Ghost of Graceland

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Treat
Label: Frontiers Records
Erschienen: 2016
Laufzeit: 51:51
Wertung: 4.5/5

Treat gelten als eine der namhaftesten europäischen Hard-Rock-Bands unserer Zeit. Nach achtzehn Jahren Pause meldeten sich die schwedischen Perfektionisten 2010 mit dem grandiosen Comeback-Album »Coup De Grace« zurück, und als es bereits danach aussah, als würden sie sich ein zweites Mal in einen jahrelangen Zustand erneuter »tiefer Dormance« versenken, bestätigte die Band ihre Absicht, ein neues Studioalbum zu veröffentlichen.

Die Band, die  seit »Coup De Grace« im Grunde in unveränderter Besetzung geblieben ist – lediglich auf der Bassposition stieß Newcomer Pontus Egberg (King Diamond, Lion’s Share) dazu –, behält mit dem neuen Album die musikalische Ausrichtung des Studio-Vorgängers bei.

Angesichts dessen, was heute in der Welt passiert, ist »Ghost Of Graceland« ein Dokument, das gesellschaftliche Kritik nicht verbirgt. Die meiste Niedertracht findet sich natürlich im Munde der größten Moralisten. Deshalb leben wir in einer Welt der Täuschung und Manipulation, in der alles reguliert und kontrolliert sein muss. Wir sind Gefangene unserer eigenen Angst und des Bedürfnisses, dass uns jemand schützt – pardon, überwacht. Ohne dass wir es merken. Im Hintergrund. Alles auf dem Album verweist auf seine gesellschaftskritische Ausrichtung. Vom Titel über das Cover bis hin zu den Texten der meisten Songs. Dem folgt auch die Atmosphäre der Tracks, die düsterer ist als beim überwiegend positiv gestimmten »Coup De Grace«.

Dabei braucht man beim Hören des neuen Albums keine »Relativitätstheorie« zu entwickeln. Treat beweisen auch mit »Ghost of Graceland« ihre kompositorische Klasse und klangliche Finesse – die ganze Feinmechanik des Songwritings zeigt sich in detaillierten Intro- und Outroteilen sowie einer raffinierten Spannungsgradation, die in ansteckenden und sofort einprägsamen Refrains gipfelt, die mit mehrstimmigen Vokalharmonien aufgeladen sind. Es gibt also mehr Melancholie, mehr Düsternis als beim Vorgänger, doch die Tracks erreichen innerhalb der zwar zementiert genrekonformen Vorhersehbarkeit in den Leadmelodien genau das richtige Maß an Lebendigkeit. Von Anfang bis Ende des Albums reißen sie einen mit in eine klar definierte atmosphärische Haltung echten Drama-Theaters, begleitet natürlich vom herbeigeführten Moment der Bombastik. Dieser Drama-Theater-Effekt ist besonders ausgeprägt in der Abfolge der mittleren Album-Tracks, dem »Dreigestirn« Inferno, Alien Erthlings und Nonstop Madness. Die Gitarrenphrasen werden hervorragend von den Keyboards gestützt, auch mit dem satten Hammond-Orgel-Sound – was sofort der einleitende Energiekatalysator des Titeltracks und dahinter I Don’t Miss the Misery bestätigen.  

Treat schmieden auch auf dem neuen Album Refrainmelodien mit einer derart hyper-melodischen Ansteckungskraft, dass die Wahl der Lieblingstracks dieses Albums absolute Sache der persönlichen musikalischen Wahrnehmung ist. Die sechsjährige Pause zwischen dem neuen Album und seinem Vorgänger hat eine Fülle unterschiedlicher Ideen hervorgebracht, die Treat bis ins kleinste Detail geschliffen haben. Der zeitliche Abstand war genau richtig. Auf »Ghost of Graceland« imponiert erneut in vollem Umfang der außergewöhnliche Andreas Wikström, der einige halsbrecherische Gitarrenpassagen und atemraubende Soloabenteuer in den »mid-eight«-Parts feuert. Vokalist Robert Ernlund bewahrt auch in reifen Jahren seine ganze autoritäre Vokalstärke, die in reiner und hochmelodischer »Lauerstellung« durch jede Vokalsequenz zieht – das grundlegende Baumaterial, mit dem die Band auf Anhieb jeden beliebigen Hard-Rock-Fan für sich gewinnt.

Dreizehn erstklassig gewürzte Tracks härtester Hard-Rock-Messe lassen in ihrer Aussage keinen Millimeter locker. Die Band hat sämtliche Energielinien darauf ausgerichtet, aus sich ein Album kompositorischer Perfektion herauszupressen, bei dem im Hard Rock hoher musikalischer Wert und direkte, messerscharfe Rockattitüde permanent und mit voller ästhetischer Kraft Hand in Hand gehen. Besser geht’s eigentlich nicht. Treat beweisen einmal mehr ihre künstlerische Größe, die sie auf einen ganz besonderen Platz der Hard-Rock-Landkarte dieser Welt setzt.

Treat – Ghost of Graceland (offizielles Video):

 

Besetzung

Robert Ernlund – Gesang
Anders Wikström – Gitarre, Hintergrundgesang (Leadgesang auf dem Track „Together Alone“)
Patrick Appelgren – Keyboards, Gitarre, Hintergrundgesang
Pontus Egberg – Bassgitarre
Jamie Borger – Schlagzeug

Produktion

Peter Mansson & Anders Wikström

Trackliste

01. Ghost Of Graceland
02. I Don’t Miss The Misery
03. Better The Devil You Know
04. Do Your Own Stunts
05. Endangered
06. Inferno
07. Alien Earthlings
08. Nonstop Madness
09. Too Late To Die Young
10. House On Fire
11. Together Alone
12. Everything To Everyone

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