Fusk
Künstler: Fusk
Label: WhyPlayJazz
Veröffentlichung: 2011
Laufzeit: 47:32
Bewertung: 2.8/5
Die Modernisierung der Musik hat nicht nur durch neue, auf elektronischem Equipment basierende Genres für Neues gesorgt – entsprechend haben sich auch andere Genres weiterentwickelt, selbst ältere wie zum Beispiel Jazz. Dabei spielte Skandinavien eine bedeutende Rolle, das seit Jahren als treibende Kraft des modernen Jazz gilt. Überhaupt ist Skandinavien natürlich eine immer stärkere Musikmacht, nicht zuletzt dank seines Schulsystems, das Lernen durch das Spielen von Instrumenten fördert.
Fusk ist eine dieser Bands, die Jazz auf moderne, innovative Weise zu erschaffen versuchen – durch neue Formen, dem 21. Jahrhundert angemessen. Es handelt sich um eine deutsch-dänische Besetzung, die neben dem Kopf des Projekts, Schlagzeuger Kasper Tom, auch Rudi Mahall an der Bassklarinette, Philipp Gropper am Saxofon und Andreas Lang am Bass umfasst. Kürzlich haben sie über das Label WhyPlayJazz ihr selbstbetiteltes Debüt „Fusk“ veröffentlicht.
„Fusk“ ist beim ersten Hören vor allem ein schweres Album. Auf den ersten Blick fehlt ihm sowohl der rote Faden als auch die Melodie, und wenn es doch ein Muster findet, versinkt es früher oder später in Free-Jazz-Gedusel, das wohl nur die aufgeschlossensten Jazzfans ertragen können. Hin und wieder, wenn die Band sich einer gefundenen Melodie hingibt, gerät die Musik in eine sehr ansprechende Jazzfusion, in der natürlich Saxofon und Bassklarinette als interessante Elemente herausstechen – solche Momente sind jedoch zu selten und zu zaghaft, als wollte die Musik passiv bleiben, trotz des häufigen Einsatzes von Free-Jazz-Einschüben.
Versteht mich nicht falsch. An Free Jazz ist nichts falsch – im Gegenteil, es gibt fantastische Gruppen, die Free Jazz so präsentieren, dass ihn wirklich jeder annehmen kann. Bei Fusk handelt es sich leider um einen schwachen Versuch von etwas Neuem. Mutig, aber trotzdem schwach. Interessant ist, dass die Teile, in denen die Musiker sich tatsächlich der Melodik hingeben, überragend sind – sowohl wegen der bereits erwähnten Kombination Bassklarinette-Saxofon als auch wohl wegen Kaspers kompositorischer Stärke. Genau deshalb ist es schade, dass Fusk um jeden Preis in die sogenannte moderne, andersartige, alternative Form des Jazz abdriftet, zumal sie dadurch kein befriedigendes Werk hinbekommen – wie so viele andere in diesem Genre – und weil sie in der akustischen Jazzfusion bzw. beim Erschaffen moderner Jazzmelodien so viel stärker sind. Und das sogar auf fantastischem Niveau, wenn sie nur wollen.
Damit ist „Fusk“ zu oft ein Chaos, das weniger schwer zugänglich als vielmehr zufällig zusammengewürfelt wirkt. Die schwachen Teile überwiegen die guten, und wenn letztere doch auftauchen, werden sie von ersteren allzu schnell zunichte gemacht, sodass auch die guten Momente verblassen. Auf hervorragende Musik darf man durchaus hoffen, wenn Fusk sich auf das konzentrieren, was am Debüt funktioniert – oder wenn sie sich strikt an die freie Form des Jazz halten; aber dieses Vermischen von Melodik und Anti-Melodik auf diese Weise ist schlicht uninteressant und ungenießbar. Es stimmt allerdings, dass ich vielleicht gelegentlich zu bestimmten Teilen zurückkehren werde, zu jenen, die tatsächlich zusammenpassen – denn diese gehören zu den besseren akustischen Jazzfusionen in Europa.
Besetzung
Philipp Gropper – Saxofon
Rudi Mahall – Bassklarinette
Andreas Lang – Bass
Kasper Tom Christiansen – Schlagzeug
Produktion
Christian Betz
Trackliste
1. Ein Kopf Kaffe, bitte
2. The Attack of the Überpea
3. Freunde der Guten Musik
4. November
5. Eins Zwei Polizei
6. Kamienna Wola
7. Chief
8. Neun Zehn schlafen gehen
9. Berliner Bratwunder