bekannt wurde, dass Original-Schlagzeuger Bill Ward wegen Vertragsstreitigkeiten weder auf »13« noch auf der bevorstehenden Konzerttournee dabei sein würde. Als Gastmusiker ersetzte ihn der Amerikaner Brad Wilk (Rage Against the Machine, Audioslave), der seinen Auftrag auf »God Is Dead?« mit brutalem Dreschen hinter dem Schlagzeug überzeugend erfüllt, sodass man Ward nicht allzu sehr vermisst – auch wenn jetzt klar ist, dass es sich um ein Comeback ‚mit Makel‘ handelt.
Die größte Frage nach dem Erscheinen von »God Is Dead?«, dem ersten Lebenszeichen der Doom-Metal-Pioniere, lautet: Sind die ‚Metal-Großväter‘ überhaupt noch in der Lage, neue Musik auch nur annähernd auf dem künstlerischen Niveau zu schaffen, das sie einst als Hauptinnovatoren ihres Genres zu den wichtigsten Heavymetal-Pionieren gemacht hat. Die Antwort, die alle Skeptiker stark überraschen wird – besonders jene, die Ozzy im letzten Jahrzehnt mit seinen korporativen Eskapaden gründlich verärgert und abgeschreckt hat –, lautet ‚Ja‘. Black Sabbath klingen im 21. Jahrhundert dank der Retro-Produktion unter der Regie von Rick Rubin, vor allem aber dank der cleveren kompositorischen und instrumentalen Künste der alten Hasen Iommi und Butler so, als wären sie wieder mitten in den Siebzigern.
Schon der prophetische Titel und das witzige Cover mit der Atomexplosion und dem deutschen Philosophen Friedrich Nietzsche – der einst, bevor sein Geisteszustand, angeblich wegen der Syphilis, stark nachließ, den berühmten Satz ‚Gott ist tot‘ aussprach – lassen ahnen, dass die Meister des ‚Doom‘ und ‚Gloom‘ zu ihren klanglichen Wurzeln zurückgekehrt sind. Die düstere, post-apokalyptische, fast morbide Atmosphäre, die durch Iommis brutales und absolut unverwechselbares Gitarrenriff eingeleitet wird, hält vom Anfang bis zum Ende des Songs an – alles ist in vollkommenes Schwarz getaucht. Ozzys Gesang klingt, wie es sich gehört, paranoid böse, ganz besonders im Refrain »God Is Dead«. Nach dem ziemlich repetitiven, aber atmosphärisch starken Hauptmotiv folgt ein Übergang in eine sarkastisch gefärbte Sektion, in der man auch etwas Gitarren- und Bassgitarren-Improvisation heraushören kann.
Black Sabbath klingen auf dem überaus soliden »God Is Dead?« so, als wären sie gerade aus der Gruft auferstanden, hätten eine Zeitmaschine erfunden und wären damit zurück in die Siebziger gereist, als ihre letzte Ruhestätte noch frisch ausgehoben war. Falls die restlichen Songs auf »13« qualitativ auch nur annähernd an »God Is Dead?« heranreichen, wird das Jahr 2013 im Zeichen der Feierlichkeiten rund um eines der unglaublichsten, unerwartet gelungenen und unterhaltsamsten Comebacks der Musikszene stehen.
Besetzung
Ozzy Osbourne – Gesang
Tony Iommi – Gitarre
Geezer Butler – Bassgitarre
GASTMUSIKER:
Brad Wilk – Schlagzeug
Produktion
Rick Rubin
Trackliste
1. God Is Dead?