Evil Urges
Künstler: My Morning Jacket
Label: Rough Trade Records
Erscheinungsjahr: 2008
Bewertung: 3.5/5
My Morning Jacket ist eine amerikanische Band, die Ende der Neunziger entstand. Sie haben schon eine ordentliche Menge an Studio- und Live-Erfahrung gesammelt, und Evil Urges ist ihr fünftes Album. In letzter Zeit wird viel über die Band geredet und geschrieben, also wollte ich wissen, ob dieses Interesse wirklich verdient ist. Nach dem Gehörten kann ich sagen: Ich bin angenehm überrascht.
My Morning Jacket spielt hauptsächlich melodischen Alternativrock, der oft auch an Country und Pop grenzt. Besonders der Pop macht sich in Jim James‘ Falsett bemerkbar, das ein bisschen zu süßlich gerät. Wenn James in normalem Register singt, gibt es diese Probleme nicht, und die Musik wirkt viel überzeugender. Lässt man die Vocals mal beiseite, ist My Morning Jacket wirklich eine fähige Band. Sie verstehen es, Einflüsse gekonnt zu mischen – und die sind ausgesprochen vielfältig: Indie-Rock, Folk, Country, Funk und noch einiges mehr. Die Songs sind gut angelegt, wenn auch nicht gerade die musikalisch ambitioniertesten. Im Wesentlichen halten sie sich an das Prinzip: Weniger ist mehr. Gut, sie sind nicht gerade Led Zeppelin oder Dream Theater, aber im Kontext der Musik, die sie spielen, sind sie auf dem Punkt. Manchmal ist simple Musik wirkungsvoller als übertrieben technische, und genau auf diesen Trumpf setzt diese Band. Die Musik ist sehr melodisch und geht schnell ins Ohr, aber die Jungs wissen auch gelegentlich für Überraschungen zu sorgen. Manche Motive sind zum Beispiel überraschend düster, während andere ziemlich lebendig und jugendlich-naiv daherkommen. In Sachen Texte gibt es nichts auszusetzen – die sind erstklassig. Sie sind zwar nicht sonderlich metaphorisch anspruchsvoll, aber sie schaffen es, genau die richtigen Bilder hervorzurufen, die auch die Musik erzeugt. So ergänzen sich Musik und Texte gegenseitig, und auch in dieser Hinsicht sind My Morning Jacket sehr überzeugend.
Das Album lastet stark auf Gitarrist und Sänger Jim James, der das ganze Album eigentlich im Alleingang geschaffen hat. Seine Gitarrenparts sind grundsätzlich recht schlicht, aber mit Gefühl gespielt und für diese Art von Musik genau richtig. Sein Gesang ist im normalen Register angenehm; ein bisschen stört mich der übermäßige Einsatz des Falsetts, wo er sich Prince (bzw. The Symbol) annähern will, aber das gelingt ihm nicht ganz so überzeugend. Zum Glück ist Jim James von guten Instrumentalisten umgeben. Da ist noch ein weiterer Gitarrist, der James‘ Parts ausbaut und den allgemeinen Gitarreneindruck aufwertet. Auch die Keyboards fallen deutlich auf und sorgen vor allem für die richtige Atmosphäre. Die Rhythmussektion ist solide und der Musik angemessen. Auf diesem Album sind auch Streicher zu hören, die ein paar Songs bereichern und einen gewissen erhabenen Effekt hinzufügen.
Evil Urges ist ein Album, das vor allem Fans von melodischem „Soft“-Rock ansprechen wird. Gut ist es auch, wenn dir Country nicht fremd ist, denn das Album ist von solchen Einflüssen durchdrungen. Das Album lässt sich nur schwer einem einzigen Genre zuordnen, und auch dafür gebührt den Jungs Respekt. My Morning Jacket gewinnen an Popularität, und Evil Urges hat sie noch weiter nach oben gebracht. Man kann nur hoffen, dass wir diese Art von Musik öfter in den kommenden Medien hören werden, denn das würde bedeuten, dass das Niveau der Musik steigt.
Besetzung
Jim James – Gesang, Gitarre
Bo Koster – Keyboards
Carl Broemel – Gitarre
„Two-Tone“ Tommy – Bass
Patrick Hallahan – Schlagzeug
Produktion
Jim James, Joe Chiccarelli
Trackliste
1. Evil Urges 5:14
2. Touch Me I’m Going to Scream Pt. 1 3:51
3. Highly Suspicious 3:07
4. I’m Amazed 4:35
5. Thank You Too! 4:29
6. Sec Walkin 3:37
7. Two Halves 2:36
8. Librarian 4:18
9. Look at You 3:30
10. Aluminum Park 3:58
11. Remnants 3:04
12. Smokin‘ from Shootin 5:07
13. Touch Me I’m Going to Scream Pt. 2 8:14
14. Good Intentions 0:04