Fates Warning : Night On Bröcken
Label: Metal Blade Records
Veröffentlichung: 09.09.1984
Produktion: Fates Warning
Albumlänge: 42.26 min
Genre: US Speed Metal / Heavy Metal / Progressive Metal
Gerade als es so aussah, als hätten Iron Maiden in der ersten Hälfte der Achtziger im Heavy Metal Maßstäbe gesetzt, die so schnell keiner übertreffen würde, schlugen Bands wie Queensrÿche und Fates Warning ein und zeigten, dass man noch viel, viel weiter kommen kann als nur bis Iron Maiden. Die amerikanischen Sonderlinge Fats Warning haben die Sache so verkompliziert, dass sie noch schneller, aggressiver und lebendiger klangen als ihre hochgelobten Vorbilder. Kurz gesagt: dreckig! Die Produktion von Fates Warning hat, anders als der auf Hochglanz polierte Iron-Maiden-Sound, genau diesen rebellischen, garagigen und lebendigen Klang bewahrt. Nur den Gitarrensound haben sie „repariert“ und so das Rauschen minimiert.
Die Band hat ein außergewöhnliches Gespür für Dramatik (z. B. der Ausklang des Titelsongs). Die Songs sind abwechslungsreich und komplex aufgebaut („Misfit“, Shadowfax“, „Soldier Boy“). Das Power-Riffing-Geschrammel kommt mit erstklassigen Terzharmonien daher (aber typisch amerikanisch), die Übergänge sind zusätzlich gitarristisch verziert, die Rhythmusfraktion schneidet, als gäbe es was zu gewinnen. Die Drums legen ein paar wirklich technisch fiese Übergänge hin. Ständige Rhythmuswechsel sind dauernd present. Der Bass ist gleichberechtigt (für die Achtziger-Produktion stilgerecht) und folgt stimmig den Drums. Der Sound ist voll! Der Gesang ist kraftvoll, energisch und mit voller Hingabe. Ihn zeichnen erstklassige Schreie aus, dazu eine fantastische Anpassung an die Songstrukturen und wechselnde Stimmfarben, was für ordentlich Atmosphäre sorgt. „Damnation“ ist ein grandioser Song voller Epik, der die Richtung der weiteren stilistischen Entwicklung der Band hin zu progressiven Metal-Strömungen andeutet (wie dieser Schwenk erstmals am deutlichsten auf dem Album „Awaken The Guardian“ zu hören ist).
Durch dieses Feuerwerk roher Aggression im reinsten Old-School-Speed-U.S.-Metal spürt man die totale Begeisterung einer Band, die schon mit ihrem Auftauchen auf der Metal-Bühne und ihrem einzigartigen Ansatz auf dem Debüt gezeigt hat, dass es in der Metal-Welt noch unentdeckte und unberührte musikalische Dimensionen gibt. Und das war erst die Geburt.
Autor: Aleš Podbrežnik
Wertung: 7.5 / 10
Tracklist:
1. Buried Alive (4:39)
2. The Calling (5:03)
3. Kiss Of Death (4:39)
4. Night On Bröcken (5:30)
5. S.E.K. (1:20)
6. Misfit (5:06)
7. Shadowfax (3:16)
8. Damnation (6:26)
9. Soldier Boy (6:25)
Bonustracks auf der Neuauflage des Albums von 2002
10. Last Call
11. The Calling
12. Kiss Of Death
13. Flight Of Icarus
Besetzung:
John Arch – Gesang
Jim Matheos – Gitarre
Victor Arduini – Gitarre
Joe DiBiase – Bass
Steve Zimmerman – Schlagzeug