Everblack

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Autor: Primož Novak

Künstler: Black Dahlia Murder, The
Label: Metal Blade Records
Veröffentlichung: 2013
Laufzeit: 44:33
Wertung: 3.5/5

Das amerikanische Quintett The Black Dahlia Murder gehört zu jenen, die wirklich nicht rasten. Alle zwei Jahre hauen sie ein neues Album raus, sind ständig auf Tour, und es passiert selten, dass auf zwei aufeinanderfolgenden Alben dieselbe Besetzung zu hören ist. Auf dem vorliegenden sechsten Studiowerk stellen sich der neue Schlagzeuger Alan Cassidy (ex-Abigail Williams), der den langjährigen Shannon Lucas abgelöst hat, sowie Bassist Max Lavelle vor, der zuvor in der Deathcore-Band Despised Icon gespielt hat. Beide haben also mit extremer Musik bereits Erfahrung. Grundsätzlich ist bei TBDM bekannt, dass in ihrer Besetzung nur erfahrene Musiker zu finden sind, denen schnelles Spielen keine Kopfschmerzen bereitet.

Mit dem sechsten Album Everblack zeigt die Band vor allem Stagnation. Von Fortschritt oder Experimentierfreude ist nichts mehr zu spüren – sie arbeiten einzig daran, mit ziemlich durchschnittlichen Alben über Wasser zu bleiben. Damit bekommt die Band heutzutage schnell das Etikett »generisch« verpasst. Auf der anderen Seite muss man der Band zugute halten, dass sie sich auf dem Niveau solider Produktion gehalten haben – und auch andere Qualitäten vorzuweisen haben, wie etwa den einzigartigen Gesang von Trevor Strnad, der nach wie vor exzellentes Growling und Screaming beherrscht. Die Musik selbst ist nach wie vor brutal und melodisch, als würde man einen Mix aus Carcass, Morbid Angel und At The Gates hören. Trotz des modernen Sounds hört man bei TBDM noch zu gut heraus, dass sie sich eher die Old-School-Extreme als Vorbilder genommen haben.

Das Album startet durchaus vielversprechend mit In Hell Is Where She Waits For Me, das mit schnellem Death-Metal-Riffing aufwartet. Noch mehr sticht Into the Everblack mit seinem Morbid-Angel-artigen Einschlag heraus – die Riffs sind zwar schon leicht recycelt, zünden aber zweifellos noch immer. Ein gutes Beispiel für Melodiösität ist das ansteckende Raped In Hatred By Thorns Of Vine, das vom Film Evil Dead inspiriert wurde. Danach zeigt sich das Hauptproblem des Albums. Die Songs sind zu wenig herausragend. Bis zum abschließenden Map Of Scars, das durch die Keyboards eine epische Konnotation bekommt, passiert eigentlich nichts wirklich Mitreißendes. Die Band greift zwischendurch mit Every Rope A Noose zwar auch zum Black Metal, aber das überzeugt irgendwie nicht wirklich. Auch die Arrangements selbst sind zu lang, und es stellt sich das bekannte Gefühl ein, dass Füllmaterial vorhanden ist. Was macht TBDM so uninteressant? Über die Gitarren und den Gesang muss man sich kaum beklagen. Die virtuosen Soli und Melodien von Ryan Knight sind originell, die Arpeggios wirft Ryan geradezu aus dem Ärmel (bei Map Of Scars zeigt er das eindrucksvoll). Das Problem liegt im Grunde in der zu wenig dynamischen Rhythmussektion. Der neue Schlagzeuger Alan Cassidy kann die Originalität von Shannon Lucas nicht ersetzen. Cassidy ist zwar zweifellos schnell, aber sein Stil erreicht nicht die technische Perfektion von Lucas. Das ist wohl eine Folge seiner früheren Tätigkeit in Black-Metal-Bands.

Für The Black Dahlia Murder ist der Zeitpunkt gekommen, sich mehr als zwei Jahre für ein Album zu nehmen. Everblack bietet ein paar wirklich herausragende Songs, die man als Fan definitiv live hören möchte, der Rest ist aber ziemlich blass und würde wohl noch etwas Nacharbeit seitens des Produzenten brauchen. TBDM sind nach wie vor brutal, melodisch und in manchen Momenten auch technisch. Aber reicht das?

Besetzung

Trevor Strnad – Gesang
Brian Eschbach – Gitarre
Ryan Knight – Gitarre
Alan Cassidy – Schlagzeug
Max Lavelle – Bass

 

Produktion

Jason Suecof, Ryan Williams

Trackliste

01. In Hell Is Where She Waits For Me
02. Goat Of Departure
03. Into The Everblack
04. Raped In Hatred By Vines Of Thorn
05. Phantom Limb Masturbation
06. Control
07. Blood Mine
08. Every Rope a Noose
09. Their Beloved Absentee
10. Map Of Scars

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