Festival Glasbe sveta 2012!
Wir erwachen. Wir suchen eine Welt ohne Konserven, ohne Instantkaffee und Pulversuppen, ohne Tomaten, die in Supermärkten reifen, und eine Welt ohne Supermärkte. Wir suchen echte, authentische Dinge mit Tradition, mit echter Lebensenergie, Dinge, die keine Geschmacksverstärker brauchen und von denen es keine tausend Duplikate gibt. Wir suchen echte Beziehungen, Kontakte ohne Bildschirme und ohne Tastaturen. Wir suchen das Herz.
Das Erwachen beschreibt am besten der Titel eines Beitrags, der kürzlich in einer der slowenischen Tageszeitungen erschienen ist: Es ist populär, slowenisches Gemüse zu sein. Die Slowenen, und nicht nur wir, lernen die Umgebung, aus der wir stammen, wieder neu kennen. Wir beginnen wieder, die Erfahrungen unserer Vorfahren zu hegen und zu schätzen. Aus ihren Empfindungen, die Teil des kulturellen Erbes sind, lernen wir neu, zu lieben und tolerant zu sein. Wir beginnen wieder zu erkennen, dass wir schon immer gleich empfunden haben und schon immer gleich emotional waren. Wir beginnen zu begreifen, dass wir doch nicht nur eine Ansammlung von Einzelpersonen sind, bei der jeder nur seinem eigenen Ziel nachjagt, sondern vor allem soziale Wesen, die stets notwendigerweise Teil einer Gemeinschaft sind, die wir immer mitgestalten und die stets auch von der Umgebung (mit)geformt wird.
Die Splitter dieser authentischen Welt, die wir jetzt wieder suchen und entdecken, finden wir also bereits in der Vergangenheit. Damals boten Marktfrauen schon reife Tomaten und anderes Suppengemüse an. Kräuterhändler bereiteten bereits ausgezeichnete Tees und wundersame Heilgetränke ohne Konservierungsstoffe und Emulgatoren zu. Imker mussten sich keine Sorgen machen, dass ganze Bienenvölker wegen Pestiziden sterben würden, und Fleischesser nicht, dass sie bereits mehrfach gefrorenes und aufgetautes Rind- oder Schweinefleisch bekämen.
Neben der Ernährung war auch die Kultur ein einzigartiger Teil jeder Gemeinschaft. In kleinen Gebieten, die für heutige Verhältnisse nur wenig voneinander entfernt sind, entwickelten sich im Laufe der Zeit und unter dem Einfluss der Umgebung verschiedene Lebensweisen und damit auch verschiedene Bräuche, Gewohnheiten und Ausdrucksformen. Eines der wichtigsten oder sogar entscheidenden Elemente für den Ausdruck der Lebensweise in einer Gemeinschaft war die Musik.
Diese Musik nennen wir heute world music, auf Deutsch könnte man sagen, das ist Volks- oder Ethnomusik. Diese Musik hat Tradition und ist gleichzeitig voller Leben – namenlose Musikanten haben sie nämlich nicht nur von Generation zu Generation weitergegeben, sondern sie stets aktualisiert und mit Elementen der Musik aus allen Ecken Sloweniens und aus der nahen oder fernen Welt bereichert. Es ist eine Musik, die keine modernen Elemente braucht, um noch schmackhaft zu sein, und eine Musik, die die Grundlage aller heutigen Duplikate bildet. In ihr sind ursprüngliche Empfindungen und echte, authentische Beziehungen zwischen Menschen sowie zwischen Menschen und ihrer Wohnumgebung verewigt.
Wenn wir heute also Herz und Herzlichkeit suchen, werden wir sie gewiss in der slowenischen Volksmusik und anderen Musiken der Welt finden. Wir finden sie auch in den Boutique-Produkten lokaler Hersteller. Und diesen Sommer werden wir sie gleich viermal beim Festival Glasbe sveta 2012 bei der Burg Kromberk in der Nähe von Nova Gorica finden.
Das Festival Glasbe sveta 2012, das vom Goriški muzej in Zusammenarbeit mit KUD Morgan und Odprto kodo d.o.o. organisiert wird, präsentiert jeden Dienstag im August authentische Klänge und Aromen. Neben etablierten slowenischen und ausländischen Ethno-, Volks-,, Jazz- und World-Music-Künstlern werden auf der Tržnici goriških dobrot auch lokale Winzer, Käser, Kräuterhändler, Imker sowie andere Landwirte und Meister verschiedener heimischer Handwerke ihre Herzlichkeit und Authentizität präsentieren und verkaufen.
Alles beginnt am Dienstag, dem 7. August, wenn die slowenische Tamburica-Gruppe Šukar das Festival eröffnen wird. Bei einem emotionsgeladenen Auftritt werden sie Romamusik aus Ost- und Südosteuropa spielen.
Am Dienstag, dem 14. August, erwartet uns ein Leckerbissen istrischer und Tolminer Musik. Auftreten werden die Gruppe Vruja und das Vokalquintett Tminski madrigalisti.
Am 21. August wird uns die kroatische Musikvirtuosin Tamara Obrovac begeistern, die gemeinsam mit einer Gruppe etablierter Jazzmusiker des Transhistria Ensamblea eine einzigartige Mischung mediterraner, istrischer und ernster Musik präsentieren wird.
Den letzten Dienstagabend, am 28. August, werden uns die drei Musketiere der slowenischen Volksmusik und auch der Eigenkomposition auf die Beine bringen, das Trio Dovč,Gombač in Krmac, das natürlich aus Janez Dovč, Boštjan Gombač und Goran Krmac besteht. (Mehr über die Künstler kannst du weiter unten lesen.)
Dienstag, 7. 8. 2012 – Šukar
Šukar ist eine fünfköpfige slowenische Tamburica-Gruppe, die seit 22 Jahren Romamusik spielt, hauptsächlich aus Ost- und Südosteuropa.
Sie sind die erste slowenische Band, die die einheimische Öffentlichkeit mit Romamusik bekannt gemacht hat, und die den Roma-Melos auch über die slowenischen Grenzen hinausgetragen hat, am weitesten bis nach Japan.
Das Spielen von Romamusik ist für die Šukars eine Freude, eine Leidenschaft und eine Art, die tiefsten Gefühle auszudrücken. Ihre Melodien berühren jeden.
Besetzung: Štefan Švagelj – Kontrabass; Peter Lozar – Tamburica-Cello; Matevž Lavrinc –Brač; Nenad Ljubotina – Gesang, Bisernica, Brač, Violine; Igor Misdaris – Gesang, Bugarija
Mehr über die Gruppe Šukar kannst du auf www.sukar.org lesen
Dienstag, 14. 8. 2012 – Vruja, Tminski madrigalisti
Die Musikgruppe Vruja verbreitet istrische Musik seit dem Jahr 2001. Der Name der Gruppe hat dialektalen Ursprung und bedeutet Quelle oder Quellbach.
So wie die istrische Halbinsel multikulturell und ethnisch vielfältig ist, so ist auch die Zusammensetzung der Bandmitglieder. Deshalb spielen sie die Musik ganz Istriens und vermitteln dabei den frischen, heiteren und fröhlichen Geist der istrischen Menschen.
Aufgrund verschiedener, auch tragischer Ereignisse haben sich die Bandmitglieder ständig gewechselt, doch die Liebe und Hingabe an die istrische Musik, die sie überhaupt erst zusammengebracht hat, treibt sie noch heute “vorwärts”.
Besetzung: Marino Kranjac – Gesang, Violine, Dude,Mandola, Sopele, Gitarre; Alenka Kranjac – Gesang, Waschbrett, Trommel; Peter Kaligarič – Akkordeon; Gabrijel Križman – Gesang, Gitarre, Mandola; Gorast Radojevič – Bajs; Rok Kleva Ivančič – Violine
Mehr über Vruja kannst du auf www.vruja.net lesen
Tminski Madrigalisti sind ein Vokalquintett aus Tolmin. Im Tolminer Dialekt singen sie Geschichten voller ewiger Werte wie Liebe, Ehrlichkeit, Bescheidenheit, Freundschaft und Aufrichtigkeit.
Das Repertoire der Gruppe basiert auf einigen Volksliedern, doch die Tminski Madrigalisti sind in erster Linie volksnah aufgrund ihrer ausgeprägten Unmittelbarkeit, die der heutigen Welt fehlt.
Dienstag, 21. 8. 2012 – Tamara Obrovac
Die Sängerin, Flötistin, Komponistin und Texterin Tamara Obrovac ist eine der bekanntesten und vielseitigsten Künstlerinnen der kroatischen Musikszene.
Durch die Mischung mediterraner und istrischer Musik mit Jazz-Improvisation, ernster Musik und Texten im istrischen Dialekt ist es ihr gelungen, einen einzigartigen musikalischen Ausdruck zu schaffen, über den sich auch europäische Kritiker und das Publikum begeistern.
Tamara wird von außergewöhnlichen internationalen Musikern ihres Transhistria Ensemblea begleitet, die ihre Kompositionen meisterhaft und leichtfüßig darbieten und damit selbst den starrsten und kältesten Zuhörer erweichen.
Besetzung: Tamara Obrovac – Gesang , Flöte; Uroš Rakovec – Gitarre, Mandoline; Žiga Golob – Kontrabass; Krunoslav Levačić – Schlagzeug; Simone Zanchini – Akkordeon
Mehr über Tamara Obrovac und ihre Begleitband kannst du auf www.tamaraobrovac.com lesen
Dienstag, 28. 8. 2012 – Dovč&Gombač&Krmac
Das Trio Dovč,Gombač in Krmac besteht aus Spitzenmusikern, die wir als Solisten und Mitglieder slowenischer Bands wie Katalena, Jararaja, Terrafolk, Sounds of Slovenia, Kaja Draksler Acropolis Quartet usw. kennen.
Der Akkordeonist, Komponist und Physiker Janez Dovč widmete sich der Musik vollständig im Jahr 2004, als er einer der angesehensten slowenischen Bands, Terrafolk, beitrat. Er entwickelte sich zu einem außergewöhnlichen Bühnen- und Studiomusiker, dessen Kompositionen und Arrangements vor allem in der Gruppe Jararaja erklangen, die er gründete und der er noch heute treu geblieben ist.
Boštjan Gombač ist ein bekannter slowenischer Multiinstrumentalist und Komponist von Musik für Theater, Film und Fernsehen, doch auch die Bühnenbretter sind ihm nicht fremd. Er ist ein Meister der Blasinstrumente wie Klarinette, Zinnpfeifen und Okarinas, spielt singende Säge, Bodhran und Theremin sowie noch eine ganze Reihe anderer ungewöhnlicher Instrumente und Klangobjekte, die man auf Konzertbühnen nur selten antrifft.
Goran Krmac ist ein Tubist, der Musiker und Zuhörer in ganz Europa und der Welt begeistert. Sein Instrument erklingt dort, wo wir normalerweise eine Bassgitarre oder einen Kontrabass hören. Den Gruppen, in denen er mitspielt, gibt er einen besonderen Stempel und behält dabei gleichzeitig die Rolle des Bassisten: das Fundament, auf dem die Musik steht, wächst und tanzt. In den Projekten, an denen er beteiligt ist, übernimmt er immer häufiger die entscheidende Rolle des Komponisten und Arrangeurs.
Die Musiker spielen bekannte und weniger bekannte Volks- und Eigenkompositionen, ihre ohnehin schon begeisternde Virtuosität und Schelmerei würzen sie noch zusätzlich mit dem Spielen interessanter, ungewöhnlicher Instrumente.
Besetzung: Janez Dovč – Akkordeon, Gesang, Elektronik; Boštjan Gombač – Klarinette, Pfeifen, Gesang, singende Säge, Klangobjekte; Goran Krmac – Tuba