Floe Essi/Ektah
Izvajalec: Magma
Založba: Seventh Records
Izid: 1998
Ocena: 4.4/5
Magma hatte in den Neunzigern schon mal mit Live-Auftritten ein Comeback gefeiert, trotzdem deutete nichts darauf hin, dass sie noch mal was Neues veröffentlichen würden. Und genau als die Fans dachten, mit Magma sei Schluss, waren sie plötzlich wieder da. Und zwar mit einer Single, ihrer ersten und bisher einzigen! Nach dem Album Merci von 1981 hatte die Band ziemlich lange pausiert. Klar, die Gruppe Offering sprang als Ersatz ein, aber das war nicht dasselbe. Magma ist etwas Besonderes. Schon wenn Christian Vander unter dem Namen Magma schreibt, wirkt es, als würde er ein völlig anderer Mensch.
Magmas Besetzung hat sich seit den Siebzigern und frühen Achtzigern drastisch verändert. Wirklich stabil war sie aber sowieso nie. Christian Vander hat sich schon immer gern die besten Jazzmusiker Frankreichs um sich geschart. Nur Christian und seine Frau Stella sind die Konstanten in einer Formation, die schon so viele Wechsel erlebt hat, dass ich sie gar nicht alle aufzählen kann. Alle anderen sind bei Magma Neulinge, auch wenn sie im Musikgeschäft alles andere als Neulinge sind. Das beweisen allein schon ihr Spiel und ihre Professionalität.
Den ersten Song hat der neue Bassist Philippe Bussonnet geschrieben. Das Ding ist vielleicht jazziger angelegt, als es Magma-Fans gewohnt sind, aber alle typischen Elemente sind zweifellos da. Der Track hat ein paar wunderschöne opernhafte Gesangsparts von Bertrand Cardiet und den Sängerinnen, die einen an die goldene Phase der Band Mitte der Siebziger erinnern. Der zweite Song stammt aus der Feder von Christian Vander. Man merkt, dass er mehr Erfahrung hat als Bussonnet und genau weiß, welche Musik zu so einer Besetzung passt. Die Melodien sind wieder magisch, und gegen Ende hört man sogar ein paar Passagen, die später auf Kohntarkosz Anteria verwendet wurden. Hier zeigt Vander auch, dass sich seine Stimme über die Jahre verbessert hat, obwohl er leidenschaftlicher Raucher ist. Er setzt keine kreischenden Techniken mehr ein wie früher, sondern man hört nur noch einen außergewöhnlichen Sänger, der wunderschöne Melodien singt. In Sachen Opernstil kann er es locker mit Bertrand Cartier aufnehmen.
Die Musik des Albums ist unglaublich ausgefeilt umgesetzt. Beide Songs sind Kompositionen fast ohne jede Improvisation, was bei dieser Band überhaupt nicht ungewöhnlich ist, obwohl sie im Kern eine Jazzformation war. Jeder Musiker glänzt auf seinem Gebiet, am meisten sticht aber der Chef persönlich heraus, Christian Vander, mit seinem dynamischen, vielseitigen Jazz-Drumming und seiner hervorragenden Stimme.
Diese EP halte ich für ziemlich wichtig, denn es ist seit 1981 die einzige Studioaufnahme von Magma, die neue Kompositionen enthält. Vander hat nämlich noch so viel altes Zeug im Kopf, dass er gar keine Zeit hat, an was Neues zu denken. Im Studio aufgenommen wurden bis heute noch nicht Emehnteht Re, Zess, Theusz Hamtaahk und noch einiges mehr. Floe Essi/Ektah zeigt Magma in einem etwas anderen Licht – mit mehr Jazz-Schlagseite als zuvor. Wahrscheinlich würde ihre Musik heute ähnlich klingen, wenn sie sich entschieden hätten, sich nur aufs Schreiben neuer Songs zu konzentrieren. Eine tolle Aufnahme für alle Magma-Fanatiker!
Besetzung
James MacGaw – Gitarre
Emanuel Borghi – Fender-Rhodes-Piano
Stella Vander – Gesang
Isabelle Feuillebois – Gesang
Bertrand Cardiet – Gesang (Floe Essi)
Philippe Bussonnet – Bass
Christian Vander – Schlagzeug, Gesang (Ektah), Keyboards
Produktion
Francis Linon
Trackliste
1. Floe Essi („La fille de la mer“) 2:58
2. Ektah („Le Heros“) 5:52
Albumlänge: 8:50