Extinct

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Moonspell
Label: Napalm Records
Erscheinungsjahr: 2015
Laufzeit: 45:37
Bewertung: 4/5

Die portugiesischen Meister des gotischen Düstertums Moonspell melden sich mit ihrem 11. Studioalbum »Extinct« zurück. Drei Jahre nach dem ambitionierten Vorgänger »Alpha Noir«, den man am besten in der Packung mit dem Bonusalbum »Omega White« kaufte, setzt das Paket aus 10 neuen Songs den Transitionsweg fort, mit dem Moonspell seit einigen Jahren schamlos liebäugeln. Sie galten stets als Band, die sich nie gescheut hat, neue klangliche und stilistische Dimensionen auszuprobieren und in ihren musikalischen Körper einzubauen. Dabei haben Moonspell bis heute ihr einzigartiges Markenzeichen im musikalischen Ausdruck stets gepflegt und verfeinert. Ihre Musik bzw. ihr musikalisches Gesamtwerk  nimmt in der Metal-Szene einen besonderen Platz ein.

»Extinct« ist wieder voll von mitreißender, ultra-melodischer, sofort ansteckender Dynamik, die vom ersten bis zum letzten Moment des Albums packt. Oberflächlich betrachtet ist das Album »Extinct« eine Art Kombination aus »Alpha Noir« und »Omega White«. Die Band hat die Arrangements in Kompositionen verfeinert, die voll von mitreißenden, melodisch perfekten Leitmotiven sind, vollgepackt mit orchestralen Elementen, so sehr, dass heute nur noch Ribeiros brutalisierter Gesang gelegentlich an die längst vergangene Black-Metal-Geschichte erinnert, den man jedoch kaum noch dem Growling zurechnen kann. Der brutale Gesang ist bei Moonspell  natürlich auch heute noch vorhanden, was  sofort der Opener Breathe und danach der Titeltrack verdeutlichen, doch immer stärker tritt Ribeiros klarer, mitteltief bis tief männlich intonierter Gesang in den Vordergrund, der uns gelegentlich an Peter Steele (Type O Negative) erinnert. Das gilt der Reihe nach für Domina, The Last Of Us und Malignia sowie für das spätere The Future Is Dark, ein Song, der bei Fans der Band mit Sicherheit die Rolle eines der Konzertfavoriten übernehmen wird.  Als Komposition hat er nämlich  alle Voraussetzungen dafür, ein Hit-Single zu werden. Alles mit ausgefeilten Refrainmelodien – welche die Albumfavoriten werden, müsst ihr selbst entscheiden.   Funeral Bloom hat eine ganz besonders  markante gotische Energie und liebäugelt eigentlich mit dem Post-Punk der Achtziger, als Bands wie Sisters of Mercy oder Mission wirkten. In diesem Song werden brutaler und klarer Gesang bewusst kontrastreich kombiniert. Der atmosphärische Effekt bzw. das Ergebnis der Kreation hochgradig vibrierender Stimmungszustände ist hypnotisch mitreißend. Der Track Medusalem handelt mit arabischer Melodik und liefert noch eine weitere Abweichung des Albums.

Die Arbeit beider Gitarren ist wieder voller subtiler Brillanz. Die Soli sind haargenau auf die optimale Platzierung von Noten und Tönen ausgefeilt. In den mittleren Instrumentalteilen sind sie an genau den richtigen Stellen platziert, weshalb sie in der Steigerung der Atmosphäre außerordentlich wirkungsvoll agieren und diese mit Leitmotiven zusätzlich stärken. Schon allein diese Tatsache bestätigt die große Erfahrung der Band, die der Form des Komponierens mit federnder Leichtigkeit begegnet.

Das neue Album klingt im Vergleich zum Vorgänger etwas »heller«, obwohl es überzeugend von Melancholie und Düsternis durchdrungen ist. Es klingt auch »weicher«, eben wegen der Vorherrschaft der ruhigen, aber atmosphärisch perfekt dosierten Momente des Albums, wo Ribeiros markanter, leidenschaftlich empfindender, ausgesprochen tiefer Gesang die dominierende Rolle übernimmt. Diese Momente überwiegen auf dem Album.  Es gibt jedoch kein Experimentieren mit Elektronik, was Moonspell auf dem Album »Omega White« sehr erfolgreich eingesetzt hatten. Das Album der weiteren  düsteren Aufweichung der Klangbilder enthüllt keine stilistische Revolution. Moonspell haben also ein Album geliefert, das ihren Fans wie auf den Leib geschneidert ist. Ein neues, außerordentlich schönes und vollendetes Werk in der reichen Diskografie der Band, bei dem die Gruppe jedoch mehr Wert auf ausgefeiltes Arrangieren legt, das auf dem Album den Vorrang vor den extremen Formen des Metal einnimmt. 

Besetzung

Fernando Ribeiro – Gesang
Ricardo Amorim – Gitarre
Pedro Paixão – Keyboards, Gitarre
Aires Pereira – Bassgitarre
Miguel Gaspar – Schlagzeug

Produktion

Jens Bogren

Trackliste

1. Breathe (Until We Are No More)
2. Medusalem
3. Funeral Bloom
4. Domina
5. La Baphomette
6. The Last of Us
7. A Dying Breed
8. Malignia
9. Extinct
10. The Future Is Dark
11. La Baphomette

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