Giuntini Project III
Interpret: Giuntini Project
Label: Frontiers Records
Release: 2006
Bewertung: 3/5
Sieben Jahre nach der überaus faszinierenden Kreation „Giuntini Project II“ meldet sich der italienische Gitarrenzauberer mit seinem dritten Werk „Giuntini Project III“ zurück. Die Besetzung hat er unverändert gelassen – und das ist spannend! Nach sieben Jahren hat das neue Album eine unglaubliche Ähnlichkeit mit seinem Vorgänger behalten. Genauso wie Tony Martin, der auch diesmal seine Vocals beigesteuert hat. Dem Kerl ist in all den Jahren offenbar nicht der kleinste Funke Puste und Kraft ausgegangen. Er singt immer noch grandios, im Vergleich zur „Zwei“ auf exakt demselben Qualitätsniveau – Martin am Mikro ist also auch diesmal ein Volltreffer! Der Einstieg in den dritten Teil ist höllisch, das Tempo brutal scharf und über Gold Digger und Not Connected hinweg kompromisslos unnachgiebig. In diesem Tempo endet das Album dann auch, mit dem glühend heißen Tarot Warrior
Mit dem dritten Teil bestätigt Giuntini seine fest abgesteckte Richtung. Aus grober Perspektive klingt Teil drei, als wäre er einen Tag nach Teil zwei aufgenommen worden. Giuntini macht keinen Hehl aus seiner Verliebtheit in das Hauptmotiv des Black-Sabbath-Klassikers Heaven And Hell und hat deshalb den hochatmosphärischen Ausflug Que Es La Vida geschrieben, den ersten Höhepunkt der Platte – wunderbar kombiniert mit einem langsamen, „groovigen“ Intro, in dem eine fette Basslinie regiert, und Martins melodisch eingelebtem, unverkennbarem Ansatz, gefolgt vom orchestral aufgefüllten Ausbruch der Melancholie in einem perfekt ausgefeilten Refrain. Da gibt’s nichts zu meckern! Martin beweist gerade in diesem Song und in seinen hohen Lagen, wie hervorragend seine Stimme erhalten geblieben ist. Das Drama ist außergewöhnlich, und beim Hören dieses Songs läuft dir im Handumdrehen der Schauer den Rücken runter! Der zweite atmosphärische Höhepunkt mit einem überaus magischen „Riff“ ist Mourning Star, der tatsächlich (einmal mehr) wie ein verlorener Song von Black Sabbath klingt.
Das Album trägt die Qualitäten des Vorgängers weiter! Es ist ein Album ausgefeilter Songs mit hoher Dynamik, dank ausdrucksstarker Schlagkraft und einem effektiven Wogen der Stimmungen quer durch die Platte, denn offenbar funktioniert die Chemie zwischen Martin und Giuntini mehr als perfekt. So verstärken sich die Beiträge der beiden gegenseitig und ergänzen sich funktional in einer stimmigen Steigerung hin zu jener hardrockigen musikalischen Vollendung, die der Hörer verlangt. Als solcher ist auch diesmal das barock-pompöse Instrumental Fool Paradise mit von der Partie, mit einem hervorragenden, hochatmosphärischen Präludium im „Filmsoundtrack“-Stil, das Parallelen zu Spiteful Ghosts von Giunitini „Zwei“ aufweist! Memories in the Sand ist ein weiteres wunderschönes Instrumental, bei dem es sich lohnt, sich Giuntinis Zauberkünsten hinzugeben.
Die Produktion ist lebendig und dramatisch. Dario Mollo beweist, dass er sowohl Martin als auch Giuntini sehr gut kennt und beide bis ins kleinste Detail im Griff hat. Das Album enthält natürlich wieder die größte Annäherung an die späten Black Sabbath der „Tony-Martin-Ära“, allerdings ohne den unverwechselbaren apokalyptischen „Groove“ von Black Sabbath und mit einer viel polierteren und saubereren Produktion mit „weicheren Gitarren und Drums“, die dabei aber das nötige Maß an Lebendigkeit und Drama bewahrt. Mit Giuntinis allgemeinen musikalischen Neigungen und Martins Kaliber am Gesang entschied man sich außerdem, den Black-Sabbath-Klassiker Anno Mundi (vom Album „T.Y.R.“, 1990) zu covern, der vor allem von den bereits erwähnten Produktionsunterschieden zum Original und einem etwas anderen Ansatz an den Keyboards geprägt ist. So bekommen wir eine noch epischere, pompösere Version des Originals, die aber die einzigartige zerstörerische Rohheit der damaligen Black Sabbath keineswegs einfängt! Giuntini regiert in seinen eigenen Gitarrenkapriolen, und trotz aller Parallelen ist sein Spiel durchweg erkennbar. Das verleiht auch „Giuntini Project III“ den nötigen Stempel von Besonderheit und Frische eines Hardrock-Albums, die man angesichts der heutigen Flut an repetitivem Hardrock-Klonen oft vermisst. Das italienische heiße Temperament, natürlich mit dem nötigen Pomp, aber in geschmackvollen Grenzen des Normalen, zeigt: Auch Tony Iommi muss sich vor den Italienern warm anziehen.
Besetzung
Tony Martin – Gesang
Aldo Giuntini – Gitarre
Dario Patti – Keyboards
Fulvio Gaslini – Bass
Ezio Secomandi – Schlagzeug
Gastmusiker:
Fabiano Rizzi – Schlagzeug auf „Memories In The Sand“
Produktion
Dario Mollo
Tracklist
1. Gold Digger
2. Not Connected
3. Que Es La Vida
4. Early Warning
5. Fool Paradise
6. Tutmosis IV – Tarantula
7. Anno Mundi (The Vision)
8. Disfunctional Kid
9. Mourning Star
10. Trouble Just Keeps Coming
11. The Closest Thing To Heaven
12. Memories In The Sand
13. Tarot Warrior
Spielzeit: 58:49