„Exodus attack“ mit Gary Holt! (2010)
Autor: Rok Klemše
Ort: Cvetličarna, Ljubljana
Datum des Interviews: 16.12.2010
Exodus, Institution des Thrash Metal und eine Band, die mit ihrem Debüt, dem 1985 erschienenen Bonded By Blood, die Grundlagen des Thrash Metal legte. Nach der Veröffentlichung des Debüts verließ der legendäre Vokalist, der charismatische Mr. Thrash, Paul Baloff, die Band – er kehrte jedoch 1997 für das Live-Album Another Lesson in Violence zu Exodus zurück. In der Zwischenzeit übernahm ein weiterer legendärer Name den Vokalistenposten: Steve „Zetro“ Souza, der zwischen ’87 und ’97 vier Platten (und ein Live-Album) mit Exodus veröffentlichte und nach dem tragischen und viel zu frühen Tod von Baloff (Paul Baloff verstarb 2002 im Alter von 41 Jahren an den Folgen eines Schlaganfalls) 2004 noch Tempo of the Damned, eine Platte, die definierte, wie Thrash Metal im neuen Jahrtausend klingen muss. Heute bekleidet Rob Dukes den Frontmann-Posten bei Exodus, mit dem an der Spitze die Band kürzlich eine neue Platte herausbrachte: Exhibit B: The Human Condition. Durchgehend, von der Gründung der Band im Jahr 1980 bis zur ersten und zur aktuellen Platte, ist der legendäre Gitarrist Gary Holt das zentrale Gesicht von Exodus. Das Bühnenmonster zählt heute zu den zentralen Namen der Thrash-Metal-Bewegung, und mit dem Schöpfer und Pfeiler des Exodus-Sounds hatten wir die Gelegenheit, vor dem Auftritt beim Thrashfest 2001 zu sprechen.
RockLine/Rock Hard: Willkommen zurück in Slowenien – diesmal schon zum dritten oder vierten Mal, wenn ich mich nicht irre. Wie läuft die Tournee mit Kreator und Death Angel bisher?
Gary Holt: Wahnsinn! Das ist unsere erste gemeinsame Tournee mit Death Angel, obwohl wir seit den frühen Achtzigern gute Freunde sind. Gleichzeitig ist es bereits unsere dritte Tournee mit Kreator in anderthalb Jahren. Wahnsinnig viel Spaß – und wenn man zwei Bay-Area-Bands in einen Raum steckt, bricht die Hölle los. Jede Nacht dieselbe Geschichte: „Heute trink ich noch, dann ist Schluss“ – und natürlich passiert nichts davon. Ich selbst hab gestern früh aufgehört und bin zum Bus schlafen gegangen, während im Backstage schon alles auseinanderfiel. Nüchtern war ich dabei natürlich nicht (lacht). Aber was bleibt einem bei so einer Kälte auch anderes übrig als Wintersocken und Jägermaister?
RL/RH: Wenn wir für den Anfang in die Geschichte zurückgehen: Wie erinnerst du dich heute an die frühe Thrash-Metal-Bewegung, deren wichtiger Teil ihr wart?
Gary Holt: Es war irre, das waren schöne Zeiten. Die Clubszene war unglaublich – nicht nur für Thrash Metal, sondern für Metal generell. In der Bay Area gab es damals so viele Clubs, dass du die ganze Woche jeden Tag in einen anderen hättest gehen können, ohne denselben zweimal zu besuchen. Sieben Clubs in sieben Tagen, und in jedem konnte man eine andere Band sehen. Aus dieser Szene ist viel Gutes gekommen.
RL/RH: Erinnerst du dich an das erste Exodus-Konzert? Wenn ich mich nicht irre, war das noch bevor Paul Baloff zur Band kam.
Gary Holt: Ja, genau. Damals hat Tom (Hunting, der aktuelle Exodus-Schlagzeuger, Anm. d. Red.) gesungen und getrommelt. Das war im Monterra Bay Community Center zu Silvester – an das Jahr erinnere ich mich nicht mehr. Das waren Zeiten, wo wir uns eine Halle mieteten, zehn Fässer Bier heranschafften und selbst Tickets für unsere eigenen Konzerte verkauften, noch bevor wir in Clubs gespielt haben.
RL/RH: Wie siehst du das heutige Thrash-„Revival“? Die heutige Szene scheint fast so stark zu sein wie in den Achtzigern.
Gary Holt: Nein, nein – so wie in den Achtzigern wird es nie wieder sein, damals war das alles neu und frisch. Aber ich finde, die heutige Szene ist unglaublich, es gibt viele gute junge Bands. 2003 haben mich die Leute gefragt, was ich vom Thrash-Revival halte, aber ich hab immer gesagt, ich meld mich, wenn ich es tatsächlich sehe. 2003 gab es das mit Sicherheit noch nicht. Wir selbst haben hart daran gearbeitet, es zurückzubringen, bald haben sich viele andere Bands angeschlossen, und heute hilft sicher auch, dass viele Veteranen die besten Platten ihrer Karriere herausgebracht haben. Keiner von denen ist hier nur als irgendeine Achtzigerband, die mittelmäßigen Kram abliefert – die machen richtig gute Platten. Schau dir Death Angel, Overkill, Heathen, Testament, Megadeth, Slayer an – sogar Metallica hat sich in die richtige Richtung bewegt.
RL/RH: Ich hoffe, sie bewegen sich noch ein bisschen mehr in diese Richtung (lacht)…
Gary Holt: Ja, nur Rick Rubin dürfen sie nicht für die Produktion engagieren. Er ist ein Genie, aber nicht das Richtige für Metallica.
RL/RH: Wo wir gerade von Produktion sprechen – ihr arbeitet seit einigen Jahren mit Andy Sneap zusammen. Würdest du sagen, dass er in gewissem Maße mitverantwortlich für den „Trademark“-Exodus-„Crunch“-Sound ist?
Gary Holt: Stimmt, wir arbeiten seit 1997 mit ihm zusammen, seit dem Live-Album Another Lesson in Violence. Er hat sicher seinen Anteil daran, aber mir sagen oft Leute – auch von anderen Labels –, dass Andys beste Produktionen genau die mit Exodus sind. Das liegt daran, dass wir wissen, wie wir unseren Sound rauskriegen. Andy weiß, welchen Sound wir haben, er weiß, welchen Sound wir brauchen, ich weiß, welchen Sound wir brauchen, und gemeinsam erreichen wir das gewünschte Ergebnis ganz locker. Wenn wir ins Studio gehen, ist der Ton meiner Gitarre schon fertig eingestellt, und wir können in gut einer Stunde aufnehmen, statt vier Tage lang am Sound rumzudoktorn. Als Produzent, Mixer und Motivator ist Andy der Beste – und er ist auch einer meiner besten Freunde. Deswegen ist die Arbeit gar keine Arbeit: wir verarschen uns ständig gegenseitig, und er ist wie das sechste Mitglied dieser Band.
RL/RH: Letzten Sommer wurde viel über die „Big 4″-Konzerte geredet. Was ist deine Meinung dazu? Meine ist nämlich, dass zumindest Exodus Teil der großen Vier des Thrash Metal sein müssten.
Gary Holt: Big 4 basiert auf der Anzahl verkaufter Alben, und diese vier (Metallica, Megadeth, Slayer, Anthrax, Anm. d. Red.) haben sicher am meisten verkauft. Daher kommt auch der Begriff – das waren die größten Thrash-Bands der Bewegung. Ich selbst belaste meine Gedanken nicht mit diesem Scheiß. Ich mach, was ich mach, kann meine Alben neben die von jedem stellen, und auf der Bühne versuche ich jedes Mal aufs Neue, allen den Rang abzulaufen. Damit beschäftige ich mich – nicht damit, aus irgendwelchen Big-4-, Big-5- oder Big-10-Listen ausgeschlossen zu sein.
RL/RH: Seit der Rückkehr auf die Bühne beim Thrash of the Titans Festival 2001 lässt eure Kraft nicht nach. Es scheint sogar, als hätte Exodus mit der Rückkehr eine neue Aggressivität gefunden. Jedes neue Album ist heavier und aggressiver als das vorherige. Würdest du sagen, dass das großteils durch Robs Gesang bedingt ist?
Gary Holt: Ja, das ist sicher eine Kombination aus dem Gesang und der Tatsache, dass ich alt, verbittert und wütend bin (lacht). Außerdem will ich nicht, dass irgendjemand sagt, das Tempo der Band lasse nach und wir seien nicht so aggressiv wie irgendeine andere Band. Und was die Musik betrifft – ich hab keinen Funken Humor mehr übrig (lacht). Sie ist düster, trostlos und unangenehm (lacht). Wir machen eben weiter, wie wir selbst es wollen – und die nächste Platte klingt vielleicht wie Air Supply.
RL/RH: Als ihr Bonded By Blood aufgenommen und veröffentlicht habt – wart ihr euch damals bewusst, dass ihr eine der einflussreichsten Platten im Metal aufgenommen hattet?
Gary Holt: Nein, ich hatte keine Ahnung. Ich wusste, dass das Album ein Killer ist – wir waren nur Kinder, die die Musik gespielt haben, die sie wollten. Heute, Jahre später, wenn wir diese Songs live spielen, ist es immer noch wie das Abwerfen von Bomben. Und das ist verdammt cool!
RL/RH: Wie erinnerst du dich an die Zeit, als der einzigartige Paul Baloff der Frontmann der Band war?
Gary Holt: Verdammt schön! Paul war Herz und Seele der Band. Wir haben uns von ihm getrennt, aber 1997, bevor er starb, haben wir diesen Fehler korrigiert. Damit meine ich nicht, dass Steve Souza ein Fehler war, aber Pauls Leben war damals, als wir ihn rausgeschmissen haben, einfach nicht geordnet genug. Obwohl – als ich mich um seinen Tod herum selbst betrachtete und mein eigenes Leben, wurde mir klar, dass ich selbst zehnmal schlimmer war.
RL/RH: Das nächste Studioalbum wolltet ihr auch zusammen mit Paul aufnehmen?
Gary Holt: Ja, aber bevor das hätte passieren können, musste ich selbst clean werden. Paul starb, die restlichen 4/5 der Band waren ständig zugedröhnt, und ich selbst brauchte noch fast ein ganzes Jahr nach Pauls Tod für die Reha. Paul starb am 2. Februar 2002, und im Dezember 2002 wurde ich clean. Leider brauchte es Pauls Tod, damit ich zur Vernunft kam. Wenn man ständig zugedröhnt ist, redet man davon, Alben aufzunehmen, aber man schreibt praktisch nichts, weil die ganze Kreativität zerstört ist. Als ich dann clean war, war das Schreiben von Riffs plötzlich wieder kinderleicht. Das Einfachste, das ich kenne, ist Riffs schreiben – ich könnte dir jetzt gerade einen schreiben, und das wäre wahrscheinlich leichter, als wenn ich mir Schuhe anziehen würde. Und das, weil ich es gerne mache. Die liebste Sache der Welt für mich ist Riffs schreiben.
RL/RH: Was hast du gemacht, als Exodus zwischen 92 und 97 – wenn ich mich nicht irre – pausiert hat?
Gary Holt: Wir haben uns eigentlich 1994 getrennt und sind 1997 mit Paul zurückgekehrt. Alle erwähnen immer Thrash of the Titans, für das wir uns angeblich wieder zusammengetan haben. Wir haben uns eigentlich nie aufgelöst – wir waren nur zu kaputt von allem, um überhaupt spielen zu können. Wir haben uns nie aufgelöst, wir haben einfach nichts gemacht. („We never broke up, we just weren’t doing shit.“) Tom Hunting aus dem Hintergrund: „We were doing shit, just not music“ (lacht). In der Zeit, in der wir nichts gemacht haben, war ich zu Hause und hab mich um mein Kind gekümmert. Ich war Vater – das war mir wichtiger als die Band.
RL/RH: Als Rick (Hunolt, ehemaliger Gitarrist der Band, Anm. d. Red.) die Band verließ, zerbrach das berühmte „H-team“. War es schwer, seinen echten Nachfolger zu finden – einen für dich passenden Gitarrenpartner?
Gary Holt: Ich hab niemanden gesucht – ich hab einfach Lee angerufen (Altus, aktueller Gitarrist von Exodus, auch Gitarrist von Heathen, Anm. d. Red.)
RL/RH: Lee war also deine erste Wahl?
Gary Holt: Er war meine einzige Wahl. Wenn er nicht hätte mitmachen wollen, hätte ich keine andere Wahl gehabt.
RL/RH: Wären Exodus eine Band mit nur einem Gitarristen geworden, wenn Lee dein Angebot nicht angenommen hätte?
Gary Holt: Mit der Zeit hätte ich wahrscheinlich jemanden gefunden, aber ich hätte nicht gewusst wen. Ich hätte wohl Auditions veranstalten müssen – aber bei Lee wusste ich, dass er perfekt für die Band ist. Ich kannte ihn schon vor Rick, ich kannte ihn, als noch Kirk (Hammet, Anm. d. Red.) in der Band war. Er ist ein ausgezeichneter Musiker, ein toller Freund und hat „Old-School“-Glaubwürdigkeit. Es ist viel besser, jemanden in der Band zu haben, der denselben Hintergrund hat, als einen Typen reinzuholen, der in zehn Death-Metal-Bands gespielt hat.
RL/RH: Als ihr euch entschieden habt, Bonded By Blood neu aufzunehmen, gab es von Seiten der Fans viele Bedenken wegen der Zerstörung von Pauls Erbe. Hattest du vielleicht selbst Angst vor einer negativen Reaktion der Fans?
Gary Holt: Nein, überhaupt nicht. Verdammt nochmal – das Album hat sich, in Anbetracht der Tatsache, dass es eine Neuaufnahme ist, sogar sehr gut verkauft. Vielen Leuten gefällt es, vielen nicht. Denen gefällt die Idee nicht – nicht das Album als solches. Bonded By Blood wird nie zu ersetzen sein, und das war auch nicht unsere Absicht. Wir wollten das Album nur auffrischen und ihm eine „Hommage“ machen. Ursprünglich wollte ich selbst gar nicht auf dem Album spielen – ich hatte neun verschiedene Bands im Sinn, die jeweils einen der neun Songs des Albums spielen. Leider hat sich das wegen neun verschiedener Labels, neun Manager und so weiter als unmöglich herausgestellt. Das hab ich denen noch nie gesagt, aber diese Typen hier (zeigt auf den Sänger von Death Angel, Mark Osegueda, Anm. d. Red.) hatte ich für Metal Command vorgesehen. Dann wollte ich nur neun verschiedene Sänger auf dem Album, aber wieder waren die verschiedenen Labels das Hindernis. Vor allem, weil wir alles selbst gemacht haben, ohne Label.
RL/RH: Let There Be Blood habt ihr im Grunde über dein eigenes Label veröffentlicht?
Gary Holt: Ja, so ungefähr, in Partnerschaft mit meinem früheren Manager. Wie ich schon sagte – wir wollten mit dieser Platte das Rad nicht neu erfinden, sondern ihr neue Kraft durch eine moderne Produktion geben.
RL/RH: Trotz der modernen Produktion klingen die Songs selbst immer noch unglaublich frisch.
Gary Holt: Genau das war auch der Sinn! Nämlich zu beweisen, dass die Songs nicht gealtert sind, sondern heute noch Killer sind. Diese Songs bedeuten mir ungeheuer viel – sie sind wie meine anderen neun Kinder. Jeder dieser Songs ist perfekt, und ich würde keinen davon drastisch ändern oder neu schreiben.
RL/RH: Es ging ausschließlich um die Produktion, da dem Original Kraft und Klarheit fehlten?
Gary Holt: Natürlich – aber damals haben alle so aufgenommen. Die Aufnahmen von allen klangen wie Mist (lacht).
RL/RH: Ok, ich wollte dich schon immer fragen: Wie seid ihr auf Bonded By Banjo gekommen (Country-Bearbeitung des Klassikers Bonded By Blood, versteckter Bonus auf dem Album Exhibit A: The Atrocity Exhibition, Anm. d. Red.)?
Gary Holt: So haben wir ihn schon immer gesungen – du änderst nur die Art des Gesangs, und schon klingt er wie ein bäuerlicher „Hillbilly“-Song. Tom und ich haben immer gewitzelt, dass wir ein Video drehen würden, wie wir auf der Veranda sitzen und Stroh kauen… für eine DVD davon, wie wir das live aufführen – aber leider hat das nicht geklappt.
RL/RH: Irgendwie im Stil von Deliverance (lacht)?
Gary Holt: Ja, genau wie Deliverance (lacht). Wir haben den Song aufgenommen, bei dem alle singen und Jack Banjo und Mundharmonika spielt. Das Lustige ist, dass ich die sauberste und dümmlichste – aber sonst identische – Version des Solos aufgenommen habe wie auf dem Album, die sich in ihrem Country-Stil aber perfekt in den Song einfügt. Es ist genau dasselbe Solo, nur absolut unterirdisch gespielt und mit einem perfekten Country-Ton (lacht).
RL/RH: Wenn wir uns dem neuen Album zuwenden – wann und warum habt ihr euch entschieden, dass die Alben in zwei Teilen erscheinen?
Gary Holt: Als wir für die erste Platte zu viele Songs aufgenommen hatten, die alle ausgezeichnet waren. Die ursprüngliche Idee war, ein Doppelalbum herauszubringen – die erste CD wäre Exhibit A gewesen, die zweite Exhibit B –, aber das hat sich finanziell nicht gerechnet. Ich hab dann gesagt, dass wir es eben in zwei Teilen veröffentlichen.
RL/RH: Schon eine Weile – seit der Veröffentlichung von Tempo of the Damned – seid ihr bei Nuclear Blast, das zur echten Familie für Thrash-Bands wird. Da seid ihr, Death Angel, Testament, Kreator, ….
Gary Holt: Ja, weil sie Fans sind und Musik verstehen. Es sind meine Freunde, die ich mag, und sie sind nicht nur irgendwelche Label-Vertreter. Jedes Mal, wenn wir uns sehen, saufen wir uns bis auf die Knochen voll (lacht).
RL/RH: Wo wir gerade dabei sind – ist es schwer, mit einem Kater auf die Bühne zu gehen?
Gary Holt: Ich hab eine seltene Fähigkeit, die die meisten auf dieser Tournee nicht haben: Ich weiß, wann es Zeit ist aufzuhören (lacht). Ich trink mich voll, aber ich hab so eine unsichtbare Grenze, nach der ich schlafen gehe. Ich bin immer der Erste im Bett im Bus. Der Schlaf erfrischt mich, und ich mag es nicht, den ganzen Tag zu schlafen – das zerstört meinen biologischen Rhythmus. Lee zum Beispiel schläft gerade noch (es war etwa sechs Uhr abends, Anm. d. Red.) – er hat bis sechs Uhr morgens getrunken (lacht).
RL/RH: Die neue Platte ist wirklich düster, heavy und unheilvoll – mit entsprechenden Texten; Class Dismissed zum Beispiel handelt von Schulschießereien in den USA. Hattet ihr vielleicht Angst vor der Reaktion des puritanischen Amerika, da der Song die Geschichte aus der Perspektive der Täter erzählt?
Gary Holt: Nein, ich lass mich von den Meinungen anderer nicht belasten. Es gab ein paar Leute, die sich gefragt haben, ob ich Schulschießereien befürworte. Macht ihr Witze? Ich hab selbst zwei Kinder in der Schule! In diesem Song geht es eher um die Frage, was einen Geist dazu bringt, so etwas zu tun.
RL/RH: Ähnliches habt ihr auf dem vorherigen Album mit Children of a Worthless God gemacht.
Gary Holt: Ja, nur dass wir in diesem Song durch die Augen blutrünstiger Amerikaner sprechen. Dieser Song hat uns noch mehr Ärger eingebracht (lacht). Ich hab ihn nicht geschrieben, aber ich steh dahinter. Es ist kein anti-muslimischer Song – nein, es ist ein anti-extremistischer Song, gegen den extremistischen Islam. Niemanden stört es, wenn wir das Christentum kritisieren, aber wenn wir den Islam kritisieren, wird schon zum Krieg geblasen. Kommt schon! In der Exodus-Welt ist alles erlaubt!
RL/RH: Hammer and Life hingegen handelt von positiveren Dingen – er ist Paul Baloff gewidmet.
Gary Holt: So, wie der Song es beschreibt, hat Paul bis zu seinem letzten Moment gelebt. Er war kein Typ, der rumgemeckert hat – er war ein Hammer, und „hammer and life“ war sein Motto.
RL/RH: Zum Abschluss die klischeehafte Frage: Was erwartet Exodus in der nahen Zukunft?
Gary Holt: Demnächst spielen wir beim 70000 Tons of Metal Festival mit unseren Freunden Death Angel, Testament und Forbidden. Schon mit zwei Bay-Area-Bands auf dieser Tournee ist es wahnsinnig – was wird erst mit vieren sein (lacht). Im Frühling gönne ich mir zum ersten Mal seit 2003 eine längere Pause, auf die ich mich schon riesig freue. In den letzten Jahren haben wir ein Album nach dem anderen veröffentlicht, und ich bin schon ein bisschen ausgebrannt. Aber ich denke, ich werde diese Pause nutzen, um neues Material zu schreiben, und den Rest der Zeit mit meiner Freundin und den Kindern verbringen. Im Sommer warten ein paar Festivals auf uns, die für mich aber eher Urlaub sein werden.
Fotos: Aleš Podbrežnik
Das Interview entstand in Zusammenarbeit von Rock Hard Slovenija und Rockline.
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