Existential
Autor: Aleš Podbrežnik
Interpret: NoAir
Label: Eigenveröffentlichung
Erscheinungsjahr: 2014
Bewertung: 3/5
Noair sind eine junge slowenische Indie-Rock-Band aus Koper, die auf dem Erbe des Alternative Rock aufbaut, musikalisch jedoch weich und wohlklingend sind, schnell ins Ohr gehen und einen gewissen entfernten Pop-Charakter tragen. Dreht man den Bandnamen ein wenig auf den Kopf, fällt es nicht schwer, das Wort »noir« daraus abzuleiten. Noair sind beim Aufbau von Stimmungswelten nämlich tatsächlich dunkel, sie sind Düsterlinge – kaum ein Lichtschimmer fällt auf ihren musikalischen Ausdruck.
»Existential« ist das Studio-Debüt des Quartetts. Die Band entwickelt darauf eine klassische Klangkulisse, ohne den Zusatz besonders patentierter Klangkosmetik und Effekte, ohne Programmierung, ohne Sampling – all das, womit der moderne Indie Rock vollgepackt ist. Die authentische und organische Lebendigkeit des Werks bleibt erhalten. Gelegentlich schleicht sich ein Vorhang aus Keyboards in die Arrangements, um die Stimmungen zu konterkarieren und zu vertiefen.
Die acht Songs sind – mit Ausnahme des letzten Again, bei dem sich die Band etwas mehr klangliches Experimentieren gegönnt hat und der tatsächlich der interessanteste Track des Albums ist – nach einem ziemlich ähnlichen Schlüssel arrangiert und gespielt. Die musikalischen Lösungen klingen melancholisch, verträumt, mitunter auch trippig, und der bereits erwähnte dunkle Schleier haftet den Songs an. In den Arrangements drängen sich die Vocals in die vorderste Front. Es gibt zwei Leadsänger, die gemeinsam ein duales Stimmgeflecht durch die Songs spinnen. Sie übernehmen bei Weitem die prominenteste Rolle – die zentrale Position –, und überdecken damit den Einsatz der übrigen Instrumente. Was insofern gut ist, als Noair im instrumentalen Bereich nicht gerade ideenverschwenderisch agieren, sondern vorsichtig auf akkordischen Motivlösungen beharren, die sie lieber rational mehrfach wiederholen, als die Motive mit zusätzlichen Momenten kompatibler »Zierlinien« in den Gitarrenmelodien zu füllen. Die Basslinien finden in diesem Raum genug Ausdrucksraum, um ihn teilweise zu füllen und so die ansonsten vorhersehbare Entwicklung der Songs zu konterkarieren. Wenn das derselbe Jaša Hedžet ist, der früher bei Toxine gespielt hat, wundert einen kaum, woher in den Songs der schöne Beitrag an Dynamik durch die Basslinien kommt.
Die Vocals stehen im Vordergrund! Die Songs sind damit fast überladen. Manchmal kann es auch nervig wirken, wenn sie Vokalmelodielinien ziehen, die sich sogar in die Middle-Eight-Passagen einschleichen – diese sind normalerweise dafür reserviert, dass sich dort eines der Instrumente entfaltet. Das Ineinandergreifen der beiden Lead-Vocals gerät gelegentlich sogar in dissonantes Gestümper. In Zukunft wäre es nicht verkehrt, mehr Aufmerksamkeit auf die Auswahl der Vocals zu legen, was das Format des jeweiligen Songs und die Kompatibilität der einen mit der anderen Stimme betrifft. Manchmal wäre es besser, wenn die beiden die Songs völlig getrennt singen würden, anstatt sich vollständig gleichwertig zu verflechten.
Obwohl das Album »Existential« schön, ansprechend und engagiert gespielt ist und obwohl der Band es gelingt, ihren musikalischen Ausdruck darauf eigenständig genug zu vermitteln, liefert es gleichzeitig zu wenig ideelle und arrangementbezogene Abwechslung – daher das Gefühl ausdrucksmäßiger Steifheit. Ebenso ist in bestimmten Momenten des Albums eine gewisse arrangementkompositorische Naivität zu spüren. Angesichts der Tatsache, dass es sich um ein Studio-Debüt handelt, wird die Band – sollte sie beharrlich weitermachen – dieses zweifellos mit zunehmender Reife weiterentwickeln. Das Potenzial ist nämlich vorhanden, und die Band wird es in Zukunft noch besser zu nutzen wissen.
Besetzung
Maks Bembič – Gesang, Gitarre
Aleksander Družina – Gitarre
Jaša Hedžet Jajo – Gesang, Bassgitarre
Gregor Brajkovič – Gesang, Schlagzeug
Produktion
Mitja Cerkvenik
Trackliste
1. A World On Drugs (04:24)
2. Live In Hope (03:48)
3. Crazy Maybe (04:40)
4. The Way They Say (04:56)
5. High (05:44)
6. Get You A Life (04:12)
7. Existential (05:12)
8. Again (05:24)