From Conception: Live 1981

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Autor: Jernej Vene

Künstler: Dokken
Label: Frontiers Records
Erscheinungsjahr: 2007

Immer wieder erleben wir Neuauflagen klassischer Platten von Acts, die den Lauf der Popmusikgeschichte kräftig mitgeprägt haben. Echt erstaunlich, wo die ganzen alten Bänder auftauchen, die dann modern aufbereitet werden – und obendrauf gibt’s noch eine ganze Ladung unveröffentlichter Songs aus der Phase, in der die Truppe eine bestimmte Platte aufgenommen hat. Meistens läuft es so: Die Band nimmt drei- bis viermal so viele Songs auf, wie aufs Album passen, das Label legt dann die Reihenfolge auf der Platte fest, und der Rest wandert für viele Jahre in die Versenkung. Die hier besprochene Scheibe ist, wie eben beschrieben, ein echtes Juwel. Das kalifornische Quartett Dokken hatte zu Beginn der Karriere ziemlich viel Pech, weil das Debüt wegen verfahrenstechnischer Komplikationen daheim nicht erscheinen konnte. Zuerst erschien es in Europa, und erst gut ein Jahr später auch in den USA. Der Mitschnitt des Konzerts auf From conception: Live 1981 blieb der Öffentlichkeit lange verborgen. Durch Zufall wurde er vor ein paar Jahren entdeckt, und der Sound war überraschend gut. Die Idee, diese lebendigen Songs wieder zum Leben zu erwecken, reifte bald heran, und zwar mit Hilfe des italienischen Labels Frontiers, das seit acht Jahren Zufluchtsort für Musiker ist, die irgendwie im AOR, Hard Rock, Hair Metal und ähnlichen Genres unterwegs sind. Dokken gehörten zur ersten Liga der Heavy-Metal-Bands und gaben der britischen New Wave of Heavy Metal erfolgreich Paroli. Neben Ratt, Cinderella, Poison, Motley Crue, Quiet Riot und vielen anderen traten sie ehrlich und anständig auf. Auf From conception: Live 1981 präsentieren sie sich als kompakte, kräftige und knackige Band. Ein Quartett also, nirgends Keyboards, was für schnelle und laute Songs natürlich völlig reicht. Bei den ruhigeren Nummern hätte hier und da vielleicht ein Keyboard-Teppich gepasst, aber sei’s drum: Die Aufnahme ist genau so, wie sie sein muss: lebendig, quirlig, roh und direkt. Auf dieser Platte sind Dokken schon in der berühmtesten Besetzung zusammengeschweißt. Drummer „Wild„ Mick Brown und Bassist Jeff Pilson  mauern unnachgiebig das musikalische Fundament, Gitarrist George Lynch ist ein unübertroffener Rhythmusgitarrist und noch besserer Solist. Schon damals, ganz am Anfang, zeigte er, dass er ein außergewöhnliches Talent ist, und über die Jahre hat er seine Meisterschaft nur noch weiter ausgebaut. Anfang der Achtziger war natürlich Eddie Van Halen der große Gitarrenstar, den ein Meer von Gitarristen nachahmte. George Lynch beherrscht zwar auch die meisten seiner Kniffe, webt sie aber geschickt in sein Spiel ein. Unglaublich schnell ist er auch ohne Tapping, und da die Gitarre in dieser Besetzung ohnehin die Hauptrolle bei der Melodie übernimmt, sind alle wichtigen Melodien klar ausgearbeitet und an den richtigen Stellen platziert. Ganz ohne Solo-Nummer geht es natürlich auch hier nicht: Lynch präsentiert sich in einem fast dreiminütigen Solo und zeigt dir ein reiches Arsenal, das er in Fingern und Kopf bereithält. Sänger Don Dokken hatte damals verständlicherweise volle Lungen und einen beneidenswerten Stimmumfang, und mit tierischen Schreien veredelte er ganz nach metallischer Gesangsfolklore so manchen Song. Die Homogenität des Quartetts fühlt man in jedem Song, sowohl bei den bekannteren (Paris Is Burning, In The Middle und Breaking The Chains) als auch bei den dreien, die hier überhaupt erstmals veröffentlicht werden. Die Interaktion mit dem Publikum ist hervorragend, der Hörer spürt mühelos die völlige Hingabe der Band an die Musik und ans Publikum. Dem aufmerksamen Hörer entgehen zwar kleine Patzer nicht, etwa die Backing Vocals bei Hit and Run, aber das ist eher eine Würze als ein Grund zur Kritik. Genau hier merkt man auch den Umgang mit dieser Live-Perle, in die sich moderne Technik unter Anleitung von Produzenten und Remixern nicht einmischen durfte. Und das ist gut so. Dokken haben sich jahrelang für den Erfolg abgerackert (und zwar nicht mit Steaks, sondern mit trockenen Sandwiches). Wenn man den Vergleich zu irgendeiner modernen Band zieht, die wegen ihres Looks und nicht wegen ihres Inhalts Erfolg hat, lässt uns das garantiert nicht kalt. Ihr Verantwortlichen, redet euch nicht auf andere, neue Zeiten, neue Technologien und das allumfassende Netz heraus. Respekt steht über allem!

 

 

 

Besetzung

Don Dokken – Gesang
George Lynch – Gitarre
Jeff Pilson – Bass
Mick Brown – Schlagzeug

Tracklist

1. Paris Is Burning (4:48)
2. Goin‘ Down (3:42)
3. In The Middle (4:53)
4. Young Girls (3:55)
5. Hit And Run (3:51)
6. Night Rider (8:15)
7. Guitar Solo (2:58)
8. Live To Rock (5:05)
9. Breakin‘ The Chains (6:24)
10. You’re A Liar (4:46)

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