Eric Sardinas verzauberte Koper (2014)

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Ort: Koper / Figa Rock Bar / Slowenien
Konzertdatum: 25.11.2014
Besucherzahl: 70
Kartenpreis: 18,00€

Es kommt nicht oft vor, dass man  innerhalb der Grenzen unseres Landes die Gelegenheit hat, ein so hochwertiges Musiktrio wie Eric Sardinas & Big Motor zu sehen und zu hören. Diesen Herbst hat (wieder) unsere Küstenregion genau das geboten – und das sogar an zwei Tagen hintereinander. Aber gehen wir schön der Reihe nach, Abend für Abend.

Eric Sardinas ist jedem Musikfanatiker längst eine wohlbekannte Ikone der Resonanzgitarre. Eine Mischung aus R’n’B und Blues verkörpert seine Musik, durchwebt von entschlossenen Rhythmen und rauem, kehligem Gesang. Mit der Gitarre an der Spitze, natürlich. Zum Fingerabschlecken.

Das freundliche Personal des Figa Rock Bar empfing uns herzlich willkommen. Der besagte Koperer Club feierte in diesen Tagen seinen vierten Geburtstag. Der Club ist gemütlich, vermittelt ein Gefühl von Heimeligkeit und Willkommensein. Die rot-weißen Wände sind vollgepackt mit Autogrammen der Künstler, die in vier Jahren bereits auf der Bühne des Figa aufgetreten sind. An der Bar kann man sich einer ziemlich abwechslungsreichen Bierauswahl rühmen, und während wir am edlen Hopfengebräu nippten, warteten wir auf den Auftritt des Künstlers, der als Vorband für Eric Sardinas aufwärmte.

Was dann passierte, hatte wohl niemand erwartet. Ein freundlicher, einfacher junger Mann namens Samo Pivač betrat die Bühne zwar etwas schüchtern, verwandelte seinen Auftritt aber in ein kleines Wunder. Samo kommt aus Jesenice und tritt in lokalen Clubs allein mit seiner selbst gebauten Gitarre auf – einzig sein durchdringender Gesang und ein unermessliches Talent begleiten ihn auf der Bühne. Der Junge tritt unter dem Künstlernamen Samuel Blues auf. Er spielt sowohl Eigenkompositionen als auch Coverversionen, wobei er sowohl in der Stimmimitation als auch im Spielstil der Legende Johnny Cash am nächsten kommt. Dass der Junge nicht von Pappe ist, wurde schnell klar. Als Samo das Publikum vergaß und sich ganz dem Spielen und Singen hingab, verflog auch alle anfängliche Zurückhaltung. Auf der Bühne erlebten wir eine echte Fusion klanglicher Harmonien und gleichzeitig eine ungemein präzise und durchdringende Darbietung der Stücke. Wenn wir bei den ersten paar Songs im Publikum noch eine Begleitband vermissten, begriffen wir bald, dass Samo mit seiner Gitarre auf der Bühne vollkommen genug ist. Der junge Mann war bei seiner Arbeit so erfolgreich, dass sogar Eric Sardinas selbst hinter der Bühne die Ohren spitzte und nähertrat, um dem jungen Jesenicaner zuzuhören. Und dann noch näher. Und noch näher, bis er schließlich doch auf die Bühne stieg und neben Samo sang. Und das nicht nur einen Song. Dabei zeigte er die ganze Zeit offen seine Begeisterung für das junge Talent, das die Anwesenheit des Stars (und vielleicht auch Vorbilds) auf der Bühne überhaupt nicht aus der Fassung brachte, obwohl Erics Erscheinen den Ablauf des Konzerts wohl etwas durcheinandergewirbelt hatte. Eric zog sich dann höflich von der Bühne zurück, damit der junge Samuel Blues seinen mehr als erfolgreichen Auftritt zu Ende bringen konnte. Samuel Blues ist zweifellos ein Künstler, der jeden Hunger nach hochwertiger Bluesmusik stillt, daher weise ich Clubbetreiber hiermit darauf hin, dieses junge Talent nicht zu übersehen und ihn auf weitere Bühnen einzuladen.

Dann folgte eine kurze Pause, doch kurz nach zehn Uhr abends erschien das lang ersehnte Trio auf der Bühne – der leicht hinkende Eric Sardinas zusammen mit seinen Begleitern Bryan Keeling und Levell Price. Die Gruppe versteckte ihre gute Laune nicht. Dass Eric bestens aufgelegt war, war schon beim Auftritt von Samo Pivač deutlich geworden, doch auch die beiden Mitglieder von Big Motor, die während Samos Auftritt hinter der Bühne geblieben waren, betraten die Bühne mit einem Lächeln und positiven Gedanken. Eric begrüßte das versammelte Publikum, sagte, dass sie sich freuten, hier zu sein, und legte dann kraftvoll mit dem ersten Song los. Seine Hände und Finger besitzen trotz ihrer scheinbaren Grobheit eine unvorstellbare Zärtlichkeit, wenn Eric sich ganz der Gitarre hingibt. Trotz seines kürzlich gebrochenen Beins (bei einem Augustkonzert im Bluesiani war Eric von der Bühne gefallen und hatte sich dabei das Bein gebrochen) sparte er nicht mit Bühnentänzen. Das Trio auf der Bühne legte Seele, Herz und Körper in seinen Auftritt. Durch kehlige Verse und endlose Improvisationen auf Gitarre, Bass und Schlagzeug fiel das Publikum, während es den Rhythmus aufgriff, den die Männer auf der Bühne vorgaben, in musikalische Ekstase.

Das Trio veröffentlichte Ende Oktober das neue Studioalbum mit dem Titel Boomerang, weshalb ein Teil des Konzerts der Promotion der neuen CD gewidmet war. Auch die neuen Songs passen der Band wie angegossen und fügten sich angenehm neben die älteren Hits. Das Konzert fand in zwei Teilen mit einer zwanzigminütigen Pause dazwischen statt. Dabei waren sowohl die neuesten Songs wie Run Devil Run, Boomerang, Bad Boy Blues zu hören als auch ältere wie County Line, Gambling Man Blues und das obligatorische Get Down To Whiskey, in das das Publikum kräftig miteinstimmte.

Eric galt in der Vergangenheit nicht als großer Redner auf der Bühne, doch in letzter Zeit plaudert er etwas mehr mit dem Publikum und erzählt die eine oder andere seiner Anekdoten, was dem Konzert einen Hauch tieferer Verbundenheit zwischen Künstler und Publikum verleiht. Obwohl beide Begleiter, Levell am Bass und Bryan am Schlagzeug, scheinbar etwas in den Hintergrund gedrängt werden, ziehen sie dennoch Blicke und Aufmerksamkeit des Publikums auf sich, denn im Umgang mit ihren Instrumenten stehen sie ihrem großen Anführer in absolut nichts nach. Der inzwischen kurzhaarige und bärtige Levell füllt die rhythmischen Akzente gekonnt aus, während Bryan mit seiner Präzision und Perfektion am Schlagzeug jedem improvisierten Einwurf der beiden Männer vor ihm folgt.

Die Bühne im Figa Rock Bar war fast zu klein für Erics Bühnentänze und seine Gitarrenkunststücke. Der mächtige Bluesmann steht während seines Auftritts keine Sekunde still. Dabei spielt es keine Rolle, ob er am Mikrofon steht, wenn er singen muss, oder ob er mit seinem betörend heiseren Gesang daran vorbeischreit; ob er sich durch sämtliche Kabel ringsum schlängelt, über die Monitore auf der Bühne springt und mit dem Gitarrenhals am Mikrofonstativ entlangschleift. Der Mann presst jeden Fetzen Seele und Liebe zur Musik aus sich heraus und gibt sie dem Publikum. Unvergesslich.

Auch am Ende seines Konzerts vergaß Eric den wunderbaren Samuel Blues nicht, den er noch einmal auf die Bühne einlud, und gemeinsam sangen und spielten sie noch einen Song. Da das Publikum aber nicht aufhörte zu rufen und anzufeuern, folgte noch das abschließende Behind The 8, das für Erics Beine fast wieder verhängnisvoll wurde, denn im Rausch des Spielens knickte er ordentlich ein und fiel auf die Knie zwischen die Monitore auf der Bühne. Kurz hielten wir wieder den Atem an, doch zum Glück war nichts Schlimmeres passiert, denn Eric stand bald selbst wieder auf und spielte bis zum Ende des Songs weiter. Dann folgte nur noch der Abgang von der Bühne, doch schloss sich das Trio kurz nach dem Auftritt den Besuchern vor der Bühne für Gespräche und Fotos an. Das gesellige Beisammensein zog sich bis spät in die Nacht, während uns noch ein langer Heimweg, ein kurzer Schlaf und die Fortsetzung der Sardinas-Geschichte am nächsten Tag erwarteten.

Jedes Konzert von Eric Sardinas überrascht trotz gewisser Ähnlichkeiten immer wieder aufs Neue. Und jedes weitere seiner Konzerte übertrifft das vorherige. Kein Wunder also, dass wir es uns auch am nächsten Tag in Nova Gorica angeschaut haben. Aber das ist eine andere Geschichte. Volles Lob an die Veranstalter für die Durchführung dieses Events – vielleicht werden ausländische Musikperlen doch langsam häufiger auch in unseren Clubs auftauchen. 

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