Edge of Tomorrow

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Autor: Aleš Podbrežnik

Künstler: Sunstorm
Label: Frontiers Records
Erscheinungsjahr: 2016
Bewertung: 3/5

Sunstorm wäre ein Projekt, das nie so viel Aufmerksamkeit erregt hätte, wenn nicht einer der markantesten AOR-Vokalkünstler die Gesangspflichten übernommen hätte – nämlich Joe Lynn Turner. Ein Mann, der über die Band Fandango in die Liga der unvergesslichen Momente der Rock-’n‘-Roll-Geschichte eingetreten ist und seine Karriere mit Rainbow, Deep Purple, Yngwie J. Malmsteen’s Rising Force und nicht zuletzt mit einer Reihe ausgezeichneter Solo-Studioalben weiter ausgebaut hat.

Kurzum: »Edge of Tomorrow« ist das vierte Studioalbum des Projekts Sunstorm. Auf den ersten drei arbeitete Joe mit einer deutsch-amerikanischen Philosophie im Umgang mit melodischen Hard-Rock-Formen zusammen. Diesmal besteht Sunstorm, mit Ausnahme des Amerikaners Turner,  aus italienischen Musikern. Neben dem »Mädchen für alles bei Frontiers Records«, also Produzent, Multi-Instrumentalist, Komponist und Arrangeur Alessandro Del Vecchio, sorgt der Name Simone Mularoni für Aufsehen. Dieser außergewöhnliche Gitarrenvirtuose ist einigen von euch vielleicht aus der Progressive-Metal-Band DGM bekannt. Del Vecchio und Mularoni haben den Großteil des Materials für das vierte Sunstorm-Album geschrieben; als externe Mitarbeiter haben außerdem die skandinavischen Musiker Daniel Palmquist und Soren Kronquist eigene kompositorische Ideen zu diesem Album beigesteuert.

Das Ergebnis ist ein anderes Album – in Produktion, Arrangement und Ausführung. Es orientiert sich weiterhin am »Eighties West-Coast«-AOR-Prinzip. Es ist also eher bei Survivor anzusiedeln – wegen der Soli und Gitarrenharmonien über die Songentwicklung, was schon im Opener Don’t Walk Away From A Goodbye angedeutet wird –, ja sogar bei Journey. Mularoni imitiert Schon gelegentlich gut.  Insgesamt ist das Album aber das schwächste aller vier.  Leider. Schon der Vorgänger zeigte, dass dem Team um Denis Ward die Ideen etwas ausgegangen waren, weshalb man nicht hätte erwarten dürfen, dass Turner mit dem neuen Team – das eigentlich für frischen Wind sorgen sollte – ausgerechnet das uninteressanteste Sunstorm-Album abliefern würde. Es gibt schlicht keine Songs, die einen »packen«, mitreißen. Versteht das bitte nicht falsch. Turner liefert das ab, was er muss und kann. Er ist wie immer ausgezeichnet. Nur die Songs, die mit ihren Refrain-Melodien mitreißen und einem unter die Haut gehen, fehlen auf dem Album schlicht. Deshalb ist das Album – vorsichtig ausgedrückt – über weite Strecken langweilig, aber nicht geistlos.

Die Erkenntnis, dass sich die Songs sogar untereinander zu ähnlich sind, überrascht kaum. Der vollgestopfte Terminkalender aller Musiker – Turner eingeschlossen, der gerade erst aus dem Rated X-Projekt ausgespannt hatte – macht eine penibel fokussierte Arbeit am jeweiligen Projekt unmöglich. Daher kommen natürlich auch Schlampereien, wie man sie auf diesem Album etwa beim Einsatz mehrstimmiger Gesangsharmonien beobachten kann. An manchen Stellen fehlen sie schlicht, obwohl sie den Arrangements guttäten, oder sie sind im Mix viel zu sehr in den Hintergrund gedrängt. Die ideenmäßige Dürre beschert dem Album zwangsläufig zu viele ähnliche Songs und zu wenig Abwechslung und Dynamik.  Es ist eigentlich fast schon komisch, dass der größte Genuss noch darin besteht, Mularonis Gitarreneinwürfen zu lauschen – obwohl sie in den Kompositionen völlig in der zweiten Reihe stehen.

Okay. Unterm Strich ist das trotzdem ein gutes, sagen wir solides Album, das zwar ideenmäßig arm ist, ohne echtes Charisma – und das kann auch Joe Lynn Turner nicht verbergen, egal wie sehr er sich bemüht, sein vokales Maximum zu geben. Vielleicht sollte Turner wieder damit anfangen, eigene Songs zu schreiben. Lassen wir also der Zeit ihre Zeit. 

Sunstorm – Ege of Tomorrow (offizielles Video):

 

Besetzung

Joe Lynn Turner: Lead Vocals
Alessandro Del Vecchio – Hammond-Orgel, Keyboards, Hintergrundgesang 
Simone Mularoni – Gitarre
Nik Mazzucconi – Bassgitarre
Francesco Jovino – Schlagzeug

Produktion

Alessandro Del Vecchio

Trackliste

01. Don’t Walk Away From A Goodbye
02. Edge Of Tomorrow
03. Nothing Left To Say
04. Heart Of The Storm
05. The Sound Of Goodbye
06. The Darkness Of This Dawn
07. You Hold Me Down
08. Angel Eyes
09. Everything You’ve Got
10. Tangled In Blue
11. Burning Fire

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