Extreme in Bayern (1992)

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Autor: Jernej Vene
Fotos: Jernej Vene

Ort: München/Deutschland
Konzertdatum: 01.12.1992
Besucherzahl: 2000

Erinnert sich eigentlich noch jemand an das Bostoner Funk-Metal- Quartett Extreme? Bei ihrem neuen Album Three Sides To Every Story, das richtig starkes Zeug ist, hätte man vielleicht mehr Leute erwartet, denn die Halle war nicht ausverkauft. Punkt acht Uhr legten die Briten Thunder los. Das ist ein Hardrock-Quintett, das sich in der Rockszene immer mehr durchsetzt. Sie spielten uns Songs von ihren beiden Alben Backstreet Symphony und Laughing On Judgement Day. Am interessantesten waren Backstreet Symphony, Everybody Wants Her, Flawed To Perfection und natürlich ihr größter Hit, die Ballade Low Life In High Places. Ein druckvoller Auftritt und reiner Gitarren-Hardrock, getragen von einem mächtigen Bass und lauten Drums – das waren ihre größten Trümpfe.

Eine halbe Stunde später legten Extreme mit dem ersten Song vom neuen Album Three Sides To Every Story los. Der Song heißt Warheads. Sie boten uns energiegeladenen, manchmal aggressiven Heavy Metal, dessen Fundament lupenreiner Funk aus seinen besten Zeiten ist. Danach ging es quer durch das vorige Album Pornograffitti, und sie spielten When I’m President, Suzi Wants Her All Day What, He Man Woman Hater und noch ein paar andere. Obwohl sie nur zu viert sind, ist ihr Auftritt voll mit guter Musik. Drummer Paul Geary und Bassist Pat Badger legen sich mit so viel Energie ins Zeug, dass die Leute den beiden mehrmals einfach nur staunend zusahen. Über die beiden anderen Langhaarigen in der Band lassen sich gar nicht genug lobende Worte finden. Sänger Gary Cherone hat genau die richtige Stimme für die Musik, die Extreme machen. Das Publikum hat er souverän im Griff, und es ist klar, dass es ihm treu folgt. Der größte Meister ist aber Gitarrist, Pianist und Sänger Nuno Bettencourt. Nach allem, was er gezeigt hat, können wir ihn ohne Weiteres unter die fünf besten modernen Rockgitarristen der Welt einreihen. Er servierte uns blitzschnelle, ultraschallartige Solo-Einlagen. Wer sich ein bisschen besser mit der Gitarre auskennt, dem lief es eiskalt den Rücken runter. Vielen war schleierhaft, wie er es bei all den Tricks auch noch schafft, mit der Hand auf das Becken des Drummers zu hauen. Das ist nichts anderes als Verschmelzung mit der eigenen Musik, und da ist diese Hingabe natürlich überhaupt kein Wunder. Bei Hole Hearted, das sie kurzerhand mit elektrischen Instrumenten im astreinen Funk-Metal-Gewand spielten, bekamen sie noch Unterstützung von vier Bläsern. Wir hörten außerdem Rest In Peace, Peacemaker Die, Stop The World (so heißt auch ihre Tour), Seven Sundays und das obligatorische More Than Words, bei dem die Mädels herzzerreißend heulten. Zum Schluss noch ihr bekanntes Get The Funk Out, und nach zweieinhalb Stunden war das Konzert vorbei. Für mich war das mit Sicherheit eines der besten Konzerte der letzten Jahre. Wenn Extreme auf Platte schon druckvoll, aggressiv und frisch klingen, dann musst du das live mindestens mit drei multiplizieren, um dir ein echtes Bild von dem zu machen, was in der Halle abging. Solche Bands gibt es leider nicht mehr…

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