Glorified Magnified
Autor: Peter Podbrežnik
Künstler: Manfred Mann's Earth Band
Label: Philips Records
Erschienen: 1972
Laufzeit: 44:53
Bewertung: 4/5
Der südafrikanische Keyboarder Manfred Mann startete Anfang der Siebziger mit seiner neuen Gruppe Earth Band einen neuen Aufschwung seiner langen und erfolgreichen Karriere. Die frühe Besetzung der Manfred Mann’s Earth Band – neben Bandkopf und Keyboard-Virtuosen Mann noch Gitarrist/Sänger Mick Rogers, Bassist Colin Pattenden und Schlagzeuger Chris Slade – mixte am liebsten Elemente aus Jazz, Blues Rock, R’n’B und Funk. Daneben lagen ihnen schon immer mehr oder weniger gelungene Coverversionen anderer Künstler am Herzen.
Auf »Glorified Magnified«, ihrem zweiten Album, das nur ein halbes Jahr nach dem gleichnamigen Debüt erschien, ist bereits ein klarer Evolutionsfortschritt beim Klangexperimentieren zu spüren – vor allem bei Manns wilden solistischen Kapriolen am Mini-Moog und dem Aufbau komplexerer Improvisationspassagen. »Glorified Magnified« war auch ihr erstes Album, auf dem das berühmte Manfred Mann’s Earth Band-Logo auftauchte, das sie im Laufe ihrer Karriere noch mehrfach verwenden sollten.
Diesmal enthielt das Album nur zwei Fremdkompositionen: »Ashes To Ashes« und eine sehr gelungene Version von Bob Dylans Klassiker »It’s All Over Now, Baby Blue«. Letztere ist erwartungsgemäß auch der einzige Track auf »Glorified Magnified« mit echtem Hit-Potenzial – dank der hypnotischen Gitarrenmelodie, übermütigen Keyboard-Passagen, verspielten Handclaps, nostalgischem Gesang und vor allem einem wunderschönen Refrain. Auf ihren frühen Alben war übrigens stets mindestens ein glänzend umgesetztes Dylan-Cover dabei.
Der Opener »Meat« ist ein experimentell gewürzter Hard Rocker, bei dem Herr Mann allerlei verrückte Effekte am Mini-Moog auffährt, während Rogers sich an der Gitarre so einige entspannte Blues-Variationen gönnt. Das rhythmische Gesamtbild ist herrlich lausbübisch und passt prima zum schelmischen Text. Auch »Look Around«, das an rollenden Drum-Fills nicht spart, baut auf einem kernigen Hard-Rock-Gitarrenriff auf, enthält dabei aber auch jede Menge funkige Rhythmusnuancen, während Rogers‘ Gesangsansatz noch eine Spur verschmitzter ausfällt. Seine frechen Gitarrenimprovisationen, angeführt von einem monumentalen Solo, ergänzen sich wunderbar mit Manns rauschenden Orgel-Hintergrundteppich.
»One Way Glass« ist eine zarte Ballade, die von der ätherischen Melodie von Rogers‘ Akustikgitarre und melancholischem Gesang beherrscht wird, während im zweiten Teil Manns für die damalige Zeit innovatives und höchst verschmitztes Solo am Mini-Moog besonders begeistert. Auf »I’m Gonna Have You All« regieren Boogie-Rhythmen und R’n’B-Einflüsse, die Herr Mann noch aus den Sechzigern mitgebracht hat. Im abschließenden Teil überrascht der Keyboard-Maestro mit einem ‚kosmischen‘ Solo am Mini-Moog. »Down Home« ist ein leidenschaftlicher Ausflug in den klavierorientierten Blues Rock, gespickt mit allerlei frechen Gitarren-Capricen.
Das hard-rockig gewürzte »Our Friend George« ist eine Sozialsatire und bietet eine ordentliche Portion klassischen britischen Humors im Text, der von Rogers‘ exzentrisch gefärbtem Gesangsansatz interpretiert wird. Auch diesmal fehlt es im Mittelteil nicht an jazzig getönten Instrumentalvariationen. Es folgen zwei kurze, kaum zwei Minuten lange, konzeptuell miteinander verbundene Stücke. Das erste ist eine reizende akustische Folk-Ballade, ein Cover von »Ashes To The Wind«, während die Fortsetzung, schlicht »Wind« betitelt, von Manns abenteuerlustigen Improvisationen am Mini-Moog dominiert wird. Der instrumental ausgerichtete Titeltrack, auf dem Herr Mann mithilfe psychedelischer Mini-Moog-Effekte unter anderem Affengeräusche simuliert, ist mit Abstand das experimentellste Stück des Albums – mit wilden rhythmischen Schlagzeugimprovisationen, rasenden Gitarrenpassagen und einem spektakulären Ausbrechen in ein kakophonisches Finale.
Das grundsolide »Glorified Magnified« war die nächste Evolutionsstufe in der sich langsam entfaltenden Klangtradition des Manfred Mann’s Earth Band-Kollektivs und verdient sich auch heute noch seinen Platz in der Sammlung jedes Liebhabers von qualitativem Progressive Rock und Hard Rock. Manfred Mann und seine Kumpanen arbeiteten sich bis Ende der Siebziger in kleinen, schrittweisen Etappen voran und bahnten sich ihren Weg in die Elite der besten Rockbands des Jahrzehnts – jedes folgende Album war besser als sein Vorgänger.
Besetzung
Manfred Mann – Orgel, Synthesizer, Hintergrundgesang
Mick Rogers – Gitarre, Gesang
Colin Pattenden – Bassgitarre
Chris Slade – Schlagzeug
Produktion
Manfred Mann, Dave Hadfield und Tom McGuinness
Trackliste
1. Meat
2. Look Around
3. One Way Glass
4. I’m Gonna Have You All
5. Down Home
6. Our Friend George
7. Ashes To The Wind
8. Wind
9. It’s All Over Now, Baby Blue
10. Glorified Magnified