Edge Of Sins präsentierten `ihren Ausbruch` in Tolmin (2017)
Autor: Aleš Podbrežnik
Fotos: Aleš Podbrežnik
Ort: Tolmin / MINK / Slowenien
Konzertdatum: 24.03.2017
Besucherzahl: 20
Kartenpreis: 2,00€
Edge Of Sins sind slowenische Heavy Metaller, die der Wind aus Idrija, Ljubljana und Novo Mesto zusammengeweht hat, gemeinsam proben sie aber in Cerkno! Die Band ist seit 2012 aktiv, hat aber bis zur Stabilität, die sie 2016 bzw. während der Entstehung ihres Debüts erreichte, in relativ kurzer Zeit eine Reihe von Umbesetzungen durchlaufen. 2015 begann sie mit der Arbeit an ihrem Studiodebüt, das im August des vergangenen Jahres erschien – die Band gab ihm den Titel »My Escape«.
Tolmin. Im letzten Märzdrittel 2017! Um zehn Uhr abends. Eine durchgefrorene, erstarrte, wenn nicht gar „betäubte“ Stadt – kein gerade vorbildlicher Anblick für die Hauptstadt der Nördlichen Primorska. Lebendig sind nur zwei Orte. Na ja, zumindest dem Anschein und dem Ohr nach. Die Kovačija und die Hotelgaststätte über dem MINK. „Warum gehen all diese Leute nicht ins MINK?“, nagte es an mir. Okay, die Sitten und Gebräuche der Tolminer bleiben für mich nach wie vor ein absolutes Rätsel. Mindestens noch eine Stunde und zwanzig Minuten musste gewartet werden, bis sich im Club wenigstens zwanzig Leute (eher weniger) versammelt hatten, und die Band erst weit nach elf Uhr abends endlich die Bühne betrat und begann, ihr Studiodebüt vorzustellen.
Das Herzstück von Edge Of Sins bilden die Brüder Hadalin. Das sind Gitarrist Blaž, der auch für das kontrastreiche vokale Growling sorgt, und Schlagzeuger Nejc. Komplettiert wird die Besetzung von Bassist Anže Javoršek und Sänger Matic Pavlin sowie dem Neuzugang an der zweiten Gitarre, Mile Vrbica, der Anfang dieses Jahres Jure Flander in der Band ersetzte.
Die Band spielte erwartungsgemäß das Material des Albums »My Escape« durch, wobei die Jungs bei der Umsetzung penibel darauf bedacht waren, so nah wie möglich an dem zu bleiben, was die Aufnahmen auf dem Album transportieren. Der Sound vor Ort war insgesamt sehr solide, mit Ausnahme des Gesangs, der im Mix etwas zu weit in den Hintergrund gerückt wurde und dadurch mehrfach nicht zur vollen Geltung kam.
Was Edge Of Sins auszeichnet: Die Band hat keinen Bock auf Kitsch und braucht keinen Schnickschnack. Keyboard-Arrangements sucht man vergebens; stilistisch lehnen sie sich an die Old-School-Tradition des Heavy Metal an, wobei so manches Riff an die Vorbilder Iron Maiden erinnert (z. B. das exzellente Eröffnungsriff in Dying…). Die Durchdringungskraft und donnernde Klangfülle erreichen Edge Of Sins durch tiefere Stimmung, doch ihr Ausdrucksvokabular ist ausgeprägt düster, auch wenn harmonische Passagen immer wieder Momente von Epik und Bombast einbringen. Das betonte Moment der Düsterheit ist all dem allerdings ein starkes Gegengewicht. Auch dank der klangfarblichen Eigenheiten von Sänger Matic, der sich mit seinem an sich klaren und melodiösen Gesang überwiegend in mittleren Lagen bewegt.
An diesem Abend holten Edge Of Sins im kläglich besuchten MINK, das neuerdings an Wochenenden ein regelmäßiges Konzertprogramm verspricht, das Optimum aus ihrem Auftritt heraus. Für mehr wäre mehr Publikum im Club nötig gewesen. Die Band lieferte einen ordentlichen Auftritt ab und stellte auf diese Weise auch ihr Studiodebüt ordentlich vor, das übrigens ein Konzept trägt. Man spürt aber, dass die Band noch am Anfang steht, dass sie so viele Auftritte wie möglich braucht, um Selbstvertrauen aufzubauen und das dynamische Potenzial aus ihren Shows herauszuholen – besonders was Bühnenshow und -theater angeht. Die Mitglieder wirken auf der Bühne derzeit noch ziemlich statisch, mehr als willkommen wäre da auf jeden Fall eine Anpassung der Studiooriginale »für ihren Live-Einsatz bei Konzerten«. Was bedeutet das? Eine Weiterentwicklung der Originalsongs durch längere Outro-Passagen, denn die Jungs schließen in ihrer Absicht, möglichst nah am Original zu bleiben, die Songs (unabsichtlich) »abgehackt«, »abrupt« ab. Wenn du das Album hörst und dem konzeptuellen Bogen davon folgst, ist das vollkommen stimmig – mit Blick auf das Konzert aber kann die ganze Sache zweischneidig sein. Deshalb entfaltet die Energie des Bühnenauftritts noch nicht die richtige Wirkung. Die Weiterentwicklung werden aber natürlich die Erfahrungen bringen.
Ich weiß, dass ich hier zu sehr ins Philosophische abgedriftet bin und die Nadel im Heuhaufen suche, deshalb schließe ich diesen Bericht aus Tolmin mit folgender Erkenntnis. Den Jungs gebührt ein Kompliment für ihre Fokussiertheit, ihren Einsatz, ihren Fleiß und ihren Trotz. Und über allem steht das enorme Maß an Willenskraft, mit der sie das Faktum bewältigten, vor einem fast leeren Club zu spielen, und dabei das gewünschte Optimum, Souveränität und absolute Glaubwürdigkeit lieferten. Edge Of Sins ist also eine Band, deren Entwicklung es sich garantiert lohnt, auch in Zukunft aufmerksam zu verfolgen.
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