Emotional Fire

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Sunstorm
Label: Frontiers Records
Veröffentlichung: 2012
Laufzeit: 42:31
Bewertung: 3.5/5

Wer sich an das Vorgängeralbum des Sunstorm-Projekts namens »House Of Dreams« erinnert, weiß, dass dieses zweite Studioalbum der Band eigentlich eine ausgefeilte melodisch-produktionstechnische Aufwertung des Debüts ist. Nach einem so schönen Album wie »House Of Dreams« stellte sich die Frage, wie weit sich Sunstorm überhaupt noch weiterentwickeln und was sie mehr bieten können als das hochgeschätzte Album.

»Emotional Fire« bringt keineswegs Enttäuschung, ganz im Gegenteil. Es ist ein ausgezeichnetes Album mit klassischem melodischen Retro-Rock-Sound, der vom Erbe der Achtziger geprägt ist, und Sunstorm bleiben damit in der Sphäre, in der sie am besten aufgehoben sind. Klug. Warum sollte man in Gefilde vordringen, wo man sich die Finger verbrennen könnte (im Sinne des Ausprobierens anderer musikalisch-künstlerischer Ausdrucksbereiche). Der stilistische Fortschritt der Band hat damit allerdings auch sein Ende gefunden.

Alles auf dem neuen Album dreht sich um die gewaltige Stimme von Joe Lynn Turner. Der Arrangementstil, den auch das dritte Sunstorm-Album beibehält, hat sich längst als maßgeschneidert für diesen abgebrühten Sänger mit seinem unverwechselbaren Vokalstempel erwiesen – jenem Stempel, der die legendären Rainbow-Alben prägt, außerdem das »Masters And Slaves«-Album der Metal-Urväter Deep Purple sowie sämtliche Alben seiner Solokarriere. Turner und AOR-Musik! Eine siegreiche Kombination. Seit jeher! Und auch auf dem neuen Sunstorm-Album ist das nicht anders.

Auf dem Album werdet ihr überrascht Songs entdecken, die ursprünglich der süße Schönling Michael Bolton eingespielt hat (Lay Down Your Arms, Gina), sowie die unvergessliche langbeinige Stute Cher (Emotional Fire, You Wouldn’t Know Love). Auf die Idee, diese Songs aufzunehmen, ist wahrscheinlich Joe Lynn Turner selbst gekommen, denn er tauchte auch auf den Originalen dieser Songs als Studio-Backgroundsänger auf Alben von Michael Bolton und Cher auf. Mit dem restlichen Material fügt sich das alles wunderbar in die Albumform, allerdings ist es nicht schwer, den traditionellen Achtziger-Arrangieransatz herauszuschälen – gerade bei den Albumtracks, die kompositorisch von weit, weit jüngerer Natur sind. Natürlich sind alle Songs, vom ersten bis zum letzten, in echter Sunstorm-Manier eingespielt. Perfekt ausgearbeitete Begleitharmonien bombastisch-AOR-ansteckender Refrains, eine markant herausgestellte Klangwand aus Gitarrenphrasen, die durchgehend leicht die anderen Instrumente überragt, und wie zu erwarten, mit Gitarrensoli gewürzte Mittelteile, die das dramatische Element der Songs vertiefen und die dynamische Entwicklung der Tracks steigern. Den theatralischen, stimmungsvollen »crescendo« erreichen die Stücke allesamt natürlich in den ausgefeilten, melodisch vollendeten Refrainmelodien. Im Arrangement-Sinne ist das also wieder ein raffiniert ausgearbeitetes AOR-Album. Joe Lynn Turner hält Gesangskraft und Interpretationsrhetorik unberührt aufrecht und schießt erneut »aus allen Zylindern auf vollen Touren«, was seine edle Verkleidung in chromgekleideten  Stimmbändern charakterisiert, mit denen er die Rezeptoren des Hörers erneut wirkungsvoll samtig streichelt.

Diesmal wirkten als Hauptsongschreiber die routinierten schwedischen Musiker Robet Sall (Work Of Art), Johan Stentorp (Time Gallery) und Soren Kronquist mit Sunstorm zusammen. Das Sunstorm-Team – also JLT plus die »ausgesuchten« Mitglieder der Band Pink Cream 69, zusammen mit diesen drei Arrangeuren.  Angesichts des Stammbaums ihrer hochwertigen Vorarbeiten riefen sie nicht umsonst zur Zusammenarbeit, und Songs wie Torn In Half, The Higher You Rise und besonders der Opener Never Give Up liefern die Höhepunkte des Melodic Rock auf dem neuen Album. Das hervorragende Brüderduo Tom und James Martin, das den Großteil des Materials für das vorige Sunstorm-Album »House Of Dreams« geschrieben hat, ist diesmal mit nur einem einzigen Song auf dem Album vertreten (die halbballadige Abschlussnummer All I Am). Gerade die Zusammenarbeit mit anderen Komponisten lässt die Waage zugunsten des »House Of Dreams«-Albums ausschlagen, da die Funktion von »Emotional Fire« mehr oder weniger das Aufrechterhalten des Ausdrucksniveaus von »House Of Dreams« ist, ohne wirklich etwas Neues zu sagen, während die Spielzeit mit der Aufnahme von vier Coverversionen von Melodic-Rock-Klassikern der Achtziger aufgefüllt wird.

Trotz einiger »Warnhinweise« dieser Rezension, dass »Emotional Fire« nichts Neues für Sunstorm bringt, ist es doch ein raffiniert komprimiertes Melodic-Rock-Album nach Retro-Vorbild, das keine Schwachstellen im Arrangierbereich aufweist. Es ist ein hochgradig ansteckendes Album, das das Ausdrucksniveau der beiden vorangegangenen Studioalben hält. Fans der vorigen beiden Sunstorm-Alben werden auch »Emotional Fire« bedenkenlos in ihre ausdrucksstarken CD-Sammlungen aufnehmen, die dem Wesen und Werk des Melodic Rock gewidmet sind.

Besetzung

Joe Lynn Turner – Gesang
Dennis Ward – Gitarre, Bassgitarre, Backgroundgesang
Uwe Reitenauer – Gitarre
Justin Dakey – Keyboards
Chris Schmidt – Schlagzeug

 

Produktion

Dennis Ward

Tracklist

  1. Never Give Up (3:44)
  2. Emotional Fire (3:52)
  3. Lay Down Your Arms (3:47)
  4. You Wouldn’t Know Love (3:51)
  5. Wish You Were Here (3:35)
  6. Torn In Half (3:51)
  7. Gina (4:00)
  8. The Higher You Raise (3:59)
  9. Emily (3:45)
  10. Follow Your Heart (4:03)
  11. All I Am (4:00)
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