Es gibt nur einen Bob Dylan! (2015)

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Autor: Aleš Podbrežnik

Ort: Ljubljana / Stožice-Halle / Slowenien
Konzertdatum: 25.06.2015
Besucherzahl: 2500
Kartenpreis: ab 46,00€

Es ist schwer, noch etwas »Kluges« hinzuzufügen über einen der größten Singer-Songwriter der Welt – wenn nicht den allergrößten. Erst recht nach seinen sechs Jahrzehnten Trotz im Musikgeschäft. Der Mann, der mit seinem Werk Generationen von Musikern und Hörern geprägt hat, ist also ein altbekanntes Gesicht auf slowenischen Bühnen.

In die Stožice-Halle kam er mit dem neuen Album »Shadows in the Night« im Gepäck, das im Februar dieses Jahres erschienen war und Künstlern gewidmet ist, die Dylan schon immer geschätzt hat und die seine musikalische Vision mitgeprägt und ihn stets inspiriert haben. Das Konzertprogramm ließ er sich davon allerdings nicht diktieren – die Setlist enthielt vielmehr überwiegend Stücke aus seinem letzten eigenen Studiowerk, dem Album »Tempest«.

Diesmal hatte Bob Dylan keinen Glückstag, was den Konzertbesuch in Ljubljana angeht. In der gesamten Stožice-Halle versammelten sich zwischen 2000 und 3000 Leute – sagen wir 2500 Köpfe, vielleicht etwas mehr. Die Tribünen fast völlig leer, das Parkett vollgepackt nur in den vorderen Reihen. Bis zum Mischpult in der Mitte des Parketts hatten sich die Besucherreihen schon gehörig gelichtet.

Der erfahrene Veteran bestieg mit seiner Begleitband aus fünf Musikern die Bühne im Schein einer kabarettartigen Beleuchtung. Die Bühne »beleckten« nur ein paar schwache Scheinwerfer, die nach oben oder auf die Rücken der Musiker gerichtet waren. Totaler Bühnenminimalismus. Keine Fotografen – nicht mal die mit »smarten« Handys und Tablets! Dylan betrat die Bühne als Letzter, nachdem das Quintett zuvor schon die Begleitkulisse für seinen einzigartigen vokalen Ansatz und seine Interpretation aufgebaut hatte. Mann und Band scherten sich nicht um die halbleere Halle, und die Anwesenden konnten die ganze einzigartige, packende Kraft von Dylans bewegender Lyrik genießen. Man musste irgendwo in der Mitte zwischen Mischpult und den vorderen Reihen stehen. Ganz vorne trug der Sound über die Frontreihen hinweg – der Effekt war sogar so, dass die Beschallung zu leise wirkte. Man war also gewissermaßen gezwungen, die richtige Position zu suchen, wo die Klangeigenschaften ihr Optimum entfalteten.

Im Mittelpunkt steht natürlich sofort Dylan, während das Quintett mit außergewöhnlicher Weichheit und Präzision verblüfft. Vom ersten bis zum letzten gespielten Ton und Moment des Konzerts. Professionalismus verlangt eben vollkommene Raffinesse und natürlich die besten Musiker. Interessant war auch die Erkenntnis, dass diese Art von klanglicher Weichheit gleich zwei Gitarren erforderte. Das Hauptgewicht der Begleitkulisse ruhte also auf Saiten und organischer Reinheit, die Aufmerksamkeit aber zogen zwei verschiedene Pedal-Steels auf sich, die Dylans musikalischem Auftrag – abgeleitet aus amerikanischer Folk-Musik – einen unverzichtbaren Stempel der Ursprünglichkeit aufdrücken.

Dylan teilte den Auftritt in zwei Teile mit einer zwanzigminütigen Pause. Seine Interpretation bewahrt nach all den Jahren einen einzigartigen Charakter und ein unverwechselbares künstlerisches Gesicht. Voller Glut. Die Verse erschüttern und kriechen sofort unter die Haut. Jedes Wort hat seinen ausgefeilten lyrischen Charakter und bewahrt in Dylans Interpretation eine unglaubliche Unmittelbarkeit und Überzeugungskraft. Diese Art von unschätzbarem Erlebnis, von dem du weißt, dass es einmalig ist und mit dem du nur in Berührung kommst, wenn der legendäre Singer-Songwriter die Bühne betritt. Dylan hat das Material in seiner Interpretation – egal aus welchem Jahr es stammt – der musikalischen Vision der neuen Zeit untergeordnet. Sogar Blowin‘ in the Wind war kaum wiederzuerkennen, so sehr hat er sich in der Interpretation über die Jahre verändert. Und doch hat er jenen einzigartigen Stempel ewiger Zeitlosigkeit bewahrt, der schon immer alle Musikgenerationen geprägt hat und es noch heute tut. Dylans einzigartiger vokaler Charakter, eingehüllt in eine sanft sehnende und herrlich gespielte Klanglandschaft aus verwebter amerikanischer Folk-Musik, Blues – garniert mit geschmeidigen Jazz-Variationen –, Anklängen an Americana und einer Prise Surf, hat in seiner Interpretation vollends überzeugt.

Dylan, der das Publikum während des Auftritts nur selten ansprach – zum ersten Mal erst, als er die Pause ankündigte –, setzte sich zwischendurch mehrmals ans Klavier, und als er zu seinen eindringlichen Botschaften auch noch in die Mundharmonika blies, war das Bild des Konzerts eigentlich vollständig. Diesmal griff Dylan nicht zur Gitarre.

Die 74-jährige Singer-Songwriter-Legende lieferte also wieder einmal einen musikalischen Leckerbissen. Wie erwartet. Vor Bob Dylan und seiner Crew liegt noch eine lange Welttournee, die Mitte November auf dem nordamerikanischen Kontinent enden soll. Mit den Jahren reift der gute alte Dylan nur weiter – das hat er mit seiner Bühnenfaszination einmal mehr in Ljubljana unter Beweis gestellt, und hoffen wir, dass er diese Reife und Zeitlosigkeit noch viele Jahre bewahrt. Möge also seine sogenannte „Never Ending“-Tournee, die seit 1988 ununterbrochen läuft, weitergehen und weitergehen.

Setliste

1. Things Have Changed
2. She Belongs to Me
3. Beyond Here Lies Nothin‘
4. Workingman’s Blues #2
5. Duquesne Whistle
6. Waiting for You
7. Pay in Blood
8. Tangled Up in Blue
9. I’m a Fool to Want You
—Pause 20 Min.—
10. High Water (For Charley Patton)
11. Simple Twist of Fate
12. Early Roman Kings
13. Forgetful Heart
14. Spirit on the Water
15. Scarlet Town
16. Soon After Midnight
17. Long and Wasted Years
18. Autumn Leaves
—Zugabe—
19. Blowin‘ in the Wind
20. Love Sick

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