Epic Obsession

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Burning Rain
Label: Frontiers Records
Erschienen: 2013
Spielzeit: 64:27
Wertung: 4/5

Burning Rain ist die Geschichte einer fesselnden kreativen Partnerschaft zweier talentierter Künstler: Gitarrist Doug Aldrich und Sänger Keith St. John. Burning Rain veröffentlichten 1999 und 2000 rasch zwei Alben, dann aber spielte das Rad des Schicksals auf aufregende Weise mit den weiteren musikalischen Wegen der Mitglieder. Aldrich haute zu Dio ab, St. John zu Montrose. Obwohl die Burning-Rain-Besetzung noch 2004 einen Vertrag für die Veröffentlichung eines dritten Studioalbums abschloss, kam es nie dazu. Material und Konzept des neuen Albums waren zwar ausgearbeitet, doch das Ding ließ sich einfach nicht zu Ende bringen, geschweige denn optimal finalisieren. Doug Aldrich hatte in dieser Zeit nämlich eine Vollzeitstelle bei Whitesnake angenommen, und für andere Aktivitäten blieb keine Zeit mehr.

Bis zu diesem Jahr. Das Quartett hat offenbar genug Zeit gefunden, sich zusammenzufinden und neu aufzuleben. Es hat sogar eine neue offizielle Website erstellt, und das Label Frontiers Records hat in seiner bekannten Fürsorge zusammen mit dem neuen Studioalbum auch die Alben »Burning Rain« von 1999 und »Pleasure to Burn« wiederveröffentlicht. Beide waren längst vom Markt verschwunden.

Es ist ein neues, ausgezeichnetes Album, entstanden aus dem Geist, den geschickten Fingern und den stimmlichen Fähigkeiten beider Künstler. Beim Hören spürt man, dass es früher entstand. Viel früher, als es veröffentlicht wurde. Man merkt, dass das Material kurz nach dem Album »Pleasure to Burn« entstanden ist. Im kreativen Sinne knüpft es unglaublich wirkungsvoll daran an. Stilistisch wie klanglich.

Das neue Album ist im Geist des Retro-Klangstampedes gewoben, wie es das melodische Hard-Rock-Prinzip versteht, das tief in die Manier des Blues eingetaucht ist. Hier war Aldrich als Mann, der die Gitarrenphrase in einen Song bringt, schon immer am stärksten. Das ist auch die Arrangierform, die St. Johns vokalem Ausdrucksbereich von jeher am besten entgegenkam. Der Typ bewahrt eine außergewöhnliche Explosivität, Leidenschaft, Gier – die Emotion ist an jeder Stelle echt. Wieder spürt man jene Led-Zeppelin-Obsession, sowohl in Aldrichs Riffing als auch in den nachempfundenen melodischen Linien von St. Johns Vokalinterpretation, der an den aufregenden »Plant-esken« nicht vorbeikommt. St. John ist in seinen Stimmregistern stark, wie er es immer war. Vokal erinnert er stellenweise an Johnny Gioelli (Hardline) – besonders dort, wo die melodische Reichweite der Refrainmelodien besonders herausgestellt wird.

Die Mitglieder des wiedererweckten Quartetts komplettieren Sean McNabb, aktueller House Of Lords-Bassist (er spielte auch mit Dokken und Quiet Riot), sowie Schlagzeuger Matt Starr von der Ace Frehley Band. Zwei besondere Gäste haben dem Album ebenfalls ihre Talente beigesteuert: der ultralärmsame Drummer Brian Tichy – Aldrichs ehemaliger Whitesnake-Kumpel – und Jimmy D’Anda, seinerseits ehemaliger Drummer der Bullet Boys. Die Chemie dieser saftigen Verbindungen zieht sich durchs gesamte Album. Es fehlt ihm weder an erotogener Verführungskraft noch an verdichteten Arrangements mit der ausgefeilten Verbindung aus Strophe und zündendem Refrain. Die Produktion ist lebendig, roh, die Riffs aufgebläht, der Gesang kernig, explosiv und im Klangbild dominant zentriert. Gleichzeitig hat man das Gefühl, dass »Epic Obsession« ein dunkleres Album ist als seine beiden Vorgänger.

Die Songs schwanken nicht in ihrer Qualität. Das Album hält seine hohe Qualität über die gesamte Spielzeit. Deshalb packt es einen vom ersten Moment an und lässt einen bis zum Ende nicht mehr los. Die Obsession mit Led Zeppelin zeigt sich in einem weiteren Track auf dem Album, einem Cover des Klassikers Kashmir, bei dem Aldrich besonders kunstvoll einfallsreich darin ist, den Raum mit »nacktem Gitarrenspiel« zu füllen (die orchestralen Arrangements des Originals könnt ihr vergessen!). Schon wieder eine unschätzbare Darbietung dieses Typen (Coverdale wusste genau, wohin er sein Geld investieren musste, als er ihn in die Band holte!). St. John aber beweist in diesem Cover einmal mehr, dass er der unvergängliche »Ersatz«-Robert Plant ist. 

Ob diese Veröffentlichung tatsächlich nur die Erfüllung eines Plans mit neunjähriger Verspätung ist oder ob die Band in Zukunft wirklich mehr von sich liefern wird, ist noch unklar. Vielleicht zumindest eine Welttournee. Lasst euch überraschen und genießt bis dahin »Epic Obsession«. Es ist ein vollblütiger, druckvoller, melodisch-bluesiger Hard-Rock-Klopper, der zwar nichts noch nie Gehörtes bringt. Seinen Ass-Poker gewinnt er aber mit der echten Rhetorik eines erektiven Spiels mit vollen Eiern! Und das zählt.

Besetzung

Keith St. John – Gesang
Doug Aldrich – Gitarre
Sean McNabb – Bassgitarre, Backing Vocals
Matt Starr – Schlagzeug

GASTMUSIKER:
Brian Tichy – Schlagzeug
Jimmy D’Anda – Schlagzeug

 

Produktion

Doug Aldrich & Keith St. John

Trackliste

1. Sweet Little Baby Thing
2. The Cure
3. Till You Die
4. Heaven Gets Me By
5. Pray Out Loud
6. Our Time Is Gonna Come
7. Too Hard To Break
8. My Lust Your Fate
9. Made For Your Heart
10. Ride The Monkey
11. Out In The Cold Again
12. When Can I Believe In Love

BONUSTRACKS:
13. Kashmir
14. Heaven Gets Me By (akustische Version)

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