End Of Days

0 6

Interpret: Soldiers
Label: Trustkill Records
Veröffentlichung: 2007

Noch ein Willkommen im Reich des Halbton-Riffings und des grenzenlosen psychotischen Auslebens mit einer Kreation unerträglich lärmender Dimensionen! Diesmal liefern es die Jungspunde von Long Island (New York, USA): Soldiers. Lärm, Halbtöne, melodieloses Gekreische, unter dem die Riffs überrollt werden, eine Schicht Brutalität auf der nächsten. Reihe um Reihe, Biss um Biss. Wild durcheinander knappe 35 Minuten lang, so viel bringt das Debüt „End Of Days“ auf die Waage. Dreizehn Songs messen jeweils zwischen zwei und drei Minuten. Rohe Produktion des angespannt nach vorn rasselnden Basses, der im gesamten Klangbild buchstäblich wie Atlas die Erde auf seinen Schultern das massive Riff-Gespucke stützt und aufrecht hält! Wir reden also von einer neuen Hardcore-Band. Nicht mehr und nicht weniger.

Das Ding ist durchgehend auf hohem Qualitätsniveau produziert. Die Songs sind Abrissbirnen, kompakt gebaut und überzeugend gespielt, immer wenn Soldiers dem Hörer eine Kopfnuss verpassen wollen. Die Jungs sind in ihrem chaotischen Wüten wirklich extrem, wie es nur wenige sind. In der Gesellschaft von Subterfuge, This is Hell, Last Conviction, Scarps and Heart Attacks fühlen sich auch Soldiers ziemlich zu Hause. Am Hardcore-Horizont bringen sie zwar absolut nichts Neues. In den Riffs hörst du wieder ihren Ursprung im Thrash Metal, dazu Gang-Shouts (Since Day One, Decide And Conquer), mit denen die Jungs die zerstörerische Stimmung um ein zusätzliches Element der Destruktion dosieren, während die Rhythmuslinie, vor allem wegen der rohen Produktion und des freien Laufs des elementaren Rock-Urgrunds, Soldiers einen Hauch Punk verpasst (sticht besonders bei einem Song wie Own Up! heraus).

Weil Gitarrensoli wieder nirgends zu finden sind, bekommt der Gesang noch mehr Gewicht in seinem Ausdruck. Die technisch hochpolierte Rhythmuslinie treibt den Großteil der Soldiers-Geschichte ständig schwindelerregend schnell um die eigene Achse, und dabei muss man keine Angst haben, dass die Jungs den Grundfokus verlieren, wenn es darum geht, gemeinsam und geradlinig Core-Power zu erzeugen. Das ist nämlich ein brillant eingespielter Haufen junger Nihilisten. Sänger Rick Jimenez schmirgelt sich aus der Kehle, oder anders gesagt: Er setzt einen scharfen, rauen und angerissenen, mittelhoch angesetzten Gesang ein, den er natürlich voll für zerfetzendes, brutales Gekreische ausnutzt. Die Riffs brauchen wirklich keine genialen Einfälle eines Einstein, alles in ihnen ist maximal simpel und vorhersehbar, aber bis zu den lärmenden Extremen durchgezogen, die das Studio gerade noch zulässt und die ehrlicher Hardcore im Kern eigentlich will und verlangt.

Aus dem ganzen gnadenlosen Salzstreuen in blutende Wunden ragt auf der Platte der Song The Reclamation heraus, der auf einem mittelschnellen Tempo und tiefer gestimmten Gitarren (Down-Tuning) basiert, wo Jimenez‘ Gekreische besonders intensiv hervorsticht, genauso wie die Umarmung der Crash-Becken, während Basslinien und Riffs dem Song mit ihrem tiefen „Groove“ einen betont verhängnisvollen Höhepunkt verpassen. Alles andere wird auf „End Of Days“ im höheren Gang abgeritten! Einen unklugen Zug haben sich die Jungs allerdings geleistet. Ans Ende des Albums haben sie als Bonus den Song Living Hell gepackt, der ein astreiner „Rap-Crap“ ist. Offenbar ließ das Bedürfnis nach Ego-Bestätigung Sänger Jimenez keine Ruhe, und der Mann, der sein großes Können in hochflexiblen Zungenverrenkungen sonst nicht versteckt, hat es geschafft, dem Album im Raptechnischen einen Song aufzudrücken, der nach der Dosis unerbittlichen Core-Gedroschs schlicht den guten Geschmack verdirbt und so das ganze Album weniger ernst macht.

Trotzdem ist End Of Days (ohne den erwähnten Bonustrack) ein von Kopf bis Fuß hervorragend eingekleidetes Hardcore-Album, man kann ruhig sagen ein Hardcore/Punk-Album, in dessen zerstörerischem Klangzorn sich Fans der Long-Island-Hardcore-Szene bequem einrichten werden, wozu man auch noch ihre Landsleute aus New York Sick Of It All zählen kann. Eine Band, von der man in Zukunft zweifellos noch das eine oder andere ähnlich gestrickte, hochzerstörerische Studiogeschoss erwarten darf. Einen Versuch wert für echte Fans des Genres!

Besetzung

Rick Jimenez – Gesang
Briab Audley – Gitarre
Chris Mazella – Gitarre
Andrew Jones – Bass
Dan Bourke – Schlagzeug

Produktion

Joe Cincotta, Dan Kenny & T$S

Tracklist

01. Even Worse
02. Sever Ties
03. The Reclamation
04. Decide And Conquer
05. Choosing Revenge
06. Relentless
07. Bound By Defiance (T$S)
08. Damage Is Done
09. Nothing More, Nothing Less
10. Own Up!
11. Since Day One
12. Smoke And Mirrors
13. Living Hell*

*.. Bonustrack

Spielzeit:34.47

Kommentar schreiben

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht.

Diese Website verwendet Cookies, um Online-Dienste, Werbesysteme und Funktionen bereitzustellen, die ohne Cookies nicht angeboten werden könnten. Mit dem Besuch und der Nutzung der Website stimmst du der Verwendung von Cookies zu. Akzeptieren Mehr erfahren

Datenschutz & Cookies